Die Finanzierung war gesichert, die Planungen liefen und dann brachte die Stadt Rottenburg plötzlich die Zukunft des Gärtringer Schlachthofes ins Wanken. Im Januar zwangen die Einwohner die Verwaltung per Bürgerentscheid, die geplante Schließung des Rottenburger Schlachthofes nicht umzusetzen. Ein Votum, das im Landkreis Böblingen ein mittleres Beben auslöste. Denn vereinbart war bereits, dass die Tiere, die bisher in Rottenburg auf die Schlachtbank geführt wurden, in Zukunft im neu konzipierten Gärtringer Schlachthof getötet werden sollten. Der Landkreis Tübingen und die Stadt Rottenburg hätten sich im Gegenzug mit einer Millionen Euro am Gärtringer Schlachthof beteiligt.
Daraus wird nun nichts, der Umbau des Gärtringer Schlachthofs liegt auf Eis. Die Zukunft des 10,8 Millionen Euro teuren „Leuchtturms“ in Sachen tierschutzgerechter Schlachtung ist ungewiss, weil das durch die Rottenburger Entscheidung gerissene Finanzierungsloch auch fünf Monate später noch gähnt. Inzwischen ist der Böblinger Landrat Roland Bernhard bei seinen Kollegen in den Nachbarkreisen auf Werbetour unterwegs, um die Geldlücke zu schließen. Der Enzkreis und der Kreis Ludwigsburg haben eine Beteiligung bereits dankend abgelehnt, mit Freudenstadt befindet man sich noch in Gesprächen.
In Calw möchte man das Geld nicht bedingungslos locker machen
Ein Landkreis signalisiert nun jedoch konkretes Interesse. Calw würde gerne eine Schlacht-Partnerschaft mit dem östlichen Nachbarlandkreis eingehen. Die Wiederinbetriebnahme des Schlachthofs Gärtringen sei für die Landwirte und Metzger im Kreis Calw eine „maßgebliche Grundlage“ für eine regionale Schlachtung und Vermarktung“, heißt es im Calwer Landratsamt.
Die politisch Verantwortlichen sehen das ebenso. Der Kreistag hat vor Kurzem zugestimmt, sich am Neustart in Gärtringen finanziell zu beteiligen. Die Nordschwarzwälder möchten ihr Geld allerdings nicht bedingungslos locker machen. Schwein gegen Bahn lautet der Deal.
Schlachthof-Zuschuss gegen Bahn-Zuschuss
Calw würde 500 000 Euro für den Schlachthof überweisen, wenn der Kreis Böblingen im Gegenzug einen Zuschuss für die derzeitig stattfindende Reaktivierung der Hermann-Hesse-Bahn bezahlt, die Calw und Weil der Stadt verbindet. Dieser Betrag würde dann mit dem Zuschuss aus Calw für den Schlachthof verrechnet. Sollte Böblingen sich einer Zahlung für die Bahnstrecke verweigern, wäre Calw zu einer Einmalzahlung von 200 000 Euro für den Schlachthof bereit.
Der Böblinger Landrat hat jetzt betont, dass der Landkreis Böblingen eine Beteiligung an der Hesse-Bahn nie ausgeschlossen habe. Was Roland Bernhard jedoch bisher vermisst ist eine Summe, die sich Calw vorstellt, heißt es.
Dem Schlachthof ist damit noch nicht geholfen
Genaueres möchte Roland Bernhard auch über die Kosten wissen, die für das Bahnprojekt am Ende in Calw hängen und die finanziellen Risiken, die bleiben. Davon sei letztendlich auch ein Zuschuss aus dem Nachbarlandkreis abhängig. Wichtig ist für Bernhard, wie er in einem Brief an seinen Calwer Kollegen Helmut Riegger schreibt, wie hoch die Förderung der reaktivierten Bahntrasse durch den Bund am Ende sein wird. Nur so sei ein „transparenter, nachvollziehbarer Vorschlag“ zu einer Kostenbeteiligung Böblingens möglich. Für Bernhard kein Ding der Unmöglichkeit: „Ich bin optimistisch, dass wir, nach umfassender Aufarbeitung der neuen Rahmenbedingungen, zu einer guten Lösung gelangen können“, schreibt er seinem Amtskollegen.
Auch wenn sich die beiden Kreischefs einigen sollten, dem Gärtringer Schlachthof ist damit noch nicht geholfen, denn der Fehlbetrag durch das Ausscheiden von Rottenburg wäre damit noch nicht beglichen. Bleibt die Hoffnung, dass das Land Baden-Württemberg in die Bresche springt. Man stehe miteinander in Kontakt, heißt es aus dem Böblinger Landratsamt.