Polens Problemwölfe Ein Horrormärchen wird wahr

Von Jens Mattern 

In Polen hat ein Wolf Kinder verletzt. Er soll zuvor schon eine Touristin angefallen haben. Soll man die Tiere jetzt jagen?

Vorfälle mit Wölfen sorgen immer wieder für Diskussionen über Abschussquoten. Foto: AFP
Vorfälle mit Wölfen sorgen immer wieder für Diskussionen über Abschussquoten. Foto: AFP

Warschau - Kein Märchen der Gebrüder Grimm, sondern Realität: Ein achtjähriges Mädchen sowie ein zehnjähriger Junge wurden am Dienstagabend von einem Wolf in die Beine gebissen. Sie befanden sich einige hundert Meter voneinander entfernt am Rande des Dorfes Przyslup im ostpolnischen Bieszczadygebirge, so der Sender TVN24 am Mittwoch. Jäger sollen das Tier mit Genehmigung des Umweltschutzministeriums bereits erschossen haben, so die örtliche Polizei. Es wird nun untersucht, ob es sich um ein gesundes Tier handelte. Bereits vor zwei Wochen ist eine Touristin vermutlich vom gleichen Exemplar gebissen worden. Der Vorfall heizt die Diskussion in Polen wieder an – soll man die Wölfe nicht endlich schießen? Landwirte und Jäger sind dafür. Das Tier genießt seit 1998 einen Schutzstatus.

Allein in der Region um das Bieszczadygebirge, die an die Slowakei und die Ukraine grenzt, sollen knapp 700 Wölfe leben, die das Problem von freilaufenden Hunden im Wald auf ihre Art gelöst hätten. Nach Angaben des Umweltamts in Rzeszows seien diese von ihren wilden Verwandten gefressen worden.

Polens Wolfspopulation ist die größte Europas

2015 hatte das Umweltministerium die Zahl von in Polen lebenden Wölfen mit 1484 Exemplaren angegeben. Das gilt als überholt. Seit 2016 läuft ein Monitoring-Projekt zu den Tieren, finanziert von der EU. Die daraus resultierende Zahl der Tiere soll 2020 bekannt werden. Leicht zu errechnen ist dies nicht – der Wolf wandert gern, die Wolfspopulationen in Mitteleuropa gehen auf das Wolf-Transit-Land Polen zurück.

In Polen ist der Wolf nie ganz verschwunden. Doch mittels Abschussprämien und vergifteten Ködern war die Population Mitte der 70er Jahre auf etwa 100 Tiere geschrumpft, die sich noch in den Wäldern Ostpolens hielten. Der polnische Staat zahlt Landwirten, deren Tiere gerissen wurden, eine Entschädigung, die allerdings deren Marktwert unterschreitet. Auch gibt es Ärger, da das Geld oft zu spät eintrifft. Allein im vergangen Jahr vermeldeten Betroffenen in der wolfreichen Region „Ermland und Masuren“ einen Schaden von 23 000 Euro. Nach Meinung des Tierschutzvereins WWF Polska darf der Wolf dennoch nicht bejagt werden. Der Verband will sich nun vermehrt mit Landwirten und Viehzüchtern zusammen setzen.