Politik beim Leonberger Pferdemarkt Friedenssignal an die Stadtspitze beim Umzug?
Beim Pferdemarkt sind viele Narren, politische Wagen und eine bisher selten zu sehende Bürgermeisterin dabei.
Beim Pferdemarkt sind viele Narren, politische Wagen und eine bisher selten zu sehende Bürgermeisterin dabei.
Für die einen ist es der Fasnetsdienstag, für die anderen der Pferdemarkt. Soviel steht indes fest: Gefeiert wird in vielen karnevalistischen Hochburgen wie auch im sonst nicht eben närrisch angehauchten Leonberg. Doch selbst wenn in der alten Oberamtsstadt der Pferdehandel im Mittelpunkt steht, ist die närrische Note des Festes nicht wegzudiskutieren. Von dem mit 76 Nummern wieder recht üppigen Umzug werden allein 27 von Narrengruppen gestellt.
Und die Feststellung, dass die närrische Präsenz gut tut, ist keine Schmälerung der Pferdemarkt-Tradition. Musikanten, Guggen, Hexen und andere mitunter furchterregende Gestalten bringen Schwung und Gaudi. Wir stellen uns lieber nicht vor, wie es wäre, würden ausschließlich schweigende Teilnehmer am Auditorium vorbeidefilieren.
Ungeachtet dessen hat der aktuelle Festzug etliche hausgemachte Hingucker zu bieten. Natürlich die „MS Leonberg II“, jenes überdimensionale Schiffsmodell, mit dem OB Martin Georg Cohn, wie er sagt, dem Fest einen neuen Impuls geben will. Die knapp 30 sozial engagierten Schüler, die am Dienstag während des Zugwegs an Bord sein dürften, wird es freuen. Am Marktplatz ist dann Schichtwechsel: Die junge Crew heuert ab, die Ehrengäste gehen dafür an Bord. Sogar mit einem richtigen Boarding-Pass. Ob allerdings eine Art Chefhostess Beatrice dem erlauchten Kreis eine gute Reise wünschen wird, ist bisher nicht bekannt.
Noch einige andere Umzugswagen dürften für Aufsehen sorgen. Grüne, Freie Wähler, CDU und die Ratsgruppe „Salz“ machen ebenfalls mit. Das ist eigentlich nichts besonders, weil sie immer dabei sind. Doch in den Adventswochen hatte es Ärger um die Präsenz politischer Gruppierungen bei den Leonberger Weihnachtsmärkten gegeben. Die Stadt hatte mit Hinweis auf die nahende Kommunalwahl am 9. Juni die sonst üblichen Glühweinstände aus Neutralitätserwägungen untersagt – zum Unmut der Akteure.
Sollten jetzt auch die politischen Zugwagen der politischen (Über-)Vorsicht zum Opfer fallen? Dann hätten ja die spitzen Motivwagen an Rosenmontag in Mainz, dort ist ebenfalls am 9. Juni Wahl, ebenso gestrichen werden müssen. Kurzum: Auch in Leonberg geht es beim Pferdemarkt politisch zu. Und es bedarf keiner prophetischen Gaben, um zu erahnen, dass zwei Namen eine Rolle spielen werden: der des Oberbürgermeisters und jener seiner Stellvertreterin.
Beide sind übrigens in echt zu erleben: Cohn als Gastgeber in der Kutsche und später auf dem Schiff. Aber auch seine von ihm kaltgestellte Stellvertreterin ist präsent: Josefa Schmid sitzt auf einem „Friedensglockenwagen“. Der ist Teil einer Initiative, die 2025 nach Jerusalem fahren möchte. Beim Pferdemarkt möchte sie „ein Signal des Friedens für die Leonberger Stadtspitze“ setzen.
Ob das beim Oberbürgermeister ankommt, scheint indes eher unwahrscheinlich. So ist auch nicht damit zu rechnen, dass Martin Georg Cohn Josefa Schmid noch spontan auf die MS Leonberg II bittet, um mit ihr an Deck auf bessere Zeiten anzustoßen. Die beruflich auf Eis gelegte Erste Bürgermeisterin wird sich, wie die meisten Menschen, mit einem Blick von außen auf das neue Prachtschiff im großen Leonberger Hafen begnügen müssen.