Planungspanne S-Bahn hat jetzt Verspätung

Von Thomas Braun und Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Im Zuge des Umbaus der S-Bahn-Rampe auf dem Gleisvorfeldes kommt es zu erheblichen Verspätungen im gesamten S-Bahn-Betrieb.

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Stuttgart - Bei Stuttgart 21, dem "bestgeplanten Projekt der Deutschen Bahn AG" (Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn), gibt es bereits in der allerersten Bauphase eine gravierende Panne: Nachdem im Zuge des Umbaus der S-Bahn-Rampe auf dem Gleisvorfeld auch die Signaltechnik für die S-Bahn-Züge verändert worden ist, müssen die Zugführer seit kurzem einen Mindestabstand von 1000 Metern - den sogenannten Blockabstand - zum "Vordermann" einhalten. Die Folge: es kommt zu erheblichen Verspätungen im gesamten S-Bahn-Betrieb.

"Die Bahn hat die Veränderungen bei den Arbeiten an der S-Bahn-Rampe in eigener Regie vorgenommen", erklärte am Montag Heike Schmidt, Sprecherin des Eisenbahnbundesamtes (Eba), auf StZ-Anfrage. Das sei auch rechtmäßig gewesen. "Da bei den Umbauarbeiten aber ein bestehendes Signal weggenommen wurde, ist die seit 1978 bestehende Ausnahmegenehmigung automatisch erloschen." Diese habe den Zugführern das Fahren auf Sicht, also das langsame Annähern an eine voraus fahrende S-Bahn, erlaubt. "Die Bahn hätte bei der Umbauplanung eine neue Ausnahmegenehmigung bei uns beantragen können", erklärte Schmidt, "das hat sie aber nicht getan."

Die Folgen sind gravierend: Wegen der erheblich verlängerten Sicherheitsabstände kommt es beim 15-Minuten-Takt im Berufsverkehr zu großen Problemen, weil nicht mehr alle zweieinhalb Minuten ein S-Bahn-Zug durch den zweigleisigen Tunnel unter dem Hauptbahnhof geschleust werden kann. Dieser gilt seit langem als Nadelöhr des Stuttgarter S-Bahn-Systems.

Ende der Arbeiten nicht in Sicht


Die Bahn hat die Panne noch in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung als "Fahrplanänderungen" getarnt. Wegen "zusätzlicher technischer Arbeiten" an der S-Bahn-Rampe im Hauptbahnhof müssten in den nächsten Wochen "weitere Anpassungen an den signaltechnischen Anlagen vorgenommen werden." In den Hauptverkehrszeiten zwischen 5.20 und 9 Uhr sowie 15 und 19 Uhr müssten deshalb manche S-Bahn-Züge der Linie1 aus Plochingen "bis auf weiteres" ab Hauptbahnhof über die Gäubahn nach Vaihingen geleitet werden. Auf den Linien S2, S3, S4, S5 und S6 gebe es aber keine Einschränkungen.

Im Klartext: Die Stationen Hauptbahnhof tief, Stadtmitte, Feuersee, Schwabstraße, Universität und Österfeld werden "bis auf weiteres" nicht mehr von allen S1-Zügen angefahren. Ein Ende der "signaltechnischen Arbeiten" ist nicht abzusehen: "Die Deutsche Bahn arbeitet mit Hochdruck daran, die Folgen zu beseitigen", heißt es. Fachleute zweifeln an einer raschen Lösung. Da die Rampe umgebaut worden sei, müsse eine neue Ausnahmegenehmigung beantragt werden. "Das geht aber nicht von heute auf morgen."