Praxistest Der Stadtcowboy von Nissan

Von Gundel Jacobi 

Der Qashqai punktet mit hoher Sitzposition, einem schluckfreudigen Fahrwerk und zuverlässigem Frontantrieb. Negativ fällt der hohe Verbrauch auf winterlichen Straßen auf.

Beliebter SUV: Der Qashqai von Nissan rollt seit neun Jahren auch auf Deutschlands Straßen. Foto: Hersteller
Beliebter SUV: Der Qashqai von Nissan rollt seit neun Jahren auch auf Deutschlands Straßen. Foto: Hersteller

Seit neun Jahren ist der Qashqai auf deutschen Straßen unterwegs, und er hat auch in der zweiten Generation seine Beliebtheit in der Liga hochbeiniger Kompaktwagen verteidigt - mit und ohne Allradantrieb: Grund genug, das frontgetriebene 1,2-Liter-Einstiegsmodell ein wenig näher zu betrachten. Dieser Nissan ist ein sanfter Abenteurer - mehr gepflegter Stadtcowboy als rustikaler Landmann. Der 1,2-Liter-Ottomotor mit 85 kW (116 PS) dürfte genau richtig sein für geruhsame Gemüter, die keine ewig langen Strecken runterschrubben und keine Spurtwettbewerbe gewinnen möchten.

Somit überrascht es kaum, dass dem soliden Basisbenziner bei niederen Dreh­zahlen leicht die Puste ausgeht; brav folgt er aber den gezielten Schaltvorgängen und kann im lang übersetzten sechsten Gang gemütlich und angenehm leise vor sich hin traben. Wie erwartet liegt der Qashqai zudem recht ausgeglichen auf der Straße, mit anderen Worten: sein Fahrwerk ist alltagstauglich abgestimmt - mit Hang zu unauffälligem Schlucken leichter Bodenwellen.

Kein Vergleich muss gescheut werden

Ein wichtiger Kaufgrund ist die hohe Sitzposition, von der aus das Verkehrs­geschehen seitlich und nach vorn wunderbar beobachtet werden kann. Häufig ein Manko bei der Rundumsicht: nach schräg hinten macht einem die dortige stämmige Dachsäule samt sich verjüngenden Fenstern zu schaffen, das ist auch beim Qashqai nicht anders. Aufgeräumt und aufs Wesentliche ausgerichtet präsentiert sich das Cockpit, das keinerlei Vergleiche mit Wettbewerbern à la VW ­Tiguan scheuen muss. Sogar eine 0,7-Liter-Sprudelflasche passt in die Tür­ablage - heutzutage alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Im Fond geht es zwar nicht üppig, aber angemessen für einen 4,38 Meter langen Kompaktwagen zu. Die dortigen Rücklehnen lassen sich so umklappen, dass eine ­Ladefläche mit Stufe entsteht. Unter der ­Gepäckraumabdeckung gibt es 430 Liter Stauraum, der bei voller Ausnutzung dachhoch auf 1585 Liter ausgedehnt werden kann. Vergleichsweise weit oben liegt die Ladekante in 77 Zentimeter Höhe. In der 1,2-Liter-Einstiegsversion Visia steht er ab 19 990 Euro in der Preisliste - einschließlich Start-Stopp-System, Tempomat, Berg­anfahrassistent und Klimaanlage. Einen Allradantrieb gibt es nur in Verbindung mit dem 96 kW (130 PS) starken 1,6-Liter-Dieselaggregat.

Mit einem Verbrauch von glatten acht Liter Benzin liefen bei der getesteten Variante fast zweieinhalb Liter mehr durch die Kraftstoffleitungen, als nach der Norm angegeben. Auch dies wieder ein Beispiel, dass die Normverbräuche nichts mit Autofahrers Alltag zu tun haben. Eine Reform wäre hier dringend geboten. Fazit: auch auf winterlichen Straßen hat ein Allradantrieb nicht gefehlt. Ordentliche Winterreifen und eine entsprechende Fahrweise brachten die Passagiere sowohl bei Schneematsch als auch auf vereisten Pisten sicher voran - freilich ohne einen Pferde­anhänger zu ziehen oder abgelegene Bergstraßen mit extremen Steigungen ­bezwingen zu wollen.