Postkarten aus Stuttgart in die Welt Die Sprache Esperanto brachte sie zum Postcrossing

Britta Loose-Vanyushkin hat von ihrem Vater Esperanto gelernt, eine Ende des 19. Jahrhunderts erfundene Plansprache. Foto: Alexandra Kratz

Postkarten sind kleine Fenster in die Welt, hinter denen Menschen mit ihren Geschichten stehen. So wie die Stuttgarter Postcrosserin Britta Loose-Vanyushkin.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Wer kennt nicht das wunderbare Gefühl, wenn man morgens zum Briefkasten geht und zwischen Werbung und Rechnungen noch eine schöne Postkarte findet. Mit einem Bild, das zum Träumen einlädt, einem Spruch, der zum Nachdenken anregt und ein paar lieben Worten von einem Menschen, den man mag. Britta Loose-Vanyushkin liebt diese Momente, darum ist die Berufsschullehrerin aus Möhringen Postcrosserin geworden. Immer wieder verschickt sie Karten an irgendjemanden in der Welt und bekommt dafür ein Karte von irgendwoher zurück.

 

Britta Loose-Vanyushkin hat Postkarten aus aller Welt und Postcrossing-Briefmarken. Foto: Alexandra Kratz

Das Ganze funktioniert über eine Internet-Plattform. Die Teilnehmer erstellen ein Profil. Dann können sie Adressen ziehen und eine Karte verschicken. Auf dieser steht eine ID, die von der Empfängerin oder dem Empfänger der Karte im Internet eingegeben werden muss. So bekommt der Absender eine Karte zurück – aber nicht von demjenigen, dem er geschrieben hat, sondern von irgendwem. „Postcrossing ist anonym. Allerdings gibt es regelmäßige Treffen, bei denen, wer will, Kontakte knüpfen kann“, sagt Britta Loose-Vanyushkin.

Postcrosser gibt es in mehr als 200 Ländern

Auf der Internet-Plattform sind mehr als 804 000 Mitglieder aus 209 Ländern registriert. In vielen Ländern – auch in Deutschland – wurden sogar spezielle Postcrossing-Briefmarken herausgegeben. Doch insgesamt werde immer weniger geschrieben, sagt die Möhringerin bedauernd. In vielen Städten gebe es gar keine Postkarten mehr zu kaufen. Das habe sie dazu motiviert, einen eigenen Online-Shop zu eröffnen.

Für Britta Loose-Vanyushkin sind Postkarten kleine Fenster in die Welt, hinter denen Menschen mit ihren Geschichten stehen. So wie sie selbst. Denn zum Postcrossing kam sie durch eine besondere Sprache. Ihr Vater lehrte sie Esperanto, eine Plansprache, die weltweit von mehr als einer Million Menschen beherrscht wird. Der polnische Augenarzt Ludwik Lejzer Zamenhof erfand sie 1887. Seine Idee war eine neutrale Sprache als Schlüssel zum Weltfrieden.

Als Kind war Britta Loose-Vanyushkin auf internationalen Esperanto-Treffen. „Ich hatte Brieffreundinnen auf der ganzen Welt“, sagt sie. Doch mit der Oberstufe und ihrem Austauschjahr in den USA wurden es immer weniger. Als Postcrosserin lässt sie dieses Hobby in etwas anderer Form wieder aufleben. Eine Karte ist für sie wie eine analoge Whatsapp oder SMS – nur schöner: Ein hübsches Motiv mit inspirierenden Worten, liebevoll von Hand geschrieben, oft mit einer sorgfältig ausgesuchten, passenden Briefmarke wird zu einem Moment der Freude.

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