Kirchheimer Innenstadt Wenn der Poller streikt

Ein Poller wie dieser in der Mitte der Dettinger Straße steht auch auf Höhe der Lohmühlegasse, wurde aber schon länger nicht mehr gesehen – er ist derzeit dauerhaft versenkt. Foto: /Karin Ait Atmane

Ein versenkbarer Poller in der Dettinger Straße fällt zum Ärger der Anwohner immer wieder aus. Die Kirchheimer Stadtverwaltung hofft auf baldige Besserung.

Eigentlich ist der Poller eine gute Sache: Er hütet die Nacht- und Sonntagsruhe der Anwohner, er hält den Verkehr fern und lässt diejenigen, die berechtigt sind, trotzdem zu ihren Stellplätzen und Garagen fahren. Aber manchmal lässt er plötzlich gar niemanden rein – und dann wiederum rund um die Uhr alle, weil er defekt ist und dauerhaft in der Versenkung verschwindet. Die Rede ist von jenem versenkbaren Pfosten in der Dettinger Straße, auf Höhe der Lohmühlegasse, der helfen soll, die temporäre Fußgängerzone durchzusetzen, aber immer wieder aus der Reihe tanzt.

 

Seit vergangenen Sommer ist der graue Poller mit dem rot-weißen Käppi in Betrieb. Von Montag bis Freitag verschwindet er zwischen 8 und 18 Uhr im Boden, am Samstag zwischen 8 und 14 Uhr. So ist es gedacht, denn zu diesen Zeiten ist die Zufahrt bis zum „kleinen Dorfplatz“ beim ehemaligen Rössle möglich. Nachts und sonntags, außerhalb der Einkaufszeiten, ist dagegen Fußgängerzone, zugunsten der Anwohner und eines belebten Straßenraums.

Mal funktioniert der Pfosten, mal streikt er

Allerdings führt der technisch ausgefeilte Pfosten ein unerwünschtes Eigenleben: mal funktioniert er, mal nicht. Eigentlich sollen ihn die Anwohner und andere Berechtigte zu den Sperrzeiten, also in der Nacht und am Wochenende, mit ihrem Handy öffnen können. Dieses muss dafür registriert sein und sich dann mit dem Pfosten verbinden. Aber immer wieder kommt es vor, dass der Poller nicht daran denkt, im Boden zu versinken, wenn sie mit ihrem Fahrzeug davorstehen. Das war zum Beispiel an Weihnachten so: „Da hat er am Heiligen Abend einen halben Tag funktioniert, danach nicht mehr“, erzählt Anwohner Martin Entenmann. Die Sperre blieb dauerhaft oben. Auch zwei Nachbarinnen schildern, wie sie mit vollgepacktem Auto – Geschenken, Schüsseln, Hund – wieder kehrtmachen und weiter entfernt einen Parkplatz suchen mussten, um dann samt Gepäck zu Fuß nach Hause zu gehen. „Ich bin für einen Poller – aber für einen funktionierenden“, sagt eine von ihnen. Denn auch eine dauerhaft freie Zufahrt ist für sie ärgerlich, insbesondere, wenn nachts die Autotüren knallen.

Bei der Stadt ist das Problem bekannt. Insgesamt gebe es in der Kirchheimer Innenstadt vier solcher Poller, zwei an der Zufahrt zum Schlossplatz und zwei in der Dettinger Straße. Alle seien vom selben Hersteller, erklärt Achim Rapp, Abteilungsleiter für Sicherheit und Ordnung im Rathaus. Technische Probleme habe man lediglich mit dem besagten Exemplar in der Dettinger Straße. Diese seien zudem erst nach dem Austausch des Steuergerätes aufgetreten. „Das war notwendig, weil mehr Speicherkapazität gefragt war“, erklärt Rapp: Im Gerät werden die Telefonnummern der berechtigten Anlieger abgespeichert. Ansonsten habe man nur einmal einen Defekt bei einem Poller am Schlossplatz gehabt, der aber durch Vandalismus verursacht war.

Laut Achim Rapp senkt sich bei einem technischen Ausfall die Sperre automatisch ab, was aber offenbar nicht immer funktioniert hat. Die Anwohner haben mittlerweile einen Code bekommen, mit dem sie im Notfall öffnen können; die Öffnung von innen ist über eine Kontaktschleife ohnehin möglich. Nach Angaben der Stadt soll der Poller in der kommenden Woche von einer Fachfirma repariert werden. Man hofft, dass damit das Problem endgültig behoben wird.

Anwohner drängen auf eine Verlängerung der Testphase

Allerdings gibt es noch einen weiteren Aspekt, der die Anwohner beschäftigt: Bei der temporären Fußgängerzone bis zum kleinen Dorfplatz handelt es sich um einen Verkehrsversuch, der zunächst auf zwei Jahre befristet ist. Offizieller Start war Anfang des Jahres 2023, der Poller wurde erst im August in Betrieb genommen, ist aber seitdem immer wieder ausgefallen. „Der Versuch hat eigentlich noch gar nicht begonnen“, betonten deshalb mehrere Anwohner kürzlich im Austausch mit dem Rathaus: Sie möchten, dass die Zeit verlängert wird, sobald der Poller zuverlässig funktioniert – erst dann könne man die Situation wirklich bewerten.

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