„Picknick im Felde“ am Schauspiel Sonntagnachmittag in der Hölle

Szene aus „Picknick im Felde“. Foto: Björn Klein/Björn Klein

Am Schauspiel Nord zeigen Studierende der Akademie für Darstellende Kunst eine Kriegsfarce von Fernando Arrabal.

Ein Schlachtfeld ist kein Ort, auf dem man sich gern niederlassen möchte. Wie soll man picknicken, wenn Kugeln fliegen? Doch, es geht. Bei Fernando Arrabal zumindest. Arrabal, der im August 2023 91 Jahre alt wird, war Zeitgenosse von Beckett und Ionesco, schrieb rund 100 Theaterstücke. 1959 erschien sein Stück „Picknick im Felde“: Ein absurder Streich, der die Welt grausam auf den Kopf stellt, und heute, leider, aktueller scheint, denn je. Nun haben Studierende der Akademie für Darstellende Kunst das Stück im Schauspiel Nord auf die Bühne gebracht. Paul Auls führte Regie in einem unwirklichen Bühnenbild, das Felix Glawion schuf, Studierender der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

 

Abgründe tun sich auf

Zu Beginn herrscht Dunkelheit. Sechs Lichter, Taschenlampen, irren umher. Man sieht die Silhouetten von Mann und Frau, die sich gegenüber stehen. Auf dem Boden wachsen Blumen, Nebel breitet sich aus, ein Spalt tut sich auf. Aus dem Licht hervor tritt die Gestalt eines Soldaten, der ein seltsam geformtes Gewehr trägt. Die Bühne wird von einem kalt blitzenden Neonrahmen umfasst; elektronisches Sounddesign (von Eagle Wu) wummert bedrohlich. Blitzende Lichtrahmen auch zur Linken und Rechten, darin schwarze Vorhänge. Hervor kommt eine Hand, die einen Telefonhörer hält, aus dem Befehle schnattern. Später werden die Befehlshabenden selbst kurz ihre Köpfe durch die Vorhänge stecken.

Plötzlich spazieren Vater und Mutter aufs Schlachtfeld, fröhlich plaudernd. „Wir wollten dir einen kleinen Besuch abstatten!“

Ja früher, sagt der Vater, da war alles besser, da hatten die Kriege noch Schwung! „Du musst mutiger sein“, sagt die Mutter, „wie dein Vater!“ Ein Picknick beginnt, ein Kofferradio spielt, man wagt ein Tänzchen. Ein gegnerischer Soldat stößt dann zur Landpartie. Er wird aufs Höflichste festgenommen und gefesselt. Man einigt sich, man versteht ihn nicht, den Krieg, man trinkt gemeinsam Wein, man schießt Erinnerungsfotos. Abgründe tun sich auf, in der Banalität.

Jonathan Fiebig, Tabea Mewis, Larissa Pfau, Maksym Rudskyi, David Smith und Rahel Stork spielen die Figuren dieser Farce. Raphael Jacobs hat die Darsteller in Kostüme gekleidet, fleischfarben, gleichförmig, amöbenhaft. Ein Blitz wird kommen, ein Donner, dann Stille. Sanitäter pflücken jede einzelne Blume, die auf dem Felde steht. Aus dem Radio kommen Stimmen, die russisch klingen. Das Leben geht weiter, oder auch nicht.

Picknick im Felde: Termine: 25.- 28. Januar, 3. + 4. Februar, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Nord.

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