Plagiarius 2014 Negativ-Preis für dreiste Nachahmer

Das Original von Kärcher (links) ist kaum vom Plagiat zu unterscheiden. Foto: Kärcher 6 Bilder
Das Original von Kärcher (links) ist kaum vom Plagiat zu unterscheiden. Foto: Kärcher

Der Plagiarius wird seit 1977 an Firmen vergeben, die frech Markenartikel kopieren. Dieses Jahr ging der zweite Platz an eine chinesische Firma, die Kärcher-Geräte fast identisch nachbaute.

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Winnenden - Der Surrealist Salvador Dalí war angeblich stolz darauf, dass Fälscher seine Bilder kopierten oder seinen Stil nachzuahmen versuchten. Nur wer Klasse habe, werde Opfer solcher Betrüger, meinte der Spanier, der seinerzeit sogar eine große Zahl unbemalter Leinwände signierte und damit einem Kunstfälscherhandel Tür und Tor öffnete. Von daher könnten Hersteller von Markenprodukten wie Stihl oder Kärcher eigentlich stolz darauf verweisen, dass sie wie der Maler Dalí regelmäßig zur Zielscheibe von Produktpiraten geworden sind. Doch bergen die billigen Plagiate der technisch hochwertigen Produkte auch allerhand Risiken, die sich auf das Image der Originale schlecht auswirken können.

Seit 1977 werden dreiste Nachahmer ausgezeichnet

Aus diesem Grund gibt es seit 1977 den Plagiarius, einen Negativ-Preis für besonders dreiste Nachahmungen von Markenprodukten. Dieses Jahr landete die Kopie eines Winnender Kärcher-Hochdruckreinigers auf dem zweiten Platz. Das chinesische Unternehmen Wenzhou Haibao hat den Kärcher HD 6/15 C äußerlich nahezu identisch nachgebaut. Erst auf den zweiten Blick fallen Unterschiede auf, etwa die unterschiedlichen Farben der Bedienknöpfe beim Original, die in der Kopie beide rot sind. Oder dass auf dem echten Gerät aus Winnenden der Schriftzug Kärcher zu lesen steht, während das Plagiat mit HBJX beschriftet ist. Verliehen wurde der Plagiarius wie immer auf der Konsumgütermesse „Ambiente“, die vergangene Woche in Frankfurt am Main stattgefunden hat.

„Qualität hat bei Kärcher oberste Priorität. Wir gehen entschieden gegen jede Form von Produktfälschungen vor“, sagt Hartmut Jenner, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Winnender Weltmarktführers für Reinigungstechnik . „Im Kampf gegen Plagiate sind wir sehr erfolgreich und schöpfen dafür auch alle rechtlichen Mittel aus.“ Im vergangenen Jahr hat Kärcher Wenzhou Haibao in China erfolgreich verklagt. Das Gericht veranlasste den Stopp der Produktion des gefälschten Hochdruckreinigers. Mit dem Plagiarius wird die dreiste Kopie nun bekannt gemacht. Hartmut Jenner: „Die Vergabe des Plagiarius zeigt, dass unlauteres geschäftliches Vorgehen an den Pranger gestellt werden kann.“

Kärcher war eines der ersten deutschen Unternehmen, das im Reich der Mitte erfolgreich einen Prozess wegen unlauteren Wettbewerbs gewonnen hat. Neben dem Verbot, die Kopien weiter herzustellen, verhängte das Bezirksgericht von Guangzhou (Kanton) im Südosten von China zudem eine sogenannte Kompensationszahlung an das schwäbische Familienunternehmen.

Kärcher ist nicht zum ersten Mal zur Zielscheibe geworden

Kärcher ist freilich nicht zum ersten Mal zur Zielscheibe von Produktpiraten geworden, die beim Plagiarius vordere Plätze errangen. Vergangenes Jahr landete die Kopie des Window Vac WV 75 plus zusammen mit vier anderen auf dem vierten Platz. Auch hier war es eine chinesische Firma, Ningbo Elmar Electric Manufacture, die den Fensterreiniger kopiert und auf den Markt geworfen hatte.

Auch Stihl-Produkte werden gern von Produktpiraten imitiert. Das Waiblinger Unternehmen wird sogar besonders stark von Plagiatoren geplagt. Bei dessen Kettensägen ist nicht nur der wirtschaftliche Schaden für die Firma gefährlich. Wer mit den gefälschten Sägen arbeitete, die 2006 mit dem Plagiarius ausgezeichnet worden waren, begab sich damit in Lebensgefahr. Denn der Sicherungsgriff, der bei einem Hochschlagen der Säge sofort die Kette stoppt, war beim Imitat lediglich Zierrat aus Plastik, der keinerlei Funktion erfüllte – außer, den Käufer über die Echtheit der Säge zu täuschen.

Auch Stihl wehrt sich konsequent

Auch Stihl wehrt sich konsequent gegen die Nachahmer. „In Europa wurden in den vergangenen Jahren mehrere Zehntausend Plagiate von Stihl-Produkten durch den Zoll beschlagnahmt“, sagt Kristin Albrecht, eine Sprecherin des Unternehmens. Dieser Erfolg kommt indes nicht von allein. „Wir schulen Zollbeamte weltweit, woran man echte Stihl-Sägen erkennt und haben für Deutschland einen Grenzbeschlagnahmeantrag gestellt. Das ist die rechtliche Voraussetzung für den Zoll, in Aktion treten zu können.“

Eine echte Stihl-Säge könne man außer an ihren äußeren Merkmalen und technischen Eigenschaften im Übrigen auch an ihrem Absatzweg erkennen. „Die echten Produkte aus unserem Haus gibt es nur im speziellen Fachhandel, nicht auf dem Flohmarkt.“, betont die Unternehmenssprecherin. „Und aus dem Kofferraum heraus werden sie schon gar nicht verkauft.“




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