Plaudereien im Schaugarten Neues Schwätzbänkle in Fellbach

Damentrio beim lockeren Premierentalk auf dem Fellbacher Schwätzbänkle. Foto: Dirk Herrmann

Der Stadtseniorenrat und der Städtepartnerschaftsverein hatten die Idee, der Fellbacher Bauhof hat die Sitzgelegenheit installiert und seine Chefin Silke Wohlfahrt hat die Bank frühlingshaft bemalt.

Andernorts, im Hessischen etwa, würde man sie wohl Babbelbank nennen. Noch weiter nördlich vielleicht Schnackbank oder Klönbredd. Oder in Köln Schwaadebank, in Oberbayern vielleicht Gredbänk.

 

Smalltalk unter der Pergola

In Fellbach allerdings heißt das Möbelstück Schwätzbänkle, was auch anhand der großen Lettern auf der Rücklehne erkennbar ist. Und diese Sitzgelegenheit für Plaudertaschen steht jetzt im Schaugarten in Sichtweite von Lutherkirche und Rathaus – vor allem im Frühling mit seinen Blüten und den die Pergola hochrankenden Blumen eine der schönsten Locations in der Gegend.

Eine Bank also, nicht um sein Geld hinzutragen, was in Zeiten des Online-Bankings ohnehin völlig altmodisch wirkt, sondern um sich wie seit Jahrtausenden nebeneinander zu platzieren und auszutauschen. „Schweigend ins Gespräch vertieft“, wie es in einem vermutlich im 19. Jahrhundert in Sachsen erfundenen Jux-Gedicht heißt, wäre hier also eher die falsche Devise.

Ausgewählt für die Sitzbank wurde ein „Seniorenmodell“

Entwickelt wurde die Idee vom Stadtseniorenrat und forciert und finanziell unterstützt vom Städtepartnerschaftsverein. Ausgeführt wurde das Ganze vom für solche Angelegenheiten zuständigen Fellbacher Bauhof. Für den Prototyp wurde bewusst das „Seniorenmodell“ unter den städtischen Sitzgelegenheiten ausgewählt. Die Bank ist nämlich etwas höher, hat eine steilere Lehne und Armstützen. – „alles Hilfen, die das Aufstehen erleichtern“, sagt Roswitha Morlock-Harrer. Die Vorsitzende des Stadtseniorenrates bildete mit Martine Alriche-Keßler, der stellvertretenden Vorsitzenden des Städtepartnerschaftsvereins, und der Oberbürgermeisterin Gabriele Zull das ersten Testsitz- und Schwätz-Trio auf dem Bänkle.

Die künstlerische Gestaltung der Bank übernommen hat Silke Wohlfarth, Leiterin des städtischen Bauhofs. Ein blühender Kirschzweig auf dem linken Teil der Rückenlehne ziert das ansonsten in den Farben Grün und Blau gehaltene Bänkle. Gesichert ist es übrigens lediglich mit einer Kette und kann so etwa nach einer Hochzeitszeremonie in der Lutherkirche fürs Foto des Brautpaars in die lichttechnisch beste Richtung bewegt werden. Sollte sich diese „Versuchsobjekt“, das bereits in den ersten Stunden nach der „Inbesitznahme“, also der „Einweihung“, gut angenommen wurde, bewähren, sind weitere Bänke in Schmiden oder Oeffingen angedacht. Und vielleicht wird dann in ganz vielen Sprachen g’schwätzt. Parlare, parlare – eine echt multilinguale Bank.

Ein kreisweites Alleinsitzungsmerkmal ist die Fellbacher Variante allerdings nicht. In Remshalden gibt’s die Idee nämlich schon länger: Dort wurden bereits vor zwei Jahren zehn Schwätzbänkle aufgestellt, um mit dem Nebenmann oder der Nebenfrau spontan drauflos zu quatschen.

In Weinstadt hölzerne Schubkarre mit Sitzfläche

Ein noch weniger festgefahrenes Modell hat der Weinstädter Oberbürgermeister Michael Scharmann in petto. Er hat eine Art hölzerne Schubkarre mit Sitzfläche anschaffen lassen, die er immer mal wieder in die fünf Teilorte kutschiert, um die Bürger zum Plausch zu motivieren. Schwatzbänke gebe es ja schon so manche im Schwabenländle, meint Scharmann, „aber ein mobiles Bänkle mit Rad und einem echten Oberbürgermeister dazu“, das existiere „nur in Weinstadt“. Nun ja, in Fellbach kann man sich jedenfalls künftig auch ohne Rathausregenten über Gott und die Welt austauschen.

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