Plakat im Fanblock Ultimatum an die Chefetage des VfB

Das Plakat im VfB-Fanblock mit seiner unmissverständlichen Botschaft Foto: imago//Heiko Becker

Die Fans des VfB Stuttgart machen die Partie in Sinsheim zu einem Heimspiel, ein Teil von ihnen sendet aber auch eine klare Botschaft an die zerstrittene Führungsriege des Vereins.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Die Fans des VfB Stuttgart trieben ein riskantes Spiel, schließlich stellt die TSG Hoffenheim eines der besten Auswärtsteams der Liga. Doch das war ihnen egal. Mit ihrer stimmgewaltigen Anfeuerung sorgte die rote Wand für Heimspiel-Atmosphäre in Sinsheim, die Hoffenheimer müssen sich in der eigenen Arena gefühlt haben wie in der Fremde. Ihre Auswärtsstärke brachten sie trotzdem nicht auf den Platz. Der VfB dominierte und siegte 3:0, hinterher wurde nicht nur der berauschende Sieg gefeiert, sondern auch der Anhang. „Die Stimmung war total außergewöhnlich, ein Wahnsinn“, sagte Sportdirektor Fabian Wohlgemuth. Und Vorstandsboss Alexander Wehrle meinte: „Sensationell! Ich habe nur unsere Fans gehört.“ Allerdings kam nicht nur deren Unterstützung an – ihre Botschaft ebenfalls.

 

Inmitten der spielerisch besten Halbzeit der Saison sendete die organisierte Fanszene (oder zumindest ein Teil davon) eine deutliche Drohung an die zerstrittene Chefetage. Auf dem Plakat in ihrem Block stand unmissverständlich: „Mitglieder verkauft & verraten – ihr habt zwei Wochen Zeit, diesen Fehler zu korrigieren.“

Fliegen wieder Tennisbälle?

Es war eine klare Reaktion auf die Absetzung von VfB-Präsident Claus Vogt als Chef des Aufsichtsrates und den Bruch des Versprechens, das im Vorfeld der Ausgliederung gegeben worden war: Erstmals seit 2017 ist derzeit der Präsident des Vereins nicht zugleich der Vorsitzende des Kontrollorgans der VfB Stuttgart AG. Den Aufsichtsrat führt seit der Eskalation des Machtkampfes am vergangenen Dienstag Tanja Gönner an.

Das Ultimatum der Fans läuft am Ostersonntag ab. An diesem 31. März wird erstmals im fertig umgebauten Stadion gespielt, der VfB trifft um 17.30 Uhr auf den 1. FC Heidenheim. Ob die Anhänger dann Tennisbälle und Porsche-Matchboxautos aufs Spielfeld werfen? Ob sie womöglich sogar einen Spielabbruch riskieren? „Da müssen Sie die Fans fragen“, antwortete AG-Chef Alexander Wehrle im Sky-Interview, „wir als Vorstand wollen Ruhe und Geschlossenheit, dem sollten sich alle unterordnen. Wir fokussieren uns auf die nächsten acht Spiele, alles andere werden wir intern besprechen.“

Claus Vogt schreibt Autogramme

Auch Fabian Wohlgemuth war sichtlich um Deeskalation bemüht. Der VfB sei „eben ein sehr großer Verein, der quicklebendig ist“, sagte der Sportdirektor. „Dazu gehört dann auch, dass man verschiedene Strömungen und Ansichten hat. Aber, und das ist Fakt: Nicht alles taugt zum Drama.“

Die Fans sehen das offenbar anders, und auch Claus Vogt suchte in der Arena in Sinsheim die große Bühne. Nach dem Abpfiff lief der VfB-Präsident mit strahlendem Gesicht durch den Innenraum, schüttelte Hände und erfüllte Autogrammwünsche. Als die Siegesfeier auf dem Rasen vorbei war, veränderte sich nicht nur sein Gesichtsausdruck, sondern auch die Bereitschaft zur Kommunikation. Vogt verließ das Stadion, mit seinem VfB-Schal in der Hand – und wortlos.

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