Privatunternehmen in der Raumfahrt Das Weltall wird zum Markt

Der Roboterarm der Internationalen Raumstation dockt im Juli 2014 den Frachter Cygnus von Orbital Sciences an. Foto: Nasa
Der Roboterarm der Internationalen Raumstation dockt im Juli 2014 den Frachter Cygnus von Orbital Sciences an. Foto: Nasa

Touristenflüge, Frachtflüge, bemannte Raumkapseln: Aus Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit in der Raumfahrt haben die USA Privatanbietern Tür und Tor geöffnet. Trotz Rückschlägen zeigt sich die Branche dynamisch.

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)

Stuttgart - Das Feuerwerk vor der Küste Floridas hatte es in sich. Auf dem Video der privaten Raumfahrtfirma Space-X vom Januar ist zu sehen, wie eine gleißender Lichtball über einem Schiff einschwebt. Dann schlägt das Objekt am Rande des Rumpfes auf. Es blitzt, es kracht – und glühende Teile fliegen in alle Himmelsrichtungen. Das war’s dann mit dem Versuch, ein gerade benutztes Raketenteil auf einer schwimmenden Plattform einzufangen, um es wiederzuverwerten.

Und was twitterte der Space-X-Investor Elon Musk gelassen, der von der Raumfahrt so besessen ist, dass er sogar von einer privaten bemannten Marsmission träumt? „Na, wenigstens sollte die Rakete beim nächsten Versuch aus einem anderen Grund explodieren.“ Es ist kein Zufall, dass nicht nur Musk als Gründer des Bezahldienstes Paypal, sondern auch andere Raumfahrt-Entrepreneure wie der Amazon-Chef Jeff Bezos aus der Internetbranche kommen. Sie sind riskante Wetten gewohnt – und haben das nötige Kleingeld.

Rückschläge ändern nichts an den Plänen

Auch zwei spektakuläre Unglücke im Herbst des vergangenen Jahres haben den Trend zur Kommerzialisierung der US-Raumfahrt nicht gestoppt. Der Space-X-Konkurrent Orbital Sciences verlor Ende Oktober eine Rakete beim Start einer Versorgungsmission zur Internationalen Raumstation. Noch schlimmer war drei Tage später der Absturz eines Testflugzeugs von Virgin Galactic, einer Firma für den Weltraumtourismus. Dabei kam einer der beiden Piloten ums Leben. An den Unternehmensplänen änderte das nichts. „Wir sind an der Schwelle einer neuen Ära in der Erkundung des Weltalls. Erstmals in der Geschichte ist der private Zugang zum All fast Routine geworden“, sagt der US-Raumfahrtexperte Piers Bizony.

Private Firmen haben von Anfang an als Zulieferer der Nasa agiert. Lockheed und Boeing haben mit Hilfe staatlicher Subventionen Raketen entwickelt. Auch international ist die Raumfahrt schon länger ein Zwitter zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Europa und Russland konkurrieren mit den USA auch um kommerzielle Aufträge. Doch der Staat redet mit. Der neuen Version der Trägerrakete Ariane mussten die zwanzig Mitgliedstaaten der europäischen Raumfahrtagentur Esa zustimmen.

Spektakel für gut betuchte Passagiere

Die US-Raumfahrt war in diesem Rennen lange abgeschlagen. Das teure und komplizierte Spaceshuttle absorbierte über Jahrzehnte einen Großteil der Ressourcen. Im Frühjahr 2010 verordnete US-Präsident Obama der Nasa eine Neuorientierung: Sie sollte sich auf planetarische Missionen und die Internationale Raumstation konzentrieren – für erdnahe Flüge sollten private Anbieter zuständig sein. Mit ihrem Raumfahrtkapitalismus nehmen die USA nun wieder eine Pionierrolle ein.

Hüpfer ins All für betuchte Touristen

Es gibt allerdings einen Bereich, in dem immer private Initiative dominierte. Bei den US-Firmen Virgin Galactic und X-Cor steht das Spektakel für gut betuchte Passagiere im Mittelpunkt. Auch der Amazon-Gründer Jeff Bezos baut mit seiner Firma Blue Origin an einem solchen System. Diese Anbieter beschränken sich auf Flüge, die nur am Rande des Weltraums kratzen: Virgin will 100 Kilometer Höhe erreichen, X-Cor begnügt sich bei manchen Flügen gar nur mit 60. Doch noch hat kein zahlender Passagier abgehoben. Nicht erst der Absturz des Testraumschiffs Space Ship Two von Virgin Galactic hat gezeigt, dass auch solche Kurztrips ins All riskant sind. Die größte Herausforderung für die Firmen ist die Frage, wie die Flüge bezahlbar bleiben. Seit 2001 bietet der US-Veranstalter Space Adventures in Kooperation mit der russischen Raumfahrtagentur Flüge an, bei der die Russen neben zwei Kosmonauten einen weiteren Passagier mit zur Internationalen Raumfahrtstation mitnehmen. Der Preis von mindestens 20 Millionen Dollar und die äußert begrenzte Kapazität machen das zu einem reinen VIP-Produkt. Bisher hat es nur sechs derartige Mitflüge gegeben, die seit 2009 mangels Transportkapazität ausgesetzt sind. Bei Virgin Galactic und X-Cor stehen hingegen rund 700 beziehungsweise etwa 350 Passagiere auf der Liste, die sich für die mit Preisen zwischen 95 000 und 250 000 Dollar pro Person veranschlagten Flüge verbindlich angemeldet haben.

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