Poetry Slam im Keller Klub in Stuttgart Große Worte, kleine Denker

Von Alexandra Belopolsky 

Der Poetry Slam-Abend im Keller Klub in Stuttgart ist eine Selbstinszenierung des Mittelmaßes. Zum Glück stechen immerhin ein Paar gute Texte heraus.

Yannik Sellmann wehrt sich gegen pseudo-intellektuelle Banalitäten. Foto: Florian Just
Yannik Sellmann wehrt sich gegen pseudo-intellektuelle Banalitäten. Foto: Florian Just

Stuttgart - Wer sich erhellende Erkenntnisse oder eine Herausforderung der eigenen Weltanschauung wünscht, ist hier falsch. Der Poetry Slam-Abend im Keller Klub zieht, trotz des englischen Wortes für Lyrik in seinem Namen, keine großen Dichter und Denker an. Dafür aber Rampenlichtfreudige, die vermutlich auch bei DSDS glücklich wären. Letztendlich entsprechen Bewertungssystem und Ergebnisse ähnlichen Kriterien.

Asozial und schimpfend

Liebeskummer und stolz präsentiertes asoziales Verhalten sind beliebte Themen. Stefan Unser würde sich am liebsten auf Taschen setzen, die Menschen auf leere Nachbarsitzbänke legen – auch in einer fast leeren Bahn. Yoghurtbecher zu zerquetschen mache Spaß. Nils Früchtenicht findet Monogamie mit seiner eigentlich geliebten Freundin anstrengend. Er hat sich anscheinend noch nicht über Polyamory unter Menschen informiert, lediglich über die unter Bonobos. Nun leidet er an der umwerfenden Schlussfolgerung, dass alle Menschen Tiere seien. Marvin Suckut ist sauer, dass seine – verständlicherweise ehemalige – beste Freundin Tabea sich von ihm ein Gedicht zum Geburtstag gewünscht hatte. Und schildert nun, unter vielen Schimpfwörtern, wie unwichtig Tabea ihm sei und wie frech er Wünsche wie diesen empfinde. Mit dieser Errungenschaft erntet er die Höchstnote des Abends.

Immerhin stechen ein paar Texte aus der Masse des Mittelmäßigen heraus. Nils Frenzels Satire auf einen studentischen Kennenlernabend zeigt beeindruckende Beobachtungsfähigkeit. Filos kurzes, rhythmisiertes, alliterierendes Gedicht über eine Krabbe, die mit dem Zug nach Stuttgart fährt, ist eine Perle, die in einem Kinderbuch stehen könnte. Und von Yannik Sellmanns Kritik an den Plattitüden, die die sozialen Netzwerke verstopfen, hätten auch einige der anderen Slam-Poetinnen und -Poeten profitieren können.

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