Wildtiere im Stadtgebiet Plochingen Vom Rekordtaucher zum Stadtjäger

Waschbär im Garten? Olaf Goetsch hat Lösungen. Foto: /Karin Ait Atmane

Der Denkendorfer Olaf Goetsch ist jetzt Plochinger Stadtjäger. Er kann nicht nur von Tieren, sondern von sportlichen Abenteuern auf der ganzen Welt erzählen.

Waschbären? „Die sind sehr niedlich“, findet Olaf Goetsch. Trotzdem hat er schon einige der possierlichen Kerle „in den Waschbärhimmel geschickt“ und wird das als neuer Stadtjäger von Plochingen weiterhin tun müssen. Denn die Einwanderer aus Nordamerika breiten sich aus und bedrohen heimische Tiere und ihre Gelege: Amphibien, Reptilien und Vögel, „die vernichten sie alle“, sagt Goetsch. Auch in Hausgärten räumen die nachtaktiven Räuber Nistkästen leer, stellen den Komposthaufen auf den Kopf, nisten sich unterm Dach ein und verbreiten möglicherweise Parasiten.

 

Waschbären werden gefangen und im Wald getötet

Goetsch und seine Kollegen, die Plochinger Jagdpächter, konnten in solchen Fällen auch bisher schon eingreifen, wobei „Tier und Mutterschutz erste Priorität haben“, wie er betont: Zuerst versucht man die Waschbären zu vergrämen, wenn das nichts nutzt, kommt die Lebendfalle zum Einsatz, gefolgt vom Abschuss im Wald. „Wir dürfen vom Gesetz her den Waschbär gar nicht mehr laufen lassen, das wäre eine Straftat“, erklärt Goetsch. Als Stadtjäger hat der Denkendorfer nun den Vorteil, schneller handeln zu können: Er braucht nicht mehr für jedes einzelne Grundstück eine Genehmigung – oft waren die Tiere schon weitergezogen, bis die kam – sondern hat eine pauschale Erlaubnis fürs Stadtgebiet. Schießen darf ein Stadtjäger aber im bebauten Ortsgebiet ebenso wenig wie alle anderen.

Goetsch ist mit seiner Handynummer auf der Website der Stadt Plochingen zu finden. Wer Ärger mit Wildtieren im Garten hat, kann sich direkt an ihn wenden. Das gilt auch für Probleme mit Füchsen, Steinmardern, Wildschweinen oder Dachsen. Der Auftraggeber muss den Einsatz bezahlen, die Preise seien aber überschaubar, so Goetsch.

Der 67-Jährige kann auch deshalb schnell reagieren, weil er mittlerweile im Ruhestand ist und nicht mehr alle die schillernden Aktivitäten ausübt, die sein Leben abenteuerlich gemacht haben. Als Berufstaucher und Tauchlehrer war er auf Tieftauchen spezialisiert, hat mit dem Atemgemisch Trimix zahlreiche Tauchgänge jenseits der 100 Meter absolviert – bis hin zum Tauchen im berühmten und sehr gefährlichen „Blue Hole“ bei Dahab, wo er mit einem Team nach einer verunglückten Frau suchte. Verglichen damit waren die Rekorde im Apnoe-Tauchen harmlos: 1997 stellte er mit sechs Minuten 32 den deutschen Rekord im statischen Freitauchen, also Luftanhalten unter Wasser, auf. Das kam halb zufällig, nach einer Wette und einer kleinen Show bei einer Messe, zustande. Zwei Jahre später errang er dann mit acht Minuten 32 im Tauchturm im Esslinger Dick den damaligen Weltrekord.

Im Freibad lernen Kinder bei ihm schwimmen

Bei verschiedenen Filmaufnahmen, unter anderem für eine Doku über die im Beagle-Kanal gesunkene Monte Cervantes, wirkte Olaf Goetsch als Taucher und Tauch-Einsatzleiter mit. „Ich bin viel in der Weltgeschichte rumgekommen“, sagt er. Aber er hat auch Tauchkurse für Kinder und Erwachsene gegeben, hat als erfolgreicher Kampfsportler in Nellingen Kickboxen unterrichtet und war Skilehrer. Letzteres passte nicht nur deshalb gut, weil der gebürtige Österreicher schon mit drei Jahren auf Skiern stand, sondern auch, weil er im Winter Zeit hatte. Im Sommer arbeitete er als Schwimmmeister im Denkendorfer Freibad, wo er nach wie vor gerne einspringt und auch Kinder-Schwimmkurse gibt.

Als Jagdaufseher des Plochinger Reviers und Wildtierschützer sieht er jetzt regelmäßig im Wald nach dem Rechten, oft zusammen mit seiner Frau Ute van Eijk, die in über einem halben Jahrhundert mit ihrem Mann viel mitgemacht und öfter mal um ihn gebangt hat. „Das habe ich von Anfang an gewusst, dass er ein bunter Vogel ist“, sagt sie.

Schrumpfende Lebensräume führen Wildtiere in Siedlungen

Wildtiere in der Stadt
Seit 2021 hat Olaf Goetsch im Stadtgebiet 30 Waschbären, drei Füchse und einen Dachs eingefangen sowie einige Steinmarder vergrämt. Er ist auch Wildtierschützer und versteht sich als „Konfliktmanager“ zwischen Natur und Tieren auf der einen und den Menschen auf der anderen Seite. Weil Freiflächen und zusammenhängende Wälder gerade in Ballungsräumen schrumpfen, kommen die Tiere auf der Suche nach Nahrung in Siedlungen. In Wohngebieten in den Städten finden sie leicht etwas zu fressen, etwa in Mülleimern, Komposthaufen oder einfach, weil weggeworfenes Essen herumliegt.

Maßnahmen
Wenn Waschbären sich nicht vergrämen lassen, werden sie mit einer Lebendfalle gefangen und im Wald erschossen. Wildschweine etwa versucht man mit Schwefellinsen abzuschrecken, am wirksamsten ist laut Goetsch ein Elektrozaun. Marder kann man mit verschiedenen Mitteln vergrämen.

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