Premiere im Theater Rampe Eine kleine Strandmusik in Stuttgart
Die freie Theatergruppe CIS beschäftigt sich in der Stuttgarter Rampe mit einem Lebenselement: „Wasser, Wasser“. Und was kam dabei heraus? Ein Musical!
Die freie Theatergruppe CIS beschäftigt sich in der Stuttgarter Rampe mit einem Lebenselement: „Wasser, Wasser“. Und was kam dabei heraus? Ein Musical!
„There are only two Ways for a Woman to come out of the Ocean”, sagt eine Stimme – „dead or in a Bikini.” Und es klingt, als habe Laurie Anderson einen von Raymond Chandler verfassten Werbeslogan der Textilindustrie verlesen.
So ist es aber nicht. Die Gruppe CIS ist am Werk im Theater Rampe. „Wasser Wasser“ ist der Titel ihres Musiktheaters, einer losen Song- und Szenenfolge, in der sich alles dreht ums feuchte Element, ums Fließen, Gefrieren, ums Eintauchen, Untertauchen, um Aggregatzustände: Metaphern vielleicht für Lebens- oder Zusammenlebens-Zustände.
Gleich neben dem Eingang zum Theatersaal eine Sammlung aus Flaschen („Plastic Bottles oft the Universe“). Es gibt eine flache Bühne und zwei Leinwände, darauf zu sehen sind meist Bilder des offenen Meers oder ein Pool in der Wüste.
„March to the Pool together“ geht denn auch der Refrain, mit dem die Gruppe auftritt, fröhlich singend im Chor, erst hinter den Zuschauerreihen. Was folgt in rund sechzig Minuten, das ist ein Spiel mit Körpern und Kostümen, Film und Tanz, Konzert, Performance, eine Lesung. Die Gruppe CIS versteht sich selbst in ihrer Konzeption als fluide, besteht an diesem Abend aus sieben Akteurinnen, unterstützt von Animationen (Jonathan Rössler).
Die Kostüme schuf Jessica Rankenmayer – schrill: Die Spielerinnen sind gekleidet in Zotteln, Tüll und hauteng bunte Kleidung, behängt mit Schuppen oder Perlen. Ein erstes Gedicht handelt vom Winter, von der Kälte: „Das heilige Weiß einer noch nicht betretenen Schneedecke. Die Zunge, die am Reißverschluss des Anoraks festfriert.“
Ewiges Eis auch in den Höhlen, in denen Tote liegen, eisige Kälte in Gerichtssälen und bei Klimagipfeln. Mit ausgestreckten Armen ist die Gruppe CIS zu einem Kristall erstarrt. Später werden alle verteilt am Boden liegen, im Chor oder durcheinander sprechen, mit elektrischen Instrumenten lyrische oder aufsässige Musik machen, von Managern erzählen, die sich die Schweißdrüsen trockenlegen lassen: chaotisch, traurig, glücklich, finster, ein Meer aus Zitaten, Klischees, Gedanken und Assoziationen rund ums Wasser, kurzweilig und provokant.
Weitere Vorstellungen am 11. und 12. November