Pilotprojekt an der Esslinger John-F.-Kennedy-Schule Künstliche Intelligenz in der Berufsschule

Im „Digitalen Büro“ der Esslinger John-F.-Kennedy-Schule werden die Teilnehmer ab November von Karl Neher und Michèle Fink betreut. Foto: /Tim Kirstein

Im vergangenen Jahr startete die IHK-Zusatzqualifikation „Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen“ an der John-F.-Kennedy-Schule in Esslingen. In diesem Schuljahr geht das Pilotprojekt in die zweite Runde.

Ob Schulleben oder Arbeitsalltag – das Thema Künstliche Intelligenz (KI) ist heute nur noch schwer wegzudenken. Im vergangenen Jahr startete die Industrie- und Handelskammer (IHK) deshalb gemeinsam mit Schulen aus den Kammerbezirken Stuttgart, Karlsruhe und Reutlingen das Pilotprojekt „Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen“. Diese Zusatzqualifikation wurde auch an der John-F.-Kennedy (JFK)-Schule in Esslingen angeboten. Nach einem erfolgreichen ersten Jahr geht es für die Betreuer des Programms im November in die zweite Runde.

 

Schülerinnen und Schüler werden auf ihre Zukunft im Betrieb vorbereitet

„Als berufliche Schule bereiten wir unsere Schülerinnen und Schüler auf ihre Zukunft im Betrieb vor. Künstliche Intelligenz wird diese Zukunft prägen“, sagt Katharina Melke-Lingnau, die Schulleiterin der JFK-Schule. Aus diesem Grund war sie als Vertreterin der schulischen Perspektive an der Erstellung des Programms beteiligt. Neben der Schule und der IHK waren auch Unternehmen aus dem Landkreis mit im Boot. Die für das Programm genutzte Lernsoftware wurde von der Universität Stuttgart entwickelt. Die Auswertung des Projekts übernahm die Ludwig-Maximilians-Universität München. Wichtig sei vor allem eine gute Abstimmung der Beteiligten, sagt Michèle Fink, Lehrerin für Informatik und BWL. Sie begleitete das Projekt bereits im vergangenen Schuljahr. Ab November wird sie zusammen mit Karl Neher, dem Abteilungsleiter für die Berufsschule, die Teilnehmer betreuen.

„Bei einer Zusatzqualifikation geht es darum, die Ausbildung durch aktuelle Themen zu ergänzen“, sagt Fink. Der Fokus der Zusatzqualifikation liegt auf den Auszubildenden, teilnehmen können aber auch bereits ausgebildete Arbeitnehmer. Ziel des Programms sei nicht, dass die Auszubildenden selbst eine Künstliche Intelligenz programmieren sollen, sagt Fink. „Es ist wichtig, dass sie lernen, Potenziale für den Einsatz von KI zu erkennen und ein Gespür für das Thema zu entwickeln“, erklärt sie.

Teilnehmer aus verschiedenen Fachrichtungen

Die Teilnehmer der Zusatzqualifikation kämen aus vielen verschiedenen Fachrichtungen. Für die zweite Runde hätten sich beispielsweise Auszubildende aus den Fachrichtungen Informatik, Elektrik oder dem kaufmännischen Bereich angemeldet. Das Programm ist so gestaltet, dass neben gemeinsamen Treffen in der Schule ein großer Teil der Inhalte zu Hause bearbeitet werden kann. Für Auszubildende, die in weiter entfernt gelegenen Betrieben arbeiten, könne die Teilnahme so trotzdem ermöglicht werden. Dennoch betont Fink den Wert der Präsenztermine, die zum Kennenlernen und zur Umsetzung von Gruppenprojekten genutzt wurden. „Gerade wenn man remote arbeitet, entstehen oft Fragen“, sagt sie. Wenn die Teilnehmer sich untereinander und die Betreuer persönlich kennen, sinke die Hemmschwelle, Fragen zu stellen.

Für die Treffen nutzte die Gruppe, welche im vergangenen Schuljahr aus 16 Teilnehmern bestand, das „Digitale Büro“ der Schule. Dieser Raum ist mit Tablets, Smartphones und digitalen Flipcharts ausgestattet. In der Lernsoftware bearbeiteten die Auszubildenden Themen wie Grundbegriffe der KI, Datenschutz oder Chancen, Herausforderungen und ethische Fragen der KI. „KI ist mehr als ChatGPT“, sagt Schulleiterin Melke-Lingnau. Bei Besprechungsterminen wurden schwierige Themen noch einmal erklärt und Fragen beantwortet.

Gut funktionierende Zusammenarbeit

Das Highlight des Programms für Michèle Fink war der Tag der Gruppenpräsentationen. Die Teilnehmer sollten den möglichen Einsatz von KI in von ihnen gewählten Arbeitsbereichen darstellen. „Es war sehr spannend, über die Präsentationen der KI-Projekte unserer Auszubildenden in der Zusatzqualifikation zu erfahren, welchen Zugang zu KI die verschiedenen Ausbildungsberufe haben“, sagt sie. Die Abschlussprüfung fand wie andere Prüfungen auch in der Schule statt. Als Betreuerin hat Fink viel gelernt, auch die Zusammenarbeit mit der IHK, den Unternehmen und den Universitäten habe gut funktioniert, sagt sie. Vieles würde sie so beibehalten, lediglich einen möglichen Zusatztermin für die Nachbesprechung von besonders schwierigen Themen halte sie für nützlich, erklärt die Lehrerin. „Insgesamt haben wir festgestellt, dass es ein gelungenes Pilotprojekt gewesen ist“, sagt Fink.

Zusatzqualifikation umfasst 104 Unterrichtsstunden

Definition der KI
Künstliche Intelligenz (KI) ist laut der Definition des Europäischen Parlaments die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie beispielsweise logisches Denken, Lernen, vorausschauendes Planen und Kreativität zu imitieren.

Lernumfang
Die Zusatzqualifikation umfasst 104 Unterrichtsstunden. 70 Stunden arbeiten die Teilnehmer mit der Lernsoftware, 22 Stunden werden gemeinsam mit den Betreuern verbracht. Die restlichen zwölf Stunden dienen der Präsentations- und Prüfungsvorbereitung.

Digitale Bildung
Der Umgang mit Office-Programmen oder Unterrichtsstunden am Tablet sollen den Schülern der JFK-Schule helfen, Digitalkompetenzen zu erlernen. Außerdem sei es wichtig, richtige Suchstrategien für Internetrecherchen zu lehren, sagt Fink.

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