Pressenhersteller Schuler Drei deutsche Produktionsstandorte schließen

Von red/dpa 

Drei von sieben Fertigungsstandorte des Pressenherstellers Schuler werden geschlossen. Produziert werden soll vermehrt im Ausland.

Ein Mitarbeiter kontrolliert das Kopfstück einer Schmiedepresse. Foto: dpa
Ein Mitarbeiter kontrolliert das Kopfstück einer Schmiedepresse. Foto: dpa

Göppingen - Der Pressenhersteller Schuler steht vor seinem nächsten Umbau. An drei von sieben Standorten in Deutschland wird die Produktion geschlossen, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. „Wir konsolidieren die durch viele Akquisitionen der Vergangenheit entstandene hohe Anzahl an Produktionsstandorten in Deutschland“, erklärte Vorstandschef Stefan Klebert nach einer Aufsichtsratssitzung in Göppingen.

Die geplanten Veränderungen betreffen den Angaben zufolge mittelfristig rund 450 Arbeitsplätze. Die Fertigung in Netphen mit 80 Mitarbeitern (Nordrhein-Westfalen) soll schon im kommenden Jahr geschlossen werden. Die Produktion in Waghäusel mit rund 130 Mitarbeitern und in Weingarten mit etwa 230 Beschäftigten (jeweils Baden-Württemberg) sollen bis Ende 2017 dicht gemacht werden.

Außenmontage und Service würden an den drei Orten aber fortgeführt. Die Standorte erhielten eine fünfjährige Garantie für die bleibenden Stellen, sagte ein Firmensprecher. In Weingarten seien das rund 600 der derzeit 850 Mitarbeiter, in Waghäusel blieben 350 Stellen erhalten, in Netphen rund 60.

Produktion im Ausland gewinnt an Bedeutung

Der Hersteller, der Pressen zur Blechbearbeitung baut, begründet die Schließung unter anderem mit der wichtiger gewordenen Produktion im Ausland. Außerhalb Deutschlands fertigt Schuler in China und Brasilien. Außerdem ändere sich der Kapazitätsbedarf zunehmend durch veränderte Produkte. Schuler war in neue Märkte wie die Herstellung von Großrohren oder Eisenbahnrädern vorgedrungen.

Der Landesbezirksleiter der IG Metall, Roman Zitzelsberger, kritisierte die Entscheidung: Es sei sicher wichtig, sich um Auslandsmärkte zu bemühen. Darunter sollten traditionelle Standorte wie Waghäusel und Weingarten aber nicht leiden. Dort steckten immer noch Kompetenz und Know-how, die Firmen wie Schuler brauchten.

Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich

Schuler sieht die Schwerpunkte der deutschen Produktion künftig in Göppingen und Erfurt. In Göppingen werden alle Pressen hergestellt, die im Werk komplett aufgebaut werden. In Erfurt werden Großpressen gefertigt. Weltweit beschäftigte Schuler zuletzt 5260 Mitarbeiter, in Deutschland waren es rund 4000. Der Maschinenbauer hatte schon in den vergangenen Jahren Stellen abgebaut. „Insgesamt haben die Maßnahmen dazu beigetragen, dass Schuler nach schwierigen Zeiten in den Jahren 2009 bis 2010 wieder wachsen konnte und heute finanziell gesund da steht“, sagte Klebert.

Der neue Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden. So sollen Wechsel in andere Bereiche oder an andere Standorte möglich sein, aber auch Altersteilzeit oder freiwillige Aufhebungsvereinbarungen. Der Umbau der Produktion soll in diesem Jahr rund 55 Millionen Euro kosten. Im Gegenzug sollen aber jährlich 30 bis 35 Millionen Euro eingespart werden. In diesem Jahr plant Schuler nach wie vor mit steigendem Umsatz, nachdem die Erlöse 2014 bei 1,18 Milliarden Euro lagen. Das operative Ergebnis soll - die Kosten für den Umbau nicht berücksichtigt - auf Vorjahresniveau liegen.