Pisa-Weltmeister Singapur Bildung als Ideal

Schon in den 90er Jahren waren Computer an Singapurs Schulen normal. Foto: imago/Rainer Unkel

Bei internationalen Bildungsvergleichen wie der Pisa-Studie schneidet Singapur regelmäßig hervorragend ab – diesmal sogar als Bildungsweltmeister. Was macht das Land anders als der Rest der Welt?

Vor vier Jahren gab es einen Dämpfer. Die Tageszeitung „Straits Times“ titelte: „Singapur rutscht auf den zweiten Platz hinter China.“ In der Pisa-Studie, die alle drei Jahre die Schulleistungen in verschiedenen Ländern untersucht, hatte Singapur Platz zwei belegt. Im Jahr 2015 war man noch Spitzenreiter. Nun ist der südostasiatische Stadtstaat zurück an der Spitze. Der aktuelle Pisa-Report sieht Singapur als Maß der Dinge. Im Fach Mathematik liegt man vor dem zweitplatzierten Macau, in Sachen Lesekompetenz vor Irland, in den Naturwissenschaften erreichte der Stadtstaat mehr Punkte als Japan.

 

Konfuzius betonte den Wert von Bildung

Generell zeigt die aktuelle Pisastudie: Bis auf einige Ausnahmen – wie etwa Irland und Estland in Sachen Lesekompetenz sowie Estland in den Naturwissenschaften – belegen die obersten Plätze durchweg Singapur sowie die ostasiatischen Staaten und Regionen Japan, Südkorea, China, Hongkong, Macau und Taiwan. Deutschland schneidet so schlecht ab wie noch nie, Österreich liegt nur in Mathematik vor Deutschland, die Schweiz in Mathematik und Naturwissenschaften. Diese drei Länder eint, dass ihre 15-Jährigen überwiegend schlechter dastehen als die damals Gleichaltrigen vor der Pandemie. Dies ist ein Unterschied zu den ostasiatischen Ländern, die von der Pandemie weniger stark getroffen wurden. Aber die Unterschiede gehen nicht nur auf die Pandemie zurück. Alle erfolgreichen Länder eint eine für die Bedeutung von Bildung wichtige kulturelle Prägung: die des Konfuzianismus.

Viel Geld für die Lehrausbildung

Nach den Lehren des chinesischen Staatsmanns gehört Bildung zu den wichtigsten Tugenden überhaupt: Ein hohes Maß an Bildung war für Konfuzius nicht nur ein Merkmal charakterlicher Reife und Kontrolle, sondern auch ein Element gesellschaftlicher Ordnung. Singapur legt viel Wert auf ein gutes Abschneiden in internationalen Vergleichen. Christopher Gee, Bildungsexperte aus Singapur, bezeichnet die Bildungspolitik im Land auch als „Wettrüsten“. So wurde über die vergangenen Jahre immer wieder ins Bildungssystem investiert – auch in die Weiterbildung der Lehrkräfte am Nationalen Institut für Bildung. Da Singapur keine Demokratie ist, geht es in den Lehrplänen weniger um sozialwissenschaftliche Bildung, als um das Erlernen jener Fächer, die in Pisa-Studien geprüft werden. Der soziale Status von Lehrkräften ist hoch: 2018 sagten 72 Prozent, ihr Job werde von der Gesellschaft geschätzt – deutlich mehr als der OECD-Durchschnitt.

Zudem ist es selbst für Grundschulkinder üblich, wöchentlich mehrere Stunden Nachhilfeunterricht zu nehmen. In der Pandemie, als auch Singapurs Regierung die Schulen zeitweise schloss, schwoll der Markt für private Nachhilfe auf rund eine Milliarde Euro pro Jahr an – das ergibt durchschnittlich mehrere Hundert Euro Ausgaben pro Schulkind jeden Monat.

Der Druck hat Folgen für die mentale Gesundheit von Jugendlichen. Bei der Häufigkeit von Depressionen liegt das Land im internationalen Mittelfeld, die Zahl der Suizide erreichte allerdings 2022 den höchsten Wert seit mehr als 20 Jahren.

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