Politischer Aschermittwoch Jens Spahn erneut CDU-Stargast in Fellbach

Prost, Thomas, Prost Jens: Strobl und Spahn zischen im Februar 2018 in der Alten Kelter Fellbach ihr erstes Bier. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Der politische Aschermittwoch hat mittlerweile Tradition: Erneut werden rund 1500 Christdemokraten aus dem ganzen Ländle in der Alten Kelter erwartet. Der frühere Gesundheitsminister war im Jahr 2018 schon mal da.

Wolle mr’n railassa? Na logisch: Fasching ist zwar vorbei, aber Aschermittwoch gehört doch auch zum närrischen Treiben. Deshalb: Bühne frei in Fellbachs schönster Location für einen Mann mit ausgeprägt konservativem Profil. Einer, der passt zu den volkstümlichen und lautstarken Veranstaltungen, die die diversen Parteien zum Auftakt der Fastenzeit zelebrieren.

 

Was der CSU in Bayern ihr Passau ist der CDU in Schwaben ihr Fellbach

Denn was Markus Söders Christsozialen in Bayern die Dreiländerhalle zu Passau ist, ist bei den baden-württembergischen Christdemokraten mit ihrem Vorreiter, dem neuen Landeschef Manuel Hagel als Nachfolger von Innenminister Thomas Strobl, die Alte Kelter in Fellbach. Dort passen zwar nicht 6000 frenetische Fans wie in die Mehrzweckhalle der Drei-Flüsse-Stadt nahe der österreichischen Grenze rein. Aber immerhin 1500 sind es regelmäßig doch, die die prächtige, 100 Meter langen und 33 Meter breiten „Kathedrale aus Holz“ am Fuße des Kappelbergs restlos füllen.

Bei diesem „größten politischen Stammtisch des Landes“, wie die CDU-Strategen jubeln, sind Janker und Bierhumpen ebenso obligatorisch wie Weißwurst oder auch mal ein Fellbacher Viertele. Weniger euphorisch freilich sehen die Anwohner rund um den Fachwerkbau, etwa im Kelterweg, dem erhöhtem Verkehrsaufkommen entgegen.

Auch Theo Waigel und Ursula von der Leyen waren schon da

Für markige Worte unter filigranem Gebälk zuständig ist stets ein sorgfältig ausgewählter Stargast. Da gab’s durchaus Hochkaräter: Theo Waigel, den kürzlich verstorbenen Wolfgang Schäuble, die später zur EU-Kommissionspräsidentin aufgestiegene Ursula von der Leyen. Oder 2020 die Fast-Kanzlerkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer, falls sich noch jemand erinnert.

Der aktuelle Redner für diesen Mittwochvormittag ist noch eher präsent: Es ist Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn, und der war im Februar 2018, kurz bevor er von Angela Merkel zum Bundesgesundheitsminister ernannt wurde, schon mal in Fellbach. Seinerzeit erfüllte der dem konservativen CDU-Flügel zugerechnete gelernte Bankkaufmann und studierte Politikwissenschaftler mit kernigen Sprüchen die Erwartungen, etwa: „Dieses Multikulti der 68er, das ist durch, das haben die Menschen satt!“

Spahn – Münsterländer mit großen Füßen

Nun soll der Westmünsterländer mit den großen Füßen (Schuhgröße 49), der in Berlin-Dahlem lebt und 2017 seinen Lebenspartner Daniel Funke heiratete, die Alte Kelter erneut rocken. Die derzeit so beliebten Bauernproteste, auch vor sechs Jahren schon en vogue, sind in Fellbach heuer übrigens nicht zu erwarten, anders als 2018: Seinerzeit ging es allerdings den hiesigen Landwirten nicht um Agrarsubventionskürzungen, sondern um den Widerstand gegen bei der CDU so beliebten Stuttgarter Nordostrings über die besten Böden des Schmidener Felds.

Den gleichen Bauernprotest gegen die neue Schnellstraße zwischen Fellbach/Waiblingen und dem Raum Ludwigsburg gab’s übrigens 2010 auch schon mal, seinerzeit stoppte die Polizei sogar einen Traktor mit dampfendem Misthaufen auf dem Anhänger. Das sei, hieß es damals, eine „potenzielle Gefahrenquelle“ für den Hauptredner. Der allerdings hieß Stefan Mappus, noch einer, der irgendwie in der Versenkung verschwunden ist – anders als beim gerade mal 43-jährigen Jens Spahn, dessen ganz große Zeit womöglich erst noch kommt.

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