Plagiat-Skandal in Madagaskar Afrikanischer Zweitaufguss

Von Johannes Dieterich 

Hery Martial Rajaonarimampianina Rakotoarimanana hat nicht nur einen langen Namen, sondern auch wenig Skrupel beim Plagiieren. Seine Antrittsrede zitiert wortgetreu Frankreichs Ex-Staatschef Sarkozy.

Präsident Rakotoarimanana hat bei Nicolas Sarkozy abgekupfert. Foto:  
Präsident Rakotoarimanana hat bei Nicolas Sarkozy abgekupfert. Foto:  

Antananarivo – Mit 45 Buchstaben hat Hery Martial Rajaonarimampianina Rakotoarimanana nicht nur den mit Abstand längsten Namen aller Staatschefs dieser Welt – er hat inzwischen auch das längste Gesicht. Zumindest im übertragenen Sinn: Denn der neue Präsident des afrikanischen Inselstaats Madagaskar wurde bei einer äußerst peinlichen Tätigkeit ertappt. Monsieur Rajaonarimampianina hat geklaut. Allerdings wurde er nicht – wie unter seinen Kollegen üblich – mit den Händen in der Staatskasse erwischt: Der Präsident hat vielmehr Worte entwendet.  

Anlässlich seiner Amtseinführung fand der frisch gewählte Staatenlenker Worte, die wie eine Sinfonie klangen. „Ich bitte meine Freunde, mich frei zu geben“, intonierte der 65-Jährige und fuhr fort: „Frei, um auf andere zugehen zu können. Auf jene, die niemals meine Freunde waren, die nicht unserem Lager, unserer politischen Familie angehörten, die wir mitunter sogar bekämpften. Aber in Madagaskar gibt es jetzt keine Lager mehr . . .“   Inselbewohner mit gutem Gedächtnis kamen die Worte irgendwie bekannt vor. Hatte nicht Nicolas Sarkozy, Präsident der einstigen madagassischen Kolonialmacht Frankreich, genau sieben Jahre zuvor bei seiner Amtseinführung die folgenden wohltönenden Sätze gesprochen: „Ich bitte meine Freunde, mich frei zu geben. Frei, um auf andere zugehen zu können. Auf jene, die niemals meine Freunde waren, die nicht unserem Lager, unserer politischen Familie angehörten, die wir mitunter sogar bekämpft haben. Doch in Frankreich gibt es jetzt keine Lager mehr . . .“  

Bis aufs Komma, habe Rajaonarimampianina die Rede übernommen, empörte sich eine Zeitung – ohne fairerweise zu erwähnen, dass der Zweitverwerter immerhin „Frankreich“ durch „Madagaskar“ ersetzte. Rajaonarimampianinas Wahlkampfmanager blieb gelassen: „Man kann doch ein Zitat von jemandem nehmen.“ Er hätte auch sagen können: Das Plagiieren passt zu dem neuen Präsidenten. Schließlich ist allgemein bekannt, dass der gar nicht im eigenen Namen kandidierte: Er gilt vielmehr als Frontmann des Putschistenführers Andry Rajoelina, der auf Druck der internationalen Gemeinschaft hin an der Abstimmung nicht teilnehmen durfte.