Preisverleihung in Berlin Königin Silvia und der Pappkarton

Von Jan Sellner 

Das in Stuttgart ansässige Institut für Auslandsbeziehungen ehrt die schwedische Monarchin in Berlin für ihr soziales Engagement.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hielt die Laudatio für Königin Silvia. Foto: dpa
Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hielt die Laudatio für Königin Silvia. Foto: dpa

Stuttgart - Königin Silvia kennt jeder, aber wer ist Theodor Wanner? Die Antwort liegt in Stuttgart. Hier wirkte Theodor Wanner (1875–1955) als Unternehmer und Philantroph. Sein Name verbindet sich mit dem Linden-Museum, das er tatkräftig förderte. Wanner förderte auch die Künste und gründete die Süddeutsche Rundfunk AG und das bis heute hier ansässige Institut für Auslandsbeziehungen (Ifa), das sich als Kompetenzzentrum der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik versteht. Im Januar feierte es sein 100-jähriges Bestehen.

Nach Wanner ist ein Preis benannt, den das Ifa jährlich an Persönlichkeiten vergibt, „die mit ihrem wissenschaftlichen, sozialen, gesellschaftspolitischen, künstlerischen, unternehmerischen oder finanziellen Engagement Herausragendes für den Dialog der Kulturen leisten“. Hier liegt die Verbindung zur schwedischen Königin. Die 73-jährige gebürtige Heidelbergerin wurde am Dienstagabend im Allianz-Forum in Berlin mit dem diesjährigen Theodor-Wanner-Preis geehrt. Seit vielen Jahren engagiert sie sich für die von ihr gegründete Childhoods Foundation und steht rund 60 Projekten und Vereinigungen als Schirmherrin vor.

Das Preisgeld kommt von der Peter-Linder-Stiftung

1999 war Silvia zu Gast im Neuen Schloss in Stuttgart, um die Childhoods Foundation vorzustellen. Damals erzählte sie, was sie zu diesem Engagement bewogen hat: Bei einem Besuch in einem Elendsviertel in São Paulo habe ihr ein kleiner Junge seine Behausung gezeigt – einen Pappkarton. Als später ein heftiges Gewitter ausbrach, habe ihr Entschluss festgestanden, den Straßenkindern zu helfen.

Von dem damaligen Stuttgarter Treffen rührt auch die Verbindung zu dem ehemaligen Vorstandssprecher der Schwäbischen Bank, Peter Linder, dessen gleichnamige Stiftung das Preisgeld von 10 000 Euro für Königin Silvia bereitstellt. Die beiden sind seitdem in Kontakt. Die Preisverleihung selbst geht auf die Initiative des Ifa-Fördervereins zurück. Mit dem Theodor-Wanner-Preis würdigte er ausdrücklich auch Königin Silvias „unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte“. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel als Schirmherr des Preises stellte in seiner Laudation das soziale Engagement der schwedischen Königin heraus.

Am Mittwoch besucht Sivlia die Mainau

Silvia, die sechsfache Großmutter ist, kündigte an, das Preisgeld an einen Hilfsverein in São Paulo zu spenden, der Sociedade Beneficente Alema. Der Verein betreut hilfsbedürftige ältere Menschen. Außerdem bietet er pädagogische und kulturelle Programme für rund 320 Kinder in einem Elendsviertel der brasilianischen Metropole an. Sein Vorsitzender, Weber Porto, nahm den Betrag in Berlin entgegen.

Vor der Preisverleihung hatte Silvia in den Nordischen Botschaften eine Konferenz zum Thema „Rolle der Väter – Architektur für Kinder“ eröffnet. Am heutigen Mittwoch wird Königin Silvia auf der Blumeninsel Mainau im Bodensee erwartet. In Konstanz will sie ein Programm ihrer Stiftung Mentor International für junge Flüchtlinge starten.




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