Premiere am Theater Rampe in Stuttgart Laura Oppenhäuser und ihre zehn männlichen Musen
Was ist eigentlich Männlichkeit? Am Theater Rampe hinterfragt die Performancekünstlerin Laura Oppenhäuser mit „Sanctus Dominus Taurus“ Geschlechterklischees.
Was ist eigentlich Männlichkeit? Am Theater Rampe hinterfragt die Performancekünstlerin Laura Oppenhäuser mit „Sanctus Dominus Taurus“ Geschlechterklischees.
Zweifellos, hier muss Männlichkeit los sein. Testosteron, vielleicht ist es auch ein sehr starkes Aftershave – olfaktorisch weist beim Gang in den Saal jedenfalls alles auf das folgende Theaterereignis hin. Gepriesen sei der heilige Stier, oder vielleicht auch der heilige Mann? Oder die heilige Frau? Und gibt es etwas, das das Ganze zementiert? Diese Geschlechter? In „Sanctus Dominus Taurus“ (SDT) seziert die Stuttgarter Figurenspielerin und Performancekünstlerin Laura Oppenhäuser am Theater Rampe in der Filderstraße Männlichkeitskonstruktionen und deren Klischees und stellt die Frage danach, was Geschlechterrollen verankert.
Da gibt es einiges zu lachen am Freitagabend, wenn sich die Protagonistin mit ihren zehn männlichen „Musen“ auf Spurensuche toxischer Maskulinität begibt. Es wird gehämmert, geklopft, geboxt und ja, auch mal gebügelt und geprügelt. Diese als „Gehilfen“ inszenierten Figuren heißen etwa Enis, Anton, Ben oder Mohamed und sie ist Hetero-Frau, in einer von Männern geprägten Welt, ist Herrin, lässt sich ein, lässt sich fallen, in ihren Gefühlen, in ihrer Sexualität. Es ist ein Spiel mit Macht, eines mit Gewalt. „Man bringe mir Männer und ich baue daraus einen Altar. Denn einzig sie sind mir heilig“, sagt die Protagonistin, die sich in dieser Kampfarena behauptet. Vom Altar weht später Weihrauch herüber, dort wird die Männerbande zelebriert, grünes Neonlicht, klopfender Ton: mit Bier, mit Bärten, mit Qualm. Ein Tanzen, ein Stampfen.
Oppenhäuser inszeniert ein Stück, für das sie, so der Programmtext, über Tinder oder im Fitnessstudio Männer eingeladen hat, die sich als „echte“ Männer identifizieren. Das ist impulsiv und überzeugend. Sonst solo unterwegs, ist es für die Künstlerin neu, eine Horde „richtige“ Männer zu dominieren. Auch mit Peitschenhieb. Das macht sie so, als hätte sie nie etwas anderes getan. SDT ist, wenngleich mit Witz, nachdenklich, kritisch und schmerzhaft. Nachts an der Straßenecke blickt sie dem Mann in die Augen und sagt, sie habe Angst.
Im Stück finden sich Zitate der französischen Autorin und Feministin Virginie Despentes oder der New Yorker Konzeptkünstlerin Mierle Laderman Ukeles. Und die Gehilfen wandeln umher, wie Golems, scheinen formbar, wie das Konstrukt an sich. Das geschieht mit großer Geste und zeremoniell feierlich im Rahmen einer nicht ganz braven Messe. In diesem Stück ist alles Botschaft, vieles sehr direkt, und anderes verborgen – unweigerlich jedoch erhaben.