Pläne in Schwieberdingen Kommt das Gewerbegebiet ohne Porsche?

In Schwieberdingen soll bei Bosch ein insgesamt rund 45 Hektar großes Gewerbegebiet entstehen. Foto: Simon Granville

Für mehrere Kommunen ist der regionale Gewerbeschwerpunkt in Schwieberdingen die einzig verbleibende Möglichkeit, sich wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Sie treiben das Projekt weiter voran. Derweil ist unklar, wer sich dort ansiedeln wird.

Es geht voran mit dem 45 Hektar großen Gewerbegebiet in Schwieberdingen nahe des Bosch-Standorts. Um die Fläche zu verwirklichen, haben sich mit der Gemeinde mehrere Nachbarkommunen zusammengetan. Ditzingen hat nun am Dienstag der Satzung des neuen, gemeinsamen Zweckverbands zugestimmt, der für das Gewerbegebiet verantwortlich zeichnet. Schwieberdingen befasste sich am Mittwochabend damit, Hemmingen folgt am Dienstag.

 

Hauptnutzer Automobilindustrie

Im Wesentlichen haben sich Schwieberdingen, Hemmingen, Markgröningen und Ditzingen zum regionalen Gewerbeschwerpunkt bekannt – der ausschließlich als Gemeinschaftsprojekt entwickelt werden darf. Darauf verwies der Ditzinger Oberbürgermeister Michael Makurath (parteilos) in der Diskussion mit seinen Stadträten. Der Regionalrat, der für die SPD in der Regionalversammlung sitzt, nannte den vorliegenden, für die vier Kommunen gemeinsam geltenden Satzungsentwurf einen „Kompromiss, den wir intensiv verhandelt haben“.

Hauptnutzer des Gebiets könnte die Automobilindustrie werden – auch wenn sich der Sportwagenbauer Porsche inzwischen zurückhaltend äußert. „Wir verfolgen die Entwicklungen rund um den regionalen Gewerbeschwerpunkt aufmerksam und sind mit den Vertretern der Gemeinde im Dialog“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Als international erfolgreiches Unternehmen sei Porsche stolz auf seine Wurzeln und fest mit der Region, den Menschen und den Kommunen verbunden. „Der Austausch mit den regionalen Stakeholdern ist uns wichtig.“

Die Kritik der Ditzinger zielte im Wesentlichen auf eine aus ihrer Sicht gegebene Übervorteilung der Schwieberdinger ab. Die Gemeinde soll 51 Prozent des Gewerbesteueraufkommens allein aus dem regionalen Gewerbeschwerpunkt erhalten. Der Rest, je 16 Prozent, geht anteilig den anderen beteiligten Kommunen zu. Was Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) „natürlich legitim“ findet. Lediglich der Gewerbeschwerpunkt werde vom Verband Region Stuttgart als interkommunal zu entwickeln vorgegeben, begründet er dies. „Von daher ist klar, dass sich weitere Beteiligte das ‚verbliebene Kuchenstück aufteilen‘“.

Das Gebiet liegt an der Schnellbahntrasse Stuttgart-Mannheim, an der nordöstlichen Gemeindegrenze Schwieberdingens. Die Hälfte des Gebiets ist regionaler Gewerbeschwerpunkt, die andere Hälfte ist unterteilt in eine Erweiterungsfläche für Bosch und eine deutlich kleinere Fläche zur Zukunftssicherung Schwieberdinger Unternehmen. Die darin vorgesehene Fläche zur Entwicklung örtlicher Gewerbebetriebe ist die den Schwieberdingern nach eigenen Angaben noch einzig verbliebene Entwicklungsfläche auf der eigenen Gemarkung.

Gewerbeflächen sind vielerorts Mangelware. Hemmingen hat keine mehr. „Da wir über den Gemeindeverwaltungsverband mit Schwieberdingen ohnehin die Flächennutzungsplanung abstimmen müssen, macht es Sinn, hier dann auch gemeinsam zu agieren“, sagt der Bürgermeister Schäfer mit Blick auf das interkommunale Gebiet. Die großen Betriebe im Ort haben sich laut ihm bereits Erweiterungsflächen gesichert, die noch nicht bebaut sind. „Ansonsten ist es unsere Aufgabe, im Rahmen von Änderungen von Bebauungsplänen auch Entwicklungen an den bisherigen Standorten positiv zu begleiten“, so Schäfer. Andernfalls komme es zu Wanderungsbewegungen, sprich: Die Unternehmen sehen sich woanders nach geeigneten Flächen um. „Da der regionale Gewerbeschwerpunkt in seinem Grundansatz darauf abzielt, dass große Flächen zur Verfügung gestellt werden, ist davon auszugehen, dass kleinere Unternehmen dann tatsächlich weg sind – und somit auch keine Gewerbesteuer mehr für Hemmingen abfällt.“

Ditzingen ist in derselben Situation. Die Ertüchtigung im Bestand, die Modernisierung der bestehenden Gewerbegebiete wird hier wie dort nicht als alleinige Lösung angesehen, den künftigen Bedarf zu decken.

Große Flächen sind gefragt, aber Mangelware

Mit größeren, zusammenhängenden Gewerbeflächen kann die Region Stuttgart nach eigenen Angaben „nur in sehr begrenztem Maß“ aufwarten. Um die ausgeprägte Flächenknappheit abzumildern und Expansion und Neuansiedlung von Unternehmen in der Region zu erleichtern, sieht der Regionalplan solche regionalen Gewerbeschwerpunkte vor. „Wo gibt es zusammenhängende bebaubare Fläche von zehn Hektar?“

Michael Makurath macht deutlich, dass er in der Ditzinger Beteiligung durchaus einen Beitrag seiner Stadt sieht – zur Förderung einer funktionierenden wirtschaftsstarken Region Stuttgart. Zumal es ruhig geworden ist um die Entwicklung des zweiten großflächigen Gewerbestandorts im Kreis Ludwigsburg. „Von Korntal höre ich schon lange nichts mehr.“ Dort ringt der Gemeinderat auch um die ökologischen Standards. Die vermisst Karl Bendel von der Initiative Lebenswertes Strohgäu für das Schwieberdinger Gebiet gänzlich. Die Initiative macht aus ihrer ablehnenden Haltung keinen Hehl. Für sie ist der Entwurf der Verbandssatzung in vielen Punkten unpräzise und für die Schwieberdinger gar nachteilig. Karl Bendel setzt nun auch darauf, dass die Satzung vom Regierungspräsidium noch genehmigt werden muss.

Ob mit oder ohne Porsche: Dass das Gewerbegebiet Nutzer findet, bezweifelt niemand, auch Bendel nicht. Porsche sei nur ein Interessent, heißt es ebenso im Schwieberdinger Rathaus. Wer sich letztlich ansiedelt, wird der Zweckverband entscheiden. Dem Vernehmen nach signalisiert vor allem die Zulieferindustrie Interesse. Selbst wenn Porsche nicht kommt, ist auch der Ditzinger Verwaltungsspitze nicht bange. Interessenten, so heißt es, gebe es etliche.

Ein Ökopark wie in Korntal-Münchingen kommt anderswo schneller

Ökopark I
 Mit gut 16 Hektar um einiges kleiner als der interkommunale Gewerbeschwerpunkt in Schwieberdingen, dafür maximal ökologisch und nachhaltig soll der regionale Gewerbeschwerpunkt in Korntal-Münchingen nördlich von Müllerheim werden. Der Freiburger Architekt Wolfgang Frey will auf der Fläche ein Leuchtturmprojekt umsetzen. Doch noch ist offen, ob und wie es mit dem mindestens eineinhalb bis zwei Milliarden Euro teuren Vorhaben weitergeht, in das auch der Sportwagenbauer Porsche eingestiegen ist. Der Gemeinderat berät am5. Dezember öffentlich.

Ökopark II
 Derweil ist die Gemeinde Straubenhardt im Enzkreis einen Riesenschritt weiter: Im Hasenstock wird eine Fläche von 24 000 Quadratmetern ökologisch korrekt bebaut – mit dem Architekten Frey, der in dem Gebiet Wohnen, Arbeiten und Produzieren vereint – wie auch in Korntal-Münchingen geplant. Die Etagen werden auf einen Sockel aus unterirdischen Produktionshallen gestapelt, sodass weniger Fläche verbraucht wird. Laut Frey ergibt sich so fast eine Verdreifachung der Grundstücksausnutzung. Der Gemeinderat beschloss am Mittwoch, den Bebauungsplan aufzustellen.

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