Premiere des Weltweihnachtscircus Großer Zirkus zum Jahreswechsel

Von  

Der Weltweihnachtscircus ist eine Versammlung von international gefragten Zirkuskünstlern: Die Show zum 20. Jubiläum setzt Maßstäbe.

 Foto: Rudel/Hass 15 Bilder
Foto: Rudel/Hass

Stuttgart - Joselito, genau, der mit dem harten ch im Rachen, er verschwindet nach seinem Auftritt kopfüber in einem schwarzen Sack – und taucht auch zum Finale nicht mehr auf. Ansonsten aber ist Joselito, mit dem harten ch im Rachen, einer der Stars des Abends. Joselito ist die Puppe des Bauchredners Willer Nicolodi, und der erinnert ständig an das ch im Rachen. Beide zusammen bringen gleich zu Beginn des Dreieinhalbstunden-Premierenprogramms des Weltweihnachtscircus die Menschen im proppenvollen Zelt zum Lachen. Das tut auch Joselitos Kollege mit den blonden hochstehenden Haaren. Dessen Namen spricht sich einfacher aus: Bello. Bello Nock macht Späße mit dem Publikum, und er verzehnfacht sich sogar bei einem seiner Auftritte: Da werfen zehn Bellos riesengroße rote Luftballons auf die Ränge, und zweieinhalb Tausend Zuschauer verwandeln das Zirkuszelt in einen großen Spielplatz. Es ist für Unterhaltung gesorgt im neuen Programm des Weltweihnachtscircus.

Es ist das 20. Jubiläum – und dementsprechend hat sich der Produzent Henk van de r Meyden bemüht, auf die aus zwei Jahrzehnten von ihm gewohnten Spitzenqualität noch eins draufzusetzen. Es blieb nicht beim Versuch – van der Meyden hat, zusammen mit dem Regisseur Patrick Rosseel, dem Kapellmeister Markus Jaichner und seinem Komponisten sowie dem Lichttechniker Christian Bock eine Zirkusshow geschaffen, die Stuttgart zur Ehre gereicht und ihren jahrzehntealten Ruf als Zirkusstadt in aller Welt bestärkt.

In den nächsten vier Wochen werden nicht nur mehr als 100.000 Zuschauer auf den Wasen kommen, das Zirkuszelt wird auch zum Treffpunkt von Agenten und Zirkusdirektoren aus ganz Europa werden. So war es in den vergangenen 20 Jahren - und dafür besteht auch in dieser Spielzeit bis zum 6. Januar genug Anlass. Zum Beispiel der Auftritt von Bello Nock. Er lässt nicht nur ahnen, womit er acht Jahre lang amerikanisches Publikum begeisterte, er zeigt auch, dass er die Herzen des Stuttgarter Publikums schon nach zwei, drei seiner Auftritte gewonnen hat. Ob er allerdings ein Superakrobat im Outfit eines Clowns oder ein sehr guter Clown mit Topleistungen im akrobatischen Bereich ist – das muss jeder Zuschauer für sich entscheiden.

Ein Löwe als Sofa für den Dompteur

Das Programm besteht aber nicht nur aus dem Clown, der die Titelfigur abgibt. Eine gute Figur machen auch die Mitglieder der Familie Knie aus der Schweiz mit ihren beiden Pferdenummern, in denen sie unter anderem holländische Friesen und russische Araber vorführen. Und natürlich Martin Lacey aus England, der seit einigen Jahren fest beim Zirkus Krone engagiert ist, mit seinen Löwen. Stammbesucher haben den Dompteur schon einmal vor ein paar Jahren beim Weltweihnachtscircus gesehen – und seine Nummer ist seither noch besser geworden. Er präsentiert sich zwar als Alphatier im Zentralkäfig, zeigt aber auch deutlich, wozu Raubkatzen fähig sind, wenn man sein Leben diesen Tieren widmet. Zur Schnelligkeit ebenso wie zum Sanften. Wo sonst geben ausgewachsene Löwinnen Küsschen oder wirft sich ein gestandener Löwenmann nach langem Bitten in die Manege, um dann seinem Chef als Sofa zu dienen?

Große Akrobatengruppen zählen ebenso zum guten Standard wie einzelne Artisten, die mit ihrer Darbietung aus der internationalen Masse herausragen. Im Gedächtnis haften bleiben jedenfalls die Koreaner mit ihrer neuen Luftnummer – auch wenn man den vierfachen Salto, anders als angekündigt, in diesem Unternehmen schon öfters gesehen hat. Spektakulär auch die Russen, die zu Fünft absolut präzise Sprünge zwischen zwei großen Schaukeln ausführen; und nicht zu verachten die Leistung der beiden Vietnamesen mit ihrer Handstand- und Kopf-auf-Kopf-Akrobatik.

Der Weltweihnachtscircus ist eine Versammlung von international gefragten Zirkuskünstlern in einer Show, die Maßstäbe setzt. Das darf man nicht vergessen, wenn man meint, dort „einfach mal nur so in den Zirkus“ zu gehen. Ehre, wem Ehre gebührt. Oder, um es anders zu sagen: Bellissimo. Das gilt für das Ganze. Nicht nur für den Clown vom Plakat.