Pianistin Mona Asuka Ott im Beethoven-Saal Das Dämonische ist ihr fremd
Schlusspunkt mit virtuosem Tastendonner: Mona Asuka Ott hat in der Meisterpianisten-Reihe im Stuttgarter Beethovensaal Mozart, Chopin und Liszt gespielt.
Schlusspunkt mit virtuosem Tastendonner: Mona Asuka Ott hat in der Meisterpianisten-Reihe im Stuttgarter Beethovensaal Mozart, Chopin und Liszt gespielt.
Stuttgart - Macht das unschuldige G-Dur-Menuettchen des fünfjährigen Mozart etwas her in einem Klavierrezital? Vielleicht als witzige Zugabe nach einem hochvirtuosen Auftritt. Mona Asuka Ott, die jüngere Schwester der Pianistin Alice Sara Ott, spielte es jetzt in ihrem Solokonzert im Stuttgarter Beethoven-Saal zwischen zwei Rondos von Mozart: dem harmlosen in D-Dur und dem dämonischen in a-Moll. Dort machte das niedliche Menuett keinen rechten Sinn, außer vielleicht, das Weiß des Kleides der Pianistin zu unterstreichen.
Andererseits ist diese Stückwahl vielleicht doch symptomatisch für die 31-Jährige. Denn ihr lichter, leichter, oft zarter Anschlag macht aus Gewitter- schnell Schäfchenwolken, wie etwa im Adagio der F-Dur-Sonate KV 332 Mozarts. Schmerz verwandelt Ott in entrückte Verträumtheit, ihre Farbensuche wirkt oft manieriert. Das Dämonische ist ihrer Interpretation fremd.
Nach Mozart ging es in der zweiten Konzerthälfte in die Romantik. Aber wie etwa Chopins erste Ballade in g-Moll spielen, wenn dunkle Seiten Terra incognita sind? Des Komponisten lyrisches Ich sinniert darin, reflektiert, lässt Furor als Lebensenergie aufbrausen, lässt den poetischen Augenblick wirken, innehaltend in einer schönen Melodie: flüchtige Erinnerungen ans Glück, dann wieder Unruhe, Einsamkeit, Schmerz und Leid, Gedanken an den Tod. Die einzelnen Teile müssen organisch aus dem Vorhergehenden erwachsen, damit sich ein dramatischer Bogen spannt. Der ging Mona Asuka Ott an diesem Abend jedoch verloren. Sie bewältigte jeden Teil für sich. Das Stück zerfiel in Etüden.
Chopins Nocturne-Stil kommt Otts introvertierter Spielhaltung eigentlich entgegen. Sie spielt auswendig, aber nicht unbedingt sicher. Im zweiten der beiden Nocturnes op. 32 gerät sie mächtig ins Trudeln, fängt sich wieder. In der glitzernd-plätschernden Klangwelt, die Liszt in seiner Charakterstückesammlung „Pilgerjahre“ den Kanälen Venedigs abgelauscht hat, fühlte sich Ott aber offenbar wohl und setzte den Schlusspunkt mit virtuosem Tastendonner: mit Liszts Applaus einfordernder Tarantella.