Pop-Art-Künstler Robert Indiana gestorben Die Liebe als Markenzeichen

Der markante „Love“-Schriftzug von Robert Indiana ist aus der Hippie-Ära und der Kunst kaum wegzudenken. Aber der nun im Alter von 89 Jahren gestorbene Pop-Art-Künstler hat zurückgezogen gelebt. Hippie-Nostalgie hat er gescheut.

Robert Indiana (1928-2018) wurde unter anderem mit gekippten Buchstaben als Pop-Art-Künstler weltberühmt. Foto: dpa 7 Bilder
Robert Indiana (1928-2018) wurde unter anderem mit gekippten Buchstaben als Pop-Art-Künstler weltberühmt. Foto: dpa

Vinalhaven - Bei so einem lockenden Namen musste man einfach Hippie werden: Summer of Love, Sommer der Liebe also, hießen die warmen Monate des Jahres 1967 – beziehungsweise all das, was die jungen Aussteiger mit Stirnbändchen, Jesus-Sandalen und Batikfummeln quer durch die USA in diesen Monaten so alles ausprobierten. Aber noch bevor die Gegenkultur ihr antiautoritäres Großfest feierte, hatte der Traum von der neuen Ära der Menschheitsgeschichte schon sein Logo. Das hatte der nun am 19. Mai 2018 im Alter von 89 Jahren verstorbene Pop-Art-Künstler Robert Indiana bereits 1964 entworfen, eine bunte „Love“-Postkarte, bei der das L und ein schräg stehendes O auf dem V und dem E sitzen. Das Museum of Modern Art in New York nutzte das Werk als Weihnachtskarte – kein schlechter Weg für Indiana, bekannt zu werden.

„Love“ wurde so populär, so vielfach variiert, auch als Skulptur, wie die Arbeiten von Indianas Pop-Art-Kollegen Andy Warhol. Die Grundidee war um einiges älter als die Postkarte, erstmals hatte der 1928 als Robert Clark in New Castle im US-Bundesstaat Indiana Geborene seine Love-Schreibweise 1958 in einem Gedicht ausprobiert. Mit ein paar schlichten Zahlen und Buchstaben zu arbeiten, alltägliche Wörter und Begriffe groß herauszustellen und damit zu verfremden – so wie das Andy Warhol etwa mit einer Tomatensuppendose tat – wurde die bevorzugte Ausdrucksform Indianas.

Ärger mit den Hungrigen

Die Methode hatte ihre Tücken. Als Indiana ein großes „EAT“-Leuchtschild zur New Yorker Weltausstellung von 1964 beisteuerte, waren die Besuchermassen sehr irritiert. Sie hielten das Kunstwerk für das Schild eines Restaurants, fanden dort aber nichts zu essen vor. Nach einem Tag wurden die Glühbirnen abgeschaltet, Robert Indiana selbst hatte den Tag der Beleuchtung verpasst. Als das Farnsworth Art Museum in Rockland, Maine das Schild 2009 zu einer großen Ausstellung mit Arbeiten von Indiana reaktivierte, bekannte der damals 80-Jährige gerührt – und vielleicht auch ein wenig ironisch –, wenn er es endlich mit brennenden Glühbirnen zu sehen bekomme, werde das einer der aufregendsten Tage seines Lebens werden.

Von seinem „Love“-Zeichen und ein paar anderen Arbeiten hat er selbst vielleicht schnell genug bekommen. Robert Indiana hat sich nicht wie Andy Warhol als zuverlässiger Lieferant hipper Kunstdekorationen für urbane Eliten feiern lassen, er hat sehr zurückgezogen auf den Land gelebt, im 1200-Einwohner-Nest Vinalhaven auf einem Inselchen vor der Küste des Bundesstaates Maine. Als Fans 2014 auf die Insel kamen, um dort mit einem Fest Indianas Kunst zu huldigen, ließ der alte Mann sich nicht blicken. Er spürte es eben in den Knochen: Der Sommer der Liebe war lange her.




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