Plattenhardt Rote Karten für sieben Wohnblocks

Von Götz Schultheiss 

Anwohner der Reutestraße haben bei einer Info-Veranstaltung im Bürgerzentrum Position gegen ein Wohnbauprojekt zweier privater Investoren bezogen.

Das Signal aus der Fußball-Schiedsrichtersprache ist eindeutig: Die Anwohner der Reutestraße empfinden die Architektenpläne als grobes Foul. Foto: Götz Schultheiss
Das Signal aus der Fußball-Schiedsrichtersprache ist eindeutig: Die Anwohner der Reutestraße empfinden die Architektenpläne als grobes Foul. Foto: Götz Schultheiss

Plattenhardt - Den Anwohnern sind die sieben Gebäude, die an der Reutestraße entstehen sollen, ein rotes Tuch. Zwei Investoren planen zwischen den Hausnummern 22 und 34 drei viergeschossige und dahinter auf dem Areal zwischen Reutestraße und Schönbuchstraße vier dreistöckige Wohnhäuser. Den Quartiersbewohnern sind sie zu wuchtig. Bei der Bürgerinformation im überfüllten Bürgerhaus zeigten sie den Architekten, dem Baubürgermeister Reinhard Molt und dem Stadtplanungsamtsleiter Matthias Schneiders am Ende der Veranstaltung die Rote Karte.

Was vorliegt, sind nur Entwürfe

Dem symbolischen Akt vorausgegangen war eine Inforunde und eine lebhafte, aber trotz der Emotionen im Saal bis auf wenige Ausnahmen sachliche und geordnete Diskussion. „Das Thema schlägt insgesamt Wellen“, sagte Schneiders. Dabei verwies er darauf, dass man noch am Anfang des Verfahrens stehe und deshalb noch nichts beschlossen sei. Bei den Plänen handele es sich um Entwürfe, die den Wünschen der beiden privaten Investoren entsprächen. Schneiders: „Wir müssen jetzt ausloten, wie die Interessenlagen sind, damit der Gemeinderat am Ende des Prozesses, für den es einen Bebauungsplan geben muss, eine Entscheidung treffen kann.“ Es sei also nicht gesagt, dass alles so bleiben könne, aber ebenso wenig, dass alle Änderungswünsche berücksichtigt würden.

Michael Schröder vom Stadtplanungsbüro Wick und Partner betonte, dass Kommunen verpflichtet seien, vorrangig neuen Wohnraum auf Stadtgebiet zu schaffen, anstatt weitere Landschaft zu versiegeln. Das Projekt an der Reutestraße erfolge im „beschleunigten Verfahren“, in dem auf Umweltprüfung verzichtet werden könne: „Dennoch fließen alle Belange des Umweltschutzes ein.“ Die beiden Architekten Claudio Butticè und Oliver Fischer verwiesen auf die städtebaulichen Herausforderungen. „Die Verwaltung hat uns empfohlen, nicht kleinteilig zu planen“, sagte Butticè. Die Gebäude am Hang gruppierten sich um eine Art Quartiersplatz herum. Alle seien barrierefrei mit Aufzügen an die Tiefgaragen angeschlossen.

„Sind Sie sich überhaupt bewusst, dass die Reutestraße auf einer Seite immer zugeparkt ist und was der zusätzliche Autoverkehr bedeutet?“, fragte ein Anwohner. „Wir sind uns der Verkehrsproblematik wohl bewusst“, sagte Oliver Fischer. Er verwies erneut darauf, dass es sich um ungefähre Pläne handele, die im Laufe des Verfahrens immer konkretere Gestalt annehmen würden.

Anwohner weisen auf kritische Parksituation in der Straße hin

Die Hauptkritik an den Entwürfen entzündete sich jedoch trotz der deutlichen Zurücksetzung der Dachgeschosse an der mehrgeschossigen Bauweise. „Wir leben in einem Gebiet mit Einfamilienhäusern, die hauptsächlich in den 1950er Jahren entstanden sind. Die neuen Gebäude werden zu wuchtig“, sagte eine Zuhörerin.

Ein weiterer Anwohner befand: „Die Pläne wirken verniedlichend. Man sieht nichts aus der Fußgängerperspektive, aus der man die Dimensionen richtig wahrnimmt.“ Einem anderen Anwohner war das Ansinnen der Investoren, ausgerechnet dort zu bauen, ein Rätsel: „Immer mehr Geschäfte geben bei uns auf, wir haben kein Café und kein richtiges Zentrum mehr. Plattenhardt wird zur Schlafstadt.“




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