Premiere für Gauthiers Junioren Rena Butler setzt auf die Vielfalt des Tanzes
Gauthier Dance Juniors heißt die Nachwuchskompanie im Theaterhaus, „Renaissance“ ihr erstes Bühnenprogramm. Mit dabei ist eine Uraufführung von Rena Butler.
Gauthier Dance Juniors heißt die Nachwuchskompanie im Theaterhaus, „Renaissance“ ihr erstes Bühnenprogramm. Mit dabei ist eine Uraufführung von Rena Butler.
Die Choreografin Rena Butler ist gefragt; Kompanien wie Hubbard Street Dance in Chicago oder die Oper in San Francisco wollen mit der Schrittmacherin aus New York zusammenarbeiten. Der Erfolg hat seinen Preis. „2023 war ich vielleicht insgesamt drei Wochen zu Hause“, sagt Rena Butler im Proberaum von Gauthier Dance am Löwentor. Ihre Beziehung ging darüber in die Brüche. Beim Arbeitsaufenthalt in Stuttgart am Ende des vergangenen Jahrs freute sich die Tanzkünstlerin deshalb auf ein paar ruhige Tage daheim bei ihrer Familie in Chicago.
Mitte Januar wird die Choreografin nach Stuttgart zurückkehren, um ihrem neuen Tanzstück den letzten Schliff zu geben. „Umbra Penumbra“ heißt das Duett, als eine von zwei Uraufführungen schmückt es die erste Bühnenshow der Gauthier Juniors. Die sechs Nachwuchstalente stellen unter dem Titel „Renaissance“ neben den Uraufführungen von Rena Butler und Barak Marshall weitere Stücke von Sharon Eyal, Andonis Foniadakis und Marco Goecke vor. Ein neuer Kurzfilm von Eric Gauthier ergänzt das Programm, dessen Titel auf die Anfangsjahre von Gauthier Dance anspielt: Die Kompanie startete einst ebenfalls sechsköpfig im Theaterhaus.
Alle Junioren sind bei den Proben mit Rena Butler beteiligt; gleich drei Besetzungen stehen so bereit. Die Choreografin weiß um ihre Verantwortung für den Tanznachwuchs und kitzelt das kleine Team immer wieder wach. „Überlegt mal, wie das zusammenpassen könnte. Das ist eigentlich meine Arbeit, aber ich will, dass ihr am choreografischen Prozess beteiligt seid“, sagt sie zum Beispiel.
Rena Butler will nicht nur Körper, sondern auch das Denken in Bewegung bringen. „Ich habe selbst mit tollen Kompanien und Künstlern gearbeitet und weiß, wie das die Arbeit beeinflussen kann“, sagt sie, die bereits als Tänzerin Schrittmachern in die Karten zu schauen versuchte. „Manchmal hoffte ich, in der zweiten Besetzung zu sein, damit ich besser Choreografen wie Ohad Naharin oder Crystal Pite dabei beobachten konnte, wie sie die Dinge zusammenbrachten“, blickt Rena Butler zurück.
2022, im Alter von 33 Jahren, hat sie mit dem Tanzen aufgehört, um sich ganz aufs Choreografieren zu konzentrieren. „Mich interessiert, wie man mit Tanz ein breites Publikum erreichen und eine Verbindung zu dem herstellen kann, was in der Welt passiert“, sagt Rena Butler, der Anleihen beim Surfen genauso willkommen sind wie beim klassischen oder beim balinesischen Tanz.
Zehn Minuten lang ist ihr neues Duett, schwarze Skimasken und Kostüme sollen auf der Bühne die Wahrnehmung der Körper erschweren, sagt die Tanzmacherin. „Wer ist die Person, wer ihr Schatten?“, um solche Fragen der Identität kreise ihr Stück, erklärt Rena Butler und nennt als Inspiration Carl Gustav Jung.
In dessen Psychologie stehe der Schatten für die unbewussten Persönlichkeitsanteile, also für so etwas wie die dunkle Seite des Ichs. „Es geht um die Suche nach der eigenen Identität, nach dem blinden Fleck im Ich“, sagt Rena Butler zu ihrem ersten Stück für eine deutsche Kompanie. „Die Arbeit mit Licht- und Schatteneffekten wird in diesem Stück sehr wichtig sein“, unterstreicht Rena Butler, „ich will sie wie Hitchcock in seinen Filmen nutzen.“
So wie sich im Schatten Licht und Dunkel überlagen, soll auch die Auftragsmusik für „Umbra Penumbra“ Gegensätze unterstreichen. „Kontrast interessieren mich“, sagt Rena Butler, „deshalb lasse ich Rebecca, die große italienische Tänzerin, mit dem kleinen Taiwanesen Rong Chang zusammentanzen.“ Auffällig ist, wie die Schrittmacherin ihr Material flexibel an die Möglichkeiten der Tänzer anpasst und sie ermuntert, das auch eigenständig zu tun.
„Ich brauche eine Vision, keine überperfekte Ausführung“, nimmt sie einer Tänzerin die Sorge, als diese eine Bewegung nicht so mühelos in den Raum dehnen kann wie die Kolleginnen, und ermuntert sie dazu, Vorgaben ihrem Körper anzupassen – und nicht umgekehrt. Später sagt Rena Butler über Gauthiers Junioren: „Sie sind noch sehr jung. Ich will sie unterstützen und ihnen Vertrauen geben mit Bewegungen, die sie genießen können.“ Möglichst spontan soll dabei alles wirken – wie eine individuelle Reaktion auf ein Gegenüber und nicht wie ein geplanter Ablauf.
Die drei Wochen bei den Gauthier Juniors in Stuttgart hat Rena Butler gut genutzt. „Hier ist ein toller Ort, um etwas auszuprobieren. Ich hoffe, dass der Dialog weitergeht und bin stolz darauf, als American Girl bei ,Renaissance‘ in einer Reihe mit großen Namen zu stehen.“ Herzlich empfangen wurde sie auch bei einer Vorstellung des Stuttgarter Balletts, wo sie John Cranko entdeckte. „Seine Lust am Erzählen ist überbordend. Egal wo man hinschaut, passiert etwas.“
Termin
„Renaissance“ hat am 18. Januar um 20 Uhr im Theaterhaus Premiere. Weitere Vorstellungen gibt es bis zum 27. Januar und vom 10. bis zum 14. April . Bis auf die Matinee am 24. Januar ist die erste Vorstellungsstaffel bereits ausverkauft.
Programm
Neben den Uraufführungen von Rena Butler und Barak Marshall sind Choreografien von Sharon Eyal, Andonis Foniadakis und Marco Goecke sowie eine Kurzfilm-Premiere von Eric Gauthier zu sehen.
Künstlerin
Rena Butler begann ihre Ausbildung zur Tänzerin in ihrer Heimatstadt Chicago. Kompanien wie Hubbard Street Dance und zuletzt die Gibney Company waren Stationen ihrer tänzerischen Karriere. 2019 ließ sie ein Preis der Princess Grace Foundation als Choreografin durchstarten. Kompanien wie das National Ballet of Canada, Boston Dance oder das Holländische Nationalballett gehören inzwischen zu Butlers Auftraggebern.