Händler aus Stuttgart-Vaihingen Ein Kämpfer für das Mehrweg-System

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Der Getränkehändler Hans-Peter Kastner hat Einweg-Flaschen den Kampf angesagt. Seine Aktionen zeigen schon erste Erfolge. Am Freitag informierte er zusammen mit anderen Fachleuten über Vor- und auch Nachteile des Mehrweg-Systems.

Ganz der Promotor: Vor der Veranstaltung gab Hans-Peter Kastner (links) mit Jürgen Resch von der Umwelthilfe dem SWR ein Interview. Foto: Otto-H. Häusser
Ganz der Promotor: Vor der Veranstaltung gab Hans-Peter Kastner (links) mit Jürgen Resch von der Umwelthilfe dem SWR ein Interview. Foto: Otto-H. Häusser

Vaihingen - Der Mann ist ein Überzeugungstäter. Trotzdem scheint er nicht verbohrt zu sein. Immerhin hatte Hans-Peter Kastner am Freitag zu einer Veranstaltung, die er zusammen mit der Firma Fritz-Kola bestritt, auch den Geschäftsführer der Petcycle GmbH, Hans Baxmeier, eingeladen, der für sein Einweg-System warb.

Unter den anderen Fachleuten, die zu der Informationsveranstaltung in den Rudi-Häussler-Bürgersaal gekommen waren, befand sich auch der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. Insbesondere er und Baxmeier lieferten sich bei der Fragerunde in dem mit 170 Zuhörern besetzten Saal einen kleinen Schlagabtausch. Jürgen Resch hatte erklärt, dass Kunststoffflaschen hormonartige Stoffe an des Getränk abgeben würden. „Das schmeckt man auch, insbesondere dann, wenn die Flasche länger in der Sonne lag“, sagte er. Nach dieser Aussage bekannte sich ein Zuhörer ausdrücklich zum Einweg-System und erklärte: „Ich lege doch die Flasche nicht in die Sonne.“ Hans Baxmeier von Petcycle fügte hinzu, dass für Kunststoffflaschen keine Weichmacher verwendet würden. Er räumte jedoch ein, dass nur 55 Prozent der PET-Flaschen zu neuen Kunststoffflaschen recycelt würden. Aus den übrigen 45 Prozent entstünden andere Kunststoffprodukte. „Im nächsten Jahr wollen wir 75 Prozent der alten Flaschen zu neuen verarbeiten“, sagte er.

Bei Einweg nur ein Teil recycelt

Diesem Einweg-System stellte Kastner das Mehrwegsystem mit Glasflaschen gegenüber. Kastner, der seit August keine Einweg-Flaschen mehr in seinem Laden verkauft, ist sehr aktiv, um für die Mehrweg-Idee zu werben. Dazu besucht er nicht nur Kongresse und gibt Interviews. Er trifft sich auch mit anderen Getränkehändlern und -produzenten, um sie vom Verzicht auf Einwegflaschen zu überzeugen. „Innerhalb von drei Monaten konnten so 50 Millionen Flaschen eingespart werden“, so Kastner. Die Saftfabrik Streker verzichte beispielsweise inzwischen auf die Abfüllung von PET-Flaschen. Ein überaus positives Beispiel in der Getränkeindustrie ist für Kastner auch die Firma Fritz-Kola, die schon immer ihre Getränke nur in Glasflaschen abfüllt. Deren Geschäftsführer Mirco Wiegert, der als Mitveranstalter auftrat, berichtete, dass seine Firma mit fünf Lohnabfüllern in Deutschland zusammenarbeite, um Transportwege zu verkürzen. Dieses Netz müsse noch erweitert werden.

„Bei kurzen Transportwegen ist Glas besser“

Ein Zuhörer bezweifelte in diesem Zusammenhang, dass die Verwendung von Glasflaschen weniger Energie verbrauche, als die von Plastikflaschen. Daraufhin erklärte Kastner, dass es entscheidend darauf ankomme, wie lange der Transportweg der Getränke sei. Die meisten der nicht-alkoholischen Getränke, die er verkaufe, hätten einen kürzeren Transportweg als hundert Kilometer. „Bei dieser Entfernung schneidet die Glasflasche besser ab.“ Kastner betonte wie auch andere Redner, die auf dem Podium saßen, dass es wichtig sei, regionale Produkte zu kaufen. Das hätten die Verbraucher in der Hand. Einige seiner Kunden würden seit der Abschaffung von Einwegflaschen nicht mehr kommen, berichte er, „andere sind jedoch hinzugekommen. Letztlich haben wir ein Umsatzplus erzielt.“

Auch die Befürworter des Mehrweg-Systems machten klar, dass es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Beispielsweise werde Wein hauptsächlich in Einweg-Glasflaschen vertrieben. „Es gibt noch ein paar südbadische Winzer, die Mehrweg haben“, sagte Jürgen Resch. Man müsse daran arbeiten, dass es wieder mehr werden. Ein Schwachpunkt sei auch, dass einige Getränkeabfüller, wie Fritz-Kola, die Glasflaschen mit Kisten transportieren, die zu keinem Pool gehören, kritisierte ein Zuhörer. Dadurch würden sich Transportwege unnötig vergrößern, weil die Kisten von anderen Abfüllern nicht angenommen werden könnten.

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