Theke statt Mensa
Der 2004 von einer Elterninitiative gegründete, rund 20 Mitglieder starke Mensaverein hatte Gespräche mit der Stadt geführt, ob man nicht das ehemalige Stadthallen-Restaurant Käsloible während der Bauzeit – die sich immerhin über mehrere Jahre hinstreckt – nutzen könnte. „Doch das war nicht gewünscht“, bedauert die Vorsitzende des Vereins, Iris Richter. Das Gymnasium sei keine Ganztagsschule, deshalb müsse man auch kein Essensangebot bereit halten, habe es aus dem Rathaus geheißen. Die Stadt habe dann immerhin in letzter Minute dafür gesorgt, dass der Mensaverein in einem Raum im Hauptbau unterkommen konnte, mitsamt ein paar Gerätschaften,sodass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wenigstens warme Kleinigkeiten wie Saitenwürstchen, Leberkäswecken oder Pizzataschen auf die Hand anbieten können, die die Schüler dann auf dem Schulhof oder in der Aula essen. Für die 1350 Kinder und Jugendlichen ist das derzeit die einzige Möglichkeit, sich innerhalb der Schule etwas zum Essen oder Trinken zu besorgen.
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Der Thekenverkauf ist freilich kein Vergleich mit der richtigen Mensa im Kupferbau, die ein Caterer auch mit warmen Mittagessen beliefert hatte, und die von den Schülerinnen und Schülern auch als Aufenthaltsraum genutzt wurde, wie Schulleiter Heiko Schweigert unterstreicht. Wenngleich, auch das räumen Schulleitung und Mensaverein ein, die Anzahl der Bezieher eines warmen Mittagessens zuletzt von mehr als 100 auf nur noch 20 oder 30 geschrumpft war.
Noch keine Lösung für die Zukunft
Was Verein und Schulleitung aber besonders drückt, ist die Tatsache, dass auch der Hauptbau im kommenden Schuljahr saniert werden soll – und damit auch noch dem Thekenverkauf das Dach über dem Kopf entzogen wird. „Die Stadt verweist auf die Mensa der Neckar-Fils-Realschule, die von unseren Schülerinnen und Schülern mitgenutzt werden könne“, so Schweigert. Die habe coronabedingt aber noch nicht offen. Er bezweifelt zudem, dass das Raumangebot dort ausreicht. Er sagt aber auch: „Die 150 bis 200 Meter weiter geht keiner während der Pause.“
Tatsache ist, dass seine Schülerinnen und Schüler in der Mittel-, vor allem aber auch in der Kursstufe verstärkt Nachmittagsunterricht haben. „Und die Bauarbeiten haben dazu geführt, dass wir eher noch mehr in die Nachmittagsstunden gehen mussten“, so Schweigert. Tatsache ist auch, dass – wie Rathaus und Gemeinderat in Sachen Mitfinanzierung der Nachbargemeinden immer betonen – 70 Prozent der Schüler von außerhalb kommen und deshalb nicht schnell über Mittag heim gehen können. Besonders bitter ist es aber, dass die Schule auch nach den jahrelangen Bauarbeiten ohne Mensa dastehen wird. Denn die ist zwar als gemeinsame Einrichtung für das gesamte Untere Schulzentrum – also für Gymnasium, Grund- und Realschule – irgendwann mal vorgesehen. Aber sie ist Teil des städtebaulichen Wettbewerbs für den Burgplatz, mit dem Bürgermeister Frank Buß erst im Jahr 2024 rechnet. Schweigert: „Bis wir diese Mensa haben, werden noch zehn Jahre ins Land gehen.“
„Sanierung geht vor“
Damit agiert das größte Gymnasium und die einzige G8/G9-Modellschule im Landkreis auch nach den millionenschweren Bauarbeiten essenstechnisch auf Substandard-Niveau, zumal immer mehr Kinder aus Ganztagsgrundschulen mit Mittagessensangebot dort auflaufen. Bislang hat das der Beliebtheit aber noch keinen Abbruch getan. Schweigert: „Wir haben auch in diesem Schuljahr wieder sechs volle Eingangsklassen. Die Eltern sehen auch, dass wir mit dem Neubau und der Sanierung nach und nach tolle Bedingungen bekommen.“ Solange es nicht ums Essen und Trinken geht.
Buß verweist auf die Mensa der Realschule oder auf die Möglichkeit, auf dem Schulhof eine Holzhütte aufzubauen: „Dann kann man halt nichts Warmes mehr verkaufen.“ Stadt und Schule würden sich im Januar zusammensetzen und nach einem Weg suchen. Leicht wird das nicht, „denn wir brauchen jeden Raum, um den Schulbetrieb während der Sanierung hinzubekommen“. Der Bürgermeister macht auch keinen Hehl daraus, dass die zuletzt relativ geringe Essensanzahl nicht gerade ein Appetitanreger sei, sich auf einer ohnehin höchst komplizierten Baustelle zu verlupfen. Zumal auf die Stadt noch eine weitere Aufgabe dazu kommt: Mit dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Grundschulkinder ab 2026 wird sie auch an der Panoramaschule um ein Mittagessensangebot und weitere bauliche Ergänzungen nicht herumkommen.
Gymnasium Plochingen ist beliebt
Modellschule für G8/G9
Das Gymnasium Plochingen ist mit derzeit rund 1350 Schülerinnen und Schülern nicht nur eines der größten in Baden-Württemberg. Es ist zudem das einzige im Landkreis, das neben dem regulären achtjährigen Bildungsgang zum Abitur noch ein neunjähriges Angebot machen kann. Was bei Eltern und Schülern sehr beliebt ist. 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler kommen aus den Nachbargemeinden.
Sanierung und Erweiterung
Der Schulneubau am Burgplatz wurde 1968 eingeweiht. Mit stetig steigender Schülerzahl wurden immer wieder An- und Umbauten durchgeführt, zudem kam eine dreiteilige Sporthalle dazu. Im September 2020 begannen die ersten Arbeiten zur Sanierung und Erweiterung des stark in die Jahre gekommenen Schulkomplexes. Die Kosten von 48,2 Millionen Euro lasten schwer auf der Stadt, die sich Unterstützung vom Land und den Nachbargemeinden erhofft.