Prävention, Diagnose, Therapie Adipositas – Einfach nur dick oder krank?

Der Anteil der Übergewichtigen nimmt zu. Foto: dpa/Gero Breloer

Krankhaft Fettleibige leiden oft nicht nur körperlich. Und die Menschen in Deutschland werden immer dicker. Was kann man dagegen tun?

Wenn die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ihren Bericht für die Republik vorlegt, lautet die Schlagzeile seit Jahren stets gleich: Die Deutschen werden immer dicker. Inzwischen hat sogar jeder vierte erwachsene Bundesbürger ein großes Problem: Er ist nicht nur übergewichtig, er ist adipös, sprich: krankhaft dick.

 

Mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung kann man aber vorbeugen – und auch gegensteuern.

Was ist Adipositas?

Ein zu hohes Körpergewicht, verursacht durch einen übermäßig hohen Fettanteil: das führt zu Adipositas, auch Fettleibigkeit genannt. Wird dem Körper mehr Energie zugeführt, als er verbrauchen kann, wandelt er diese Energie in Fett um. Das geschieht beispielsweise bei einer sehr fett- und kalorienreichen Ernährung über viele Jahre hinweg. Hinzu kommt jedoch, dass der Grundumsatz von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und teils genetisch veranlagt ist. „Es gibt einfach gute und schlechte Futterverwerter. Manche Menschen essen ganz normal und werden trotzdem dick“, sagt Johannes Erdmann, Leiter des Fachbereichs Ernährungsmedizin an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Auch mangelnde körperliche Bewegung, psychische Probleme, bestimmte Medikamente wie etwa Antidepressiva sowie hormonelle oder stoffwechselbedingte Faktoren können Adipositas begünstigen. „Dicksein kann man nicht allein am Essverhalten festmachen, sondern am Lebensstil insgesamt“, sagt Johannes Erdmann.

Dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge sind bei den Deutschen ab 18 Jahren rund 18 Prozent der Frauen und Männer adipös. Bei den Kindern und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren sind es etwa sechs Prozent. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2014/15. Tatsächlich mit Adipositas diagnostiziert sind zwischen 4 und 14 Prozent der Erwachsenen in Baden-Württemberg, je nach Altersgruppe und Geschlecht.

Ansonsten gibt es lediglich Daten aus Befragungen mit Selbstauskunft. Experten geben zu bedenken, dass bei diesen das Gewicht häufig unterschätzt wird. „Nur noch eine Minderheit der Deutschen ist noch normalgewichtig. Man kann davon ausgehen, dass jeder zweite Erwachsene übergewichtig ist, hier haben die Zahlen die letzten Jahre deutlich zugenommen“, sagt Johannes Erdmann. Bei den stark Übergewichtigen, also Adipösen, sei die Zahl dagegen eher stabil geblieben.

Adipositas – die Symptome

Das hohe Gewicht schränkt adipöse Menschen bei körperlicher Bewegung ein: sie fangen schnell an zu schwitzen, sind kurzatmig und haben kaum Ausdauer. Wirbelsäule, Knie und Hüfte leiden unter der vermehrten Belastung. Hinzu kommen sehr viele Begleit- und Folgeerkrankungen, welche durch Adipositas begünstigt werden und nahezu alle Organe betreffen können. Das reicht von Bluthochdruck über Diabetes und Fettstoffwechselstörungen, Gicht und periphere Verschlusserkrankungen bis hin zu allem, was mit Herzerkrankungen zu tun hat.

Durch die eingeschränkte Beweglichkeit im Alltag sinken häufig auch das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität. Das Selbstwertgefühl leidet und das Risiko für Depressionen steigt. „Allerdings muss man auch sagen, dass es durchaus auch gesunde Dicke gibt, die keine oder kaum Symptome haben“, sagt Johannes Erdmann.

Wie Adipositas diagnostiziert wird

Der erste Indikator ist die Optik – Speckröllchen und -rollen sind nun mal nicht zu übersehen. Ärzte können zudem anhand des äußeren Erscheinungsbildes sowie anhand von Fragen zu Essgewohnheiten, Bewegung und Beschwerden einen ersten Eindruck gewinnen. Um das individuelle Maß an Übergewicht zu ermitteln, nutzten viele Wissenschaftler aber den nicht unumstrittenen Body-Mass-Index (BMI). Er ist der wichtigste Indikator für Fettsucht und berechnet sich so: Körpergewicht (in Kilogramm) geteilt durch Körpergröße (in Metern) zum Quadrat.

So wird das Gewicht anhand des BMI eingeschätzt:

Auch die Fettverteilung in Körper ist wichtig für das persönliche Gesundheitsrisiko, insbesondere das Bauchfett. „Übersteigt der Taillenumfang bei Männern 102 Zentimeter und bei Frauen 88 Zentimeter, erhöht sich das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich“, sagt Johannes Erdmann.

Adipositas – welche Therapie hilft?

Abnehmen ist das Einzige, was helfen kann. Zur Behandlung von Fettsucht reicht es aber nicht aus, kurzfristig etwas Gewicht zu verlieren. Um die schweren Folgeerkrankungen einzudämmen oder gar abzuwenden, müssen Menschen mit Adipositas dauerhaft ihr Gewicht senken – und so ihren Energiestoffwechsel wieder normalisieren. Doch das ist leicht gesagt: Zwar gibt es unzählige Pillen, Diäten und Programme, die die Kilos angeblich wie von selbst purzeln lassen. Auch eine Operation, etwa eine Magenverkleinerung, ist möglich. Letztlich braucht es aber viel Geduld und Disziplin: Damit die Adipositas-Therapie langfristig erfolgreich ist, sind tief greifende Veränderungen der Lebensgewohnheiten nötig.

Bewegung ist daher neben der Ernährungstherapie ein zentraler Baustein. Meist raten Experten zu Kraft- und Ausdauersportarten. Begleitend kann eine Verhaltenstherapie helfen: Da viele Übergewichtige etwa negative Gefühle mit Essen kompensieren, sollen sie neue Verhaltensmuster lernen. Die Umstellung fällt oft leichter, wenn man nicht im gewohnten Umfeld ist. Es gibt daher auch stationäre Adipositas-Kuren, die man beantragen kann.

Wie man Adipositas vorbeugt

Schon Kindern sollte man Freude an Bewegung vermitteln und unbedingt eine positives Essroutine etablieren. Wer sich angewöhnt hat, aus Langeweile, Frust, Traurigkeit oder zur Belohnung zu essen, wird dieses Verhalten nur noch schwer los.

Da neben ungesundem Essen und Bewegungsmangel auch Stress, Schlafmangel und Depressionen zu Übergewicht führen können, sollte man auf einen gesunden Lebensstil achten: körperliche Aktivität, Stress meiden oder minimieren, auf Ausgleich und Lebensfreude achten. Eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung sind umso wichtiger, wenn man auch noch einen langsamen Stoffwechsel oder die genetische Veranlagung zum Zunehmen hat oder auch, wenn man bestimmte Medikamente nehmen muss.

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