Alexander von Humboldt gilt als eines der letzten Universalgenies, sein Name steht für Weltoffenheit und wissenschaftlichen Fortschritt. Doch seit geraumer Zeit erhält diese Erzählung Risse. Die Performance „Fünf Exponate“ des Berliner Ensembles „Kollektiv mit Zucker“, das am Donnerstag im Theater Rampe in Stuttgart Premiere feiert, ist ein berührendes Plädoyer gegen die Überheblichkeit Europas im Umgang mit den Kulturen des globalen Südens.
2020 eröffnete das ethnologische Museum Humboldt-Forum in den Räumlichkeiten eines kitschigen Replikats des Berliner Schlosses, das anstelle des alten Palasts der Republik errichtet wurde. Mit dem Forum wollte die Bundesrepublik erinnerungspolitisch an die angeblich unbelasteten Kapitel der deutschen Nationalgeschichte anschließen. Anhand ihrer eigenen Biografien zeigen die Performancekünstler, dass Humboldts Name jedoch nicht nur mit dem Erbe des Humanismus verbunden ist, sondern auch mit Rassismus und Europas zweifelhaften Umgang mit seiner kolonialer Vergangenheit.
Humboldt-Reisen nach Lateinamerika wirken bis heute nach
Laia RiCa, Antonio Cerezo und Yahima Piedra Córdova sind alle drei in Lateinamerika geboren und haben längere Zeit im Westen gelebt. Vor dem Hintergrund einer Projektion der Fassade des Humboldt-Forums ergründen sie, wie die Reisen Humboldts nach Lateinamerika bis heute nachwirken und ihre Beziehung zu den Menschen des globalen Nordens prägen. Zahlreiche Tiere und Pflanzen sind nach dem berühmten Deutschen benannt, es gibt die Humboldt-Fledermaus, den Humboldt-Pinguin, sogar den Humboldtstrom. Gleichzeitig sei Rassismus auch in Lateinamerika bis heute weit verbreitet. „Weshalb weiß ich alles über meinen weißen Großvater, während ich von meinen dunkelhäutigen Großeltern nicht einmal die Namen kenne?,“ fragt Cérdova.
Die Kartoffel steht für Laia RiCa und Antonio Cerezo als Metapher für die Formbarkeit integrierter Migranten, Gips für die billige Reproduktion gestohlener Objekte, die heute in europäischen Museen ausgestellt sind. Wie wären sich Europa und Lateinamerika begegnet, hätte es den Kolonialismus nicht gegeben? Sicher, die Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen. Mit ihrer Performance zeigen die Künstler jedoch, wie viel uns entgeht, wenn wir in einem Dualismus zwischen Zivilisation und Barbarei, Wissen und Aberglauben verharren.
Termine und Tickets
Termine
Die Performance „Fünf Exponate“ des Berliner Künstlerkollektivs KMZ ist heute um 19 Uhr 30 und am Samstag um 20 Uhr im Theater Rampe zu sehen.
Tickets
Tickets sind online ab 3 Euro erhältlich unter https://theater-stuttgart.reservix.de/p/reservix/event/2156482