Pilotprojekt in Ludwigsburg Diese Paketbox hat eine Kamera – und einen Kühlschrank

Fächer in verschiedenen Größen, wahlweise auch gekühlt oder mit Wärmefunktion: In Ludwigsburg stehen jetzt die ersten intelligenten Paketboxen für Lieferdienste, weitere sollen folgen. Foto: factum/Simon Granville

Die Immobilienfirma Strenger aus Ludwigsburg hat mit zwei Partnern Paketboxen für Mehrfamilienhäuser entwickelt, in die auch Lebensmittel und Kleidung geliefert werden können – digital und kontaktlos. Die Fächer können sogar gekühlt werden.

Ludwigsburg - Die Logistikbranche gehört zu den großen Gewinnern der Corona-Pandemie. Immer mehr Päckchen und Pakete werden quer durch Deutschland und Europa versandt, da aus Infektionsschutzgründen stationärer Einkauf nur unter Einschränkungen oder sogar überhaupt nicht erlaubt ist. Ein Nachteil der zunehmenden Lieferflut ist, dass sich dadurch das Verkehrsaufkommen stark erhöht hat – nicht nur wegen der Retourensendungen, sondern auch, weil die Mitarbeiter der Lieferdienste den Empfänger nicht angetroffen haben.

 

Eine neuartige Lösung für diese Problematik bietet die Firma „IQ Intelligentes Wohnen“ der Ludwigsburger Strenger-Gruppe, die deutschlandweit die erste Paketfachanlage für Mehrfamilienhäuser entwickelt hat, in die sogar Lebensmittel und Kleidung kontaktlos geliefert werden können. „Wir wollten es nicht bei einfachen Paketstationen belassen, sondern den Service für Kunden nochmals verbessern“, erklärt Manuel Mayer, der Geschäftsführer des Ludwigsburger Start-up-Unternehmens.

Die Technik für die Boxen kommt aus der Schweiz

Die so genannte IQ-Box kann von der Größe her individuell auf die Bedürfnisse von Kunden zugeschnitten werden und enthält Paketfächer in den Größen XS bis XL. Der Clou dabei ist, dass diese wahlweise auch eine Warmhalte- oder Kühlfunktion haben können. „So kann man sich zum Beispiel gekühlte Lebensmittel oder warmes Essen nach Hause liefern lassen“, erläutert Tristan Brockelmanns, einer der Geschäftsführer der Schweizer Firma S:Stebler.

Die Firma aus dem Kanton Solothurn ist nach eigenen Angaben die Nummer eins in Sachen Briefkästen in der Schweiz und wurde 2019 mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. „Wir sind der Maßanzug für Paketfachanlagen und Aluminium“, sagt Brockelmanns unbescheiden. Neben gewärmten und gekühlten Fächern gibt es im Portfolio weiterhin auch hohe Boxen mit Kleiderbügeln, in die Wäschereien frisch gereinigte Hemden und Anzüge hängen können. Ganz kleine Boxen sind dazu gedacht, um einen Schlüssel zu hinterlegen, damit die Nachbarin diesen nicht mehr unter der Fußmatte oder dem Blumentopf im Fenster suchen muss.

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Integriert in die Paketfachanlage ist eine Videosprechanlage nebst Türöffner und Touchdisplay. Gesteuert wird das ganze System über die App „IQ Club“, die sich die Hausbewohner auf ihr Smartphone laden müssen. „Über die App schalten die Nutzer die Zugangsberechtigung für bestimmte Boxen für Lieferdienste wie DHL, Hermes oder UPS, aber auch für den Metzger, den Partyservice oder Privatpersonen frei“, erklärt Kristina Stelzig, die Öffentlichkeitsbeauftragte bei Strenger.

Die Empfänger der Pakete können direkt mit den Lieferdiensten kommunizieren

Der Zusteller erhalte einen Code, mit dem er die Box öffnen und die Ware darin deponieren könne. „Das muss nicht für jede Lieferung extra gemacht werden, sondern nur einmal für jeden Zusteller“, ergänzt Kristina Stelzig. Gleichzeitig werde der Besitzer der Box per Push-Nachricht über die erfolgte Zustellung informiert und erhalte eine Pin-Nummer für die Öffnung. „So lange ist die Box dann blockiert, es kann einem also niemand an die Wäsche gehen“, sagt Stelzig. Über eine weitere App der Firma SKS aus Hof im Westerwald, dem dritten Partner der Strenger-Gruppe bei diesem Projekt, kann der Besitzer der Box mit dem Zusteller über Video Kontakt aufnehmen und diesem sogar mittels seines Smartphones die Tür öffnen, wenn ein besonders großes Päckchen im Haus deponiert werden soll. „Wir ermöglichen Lieferungen mit so wenig wie möglich persönlichem Kontakt, was in der Corona-Pandemie ein Stück weit den Zeitgeist trifft“, sagt Christopher Kinkel, der Vertriebsleiter von SKS. Tristan Brockelmanns hebt außerdem noch hervor: „Mit dieser Gesamtlösung tragen wir zur Nachhaltigkeit bei, weil Zweit- und Drittzustellungen überflüssig werden“.

Da die Paketfachanlagen in Farbe und Größe individuell nach Bedarf hergestellt werden, können die Firmenvertreter über die Preise keine allgemeinen Angaben machen. Die erste „IQ-Box“ ihrer Art steht jedenfalls in Ludwigsburg. Zwei weitere sind nach den Angaben von Manuel Mayer bereits für Häuser mit 200 Wohnungen in Ulm und mit 100  Wohnungen in Sachsenheim bestellt.

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