Erinnert sich noch jemand an Corona? Für die einen Momentaufnahmen aus einem Land vor unserer Zeit, für die anderen extrem präsente Erinnerungen – wie für Selina (28) und Denis (33) von Linin Home. Und das gar nicht so aus gesundheitlichen Gründen, nein, es geht vielmehr um einen Neustart bzw. den Mut, etwas Neues zu starten, wie etwa ein eigenes Label mit dem klangvollen Namen Linin Home.
Auf der Suche nach der perfekten Bettwäsche
Denn schließlich wurde durch Corona bei uns allen der Reset-Knopf gedrückt. Wir legten Pausen ein, atmeten durch, machten uns Gedanken übers Leben und die ach so wichtige Work-Life-Balance, verbrachten viel Zeit zu Hause und wurden zu Interior-Experten.
Das alles in Kombination ließ unser Power-Couple, das im Heusteigviertel wohnt, ein wichtiges Thema angehen, das sie und wir vorher einfach so hingenommen hatten: Bettwäsche, die nicht zusammenpasst. Jede:r kennt’s: Spannbettlaken, die nie zum Rest der Bettwäsche passen. Das Set, das nur bestimmte Kissengrößen enthält etc. – alle wissen, was Phase ist.
Und weil Denis, wie er selbst sagt, gern schläft, aber vor allem auch noch etwas neben seinem eigentlichen Job starten wollte und sich Selina liebend gern mit Mode, Stoffen und Trends befasst, ließ die beiden das Thema nicht mehr los. Sie recherchierten und stellten sich dabei die Frage: „Hey, wir wollen einfach nur das passende Spannbettlaken zum Rest der Bettwäsche. Das kann doch nicht so schwierig sein?“ Doch war es, bis jetzt bzw. Ende 2021 – als Linin Home gegründet wurde.
Locker, luftig, langlebig: Leinen – der Alleskönner!
Seitdem gibt es die Möglichkeit, im Online-Shop des Stuttgarter Labels Bettwäsche in vielen verschiedenen Größen zu bestellen, ganz individuell zusammenzustellen, in gedeckten Farben (beige, weiß, schwarz), die sich gut kombinieren lassen.
Das Besondere: Das Sortiment besteht aus Produkten, die zu 100 Prozent aus Leinen gemacht sind. Warum? „Weil es einfach ein gesundes Material ist, atmungsaktiv, antibakteriell – besser kann man nicht schlafen“, betont das Paar.
„Das spiegelt uns auch ganz gut wieder“, findet Selina, die auf der schwäbischen Alb geboren und aufgewachsen ist, „weil wir lockere Typen sind und unsere Kleidung eher basic ist.“ Und Denis, den es aus Wendlingen nach Stuttgart verschlagen hat, ergänzt: „Die erste Bestellung von jemandem, den wir nicht kannten, haben wir schon sehr gefeiert.“
Das Power-Paar lacht und ist sich wie so oft einig. Die Zusammenarbeit funktioniert. „Wir ergänzen uns einfach gut, privat und jetzt auch beruflich.“ Er IT-, sie modeaffin. Passt. Klar, dass die Motivation da ist, jetzt noch mehr Gas zu geben, weiter in das Label, genauer neue Produkte, zu investieren und Leinen unter die Leute bringen.
„Wir verbringen ja auch unser halbes Leben im Bett, warum dann nicht in die beste Bettwäsche investieren.“
Sidefact: Wer wusste, dass Litauen das Leinen-Land schlechthin ist? Da findet heute noch der Anbau und die Produktion statt. „Da war es für uns auch am authentischsten, dass der Leinen aus einem Land kommt, wo sich auch alles um Leinen dreht“, so die beiden.
Komplett plastikfrei und Zero-Waste
Und ja, Bettwäsche aus Leinen gibt es auch von anderen Herstellern. Aber beim Auspacken riecht es oft nach Chemie, verpackt ist es meistens in Plastik, komplett stimmig ist’s eh nicht. Das Linin-Home-Duo zeigt: Das geht auch anders. Und nochmal: ja, Leinen knittert. Die einen sagen: Edelknitter. Selina und Denis sprechen von einem besonderen, cozy Look, der seinen Charme hat.
Außerdem achten die beiden darauf, dass sie keine großen Bestände haben. Längere Lieferzeiten müssen in Kauf genommen werden. „Es wird das produziert, was auch bestellt wurde.“ Hinzu kommt, dass bei Linin Home alle Stoffreste aus der Produktion verwertet werden. So entstehen unter anderem handmade Scrunchies. Oder Kindergärten und ähnliche Einrichtungen dürfen sich über eine Stoffspende freuen. Stichwort: Zero-Waste.
„Der Support in Stuttgart ist so besonders!“
Was die beiden auch sehr freut: „Die Leute in Stuttgart halten extrem zusammen. Der Support ist hier so besonders.“ Wenn man sich im Kessel kennt, würde man sich auch weiterempfehlen, connecten und voneinander erzählen – das begeistert die beiden on top. Auch, dass vor allem Frauen die Stadt aufmischen und etwas starten, sorgt für leuchtende Augen.
Da verwundert es nicht, dass sich Vorhänge von Linin Home bei Schmuckdesignerin Goldmarlen im Stuttgarter Süden finden lassen, Servietten und Kimonos im Boutique-Hotel Emilu in der Stadtmitte in Gebrauch sind und das komplette Sortiment seit Kurzem auch im Concept-Store Fyra im Dorotheen Quartier präsentiert wird.
Durch die Präsenz vor Ort, würden die Menschen die Marke anders wahrnehmen und fühlen. Selina begeistert dabei die Möglichkeit, den Kunden den eigenen Traum noch einmal anders zu vermitteln.
Das schöne Leben zu Hause
Bleibt nur noch zu klären, was es mit dem Namen auf sich hat. Eigentlich ganz simpel, so das coole Couple. Denis Mutter stammt aus Thailand, Selinas Eltern aus Laos. Die Sprachen sind sehr ähnlich. „Dann haben wir unsere Mamas gefragt: Was heißt denn eigentlich Leinen in unserer Sprache? Linin. Und Zack: der Name stand mindestens genauso schnell wie das Konzept fest. Durch die Ergänzung „Home“ packte man alles mit rein, was man mit dem schönen Leben zu Hause in Verbindung bringt. „Eigentlich eine ganz simple Geschichte, die uns aber gleich gefallen hat.“
Und wie geht es weiter? Nach dem Pillow-Spray, das die beiden mit einem Labor entwickelt hatten, folgte Kleidung (nicht nur für zu Hause!). Angefangen hatte alles mit Kimonos. Und jetzt ganz neu: Mit Badetüchern wird das Sortiment stetig weiterentwickelt. Dabei arbeiten die beiden liebend gern auch mit Hotels zusammen. Kein Wunder. Denn Reiseziele suchen sich Denis und Selina immer vom Hotel ausgehend aus. Kleine Hotels mit Charme, wo Leinen meistens ganz groß geschrieben wird, sind ihr Ding.
Ja, es darf ruhig international zur Sache gehen. Da stellt sich einem die Frage, wie lange die beiden dann wohl noch Stuttgart treu bleiben. „Für immer. Wir lieben Stuttgart“, kontern sie direkt. Der Traum von der eigenen Boutique im Heusteigviertel, liegt da – im wahrsten Sinne des Wortes – nahe. „Wir wollen einfach weitermachen, viel ausprobieren, die Steine ins Rollen bringen.“