Pro & Kontra Kulturförderung Pro: Bitte nicht Löcher stopfen, von Klaus Zehelein

Von Nikolaus Bachler und Klaus Zehelein 

Ich habe nichts gegen Kultursponsoring. Ein Großteil der Etats für Zusatzprogramme wie im Bereich der ästhetischen Bildung kommt aus Sponsorengeldern. Zum Beispiel gab es während meiner Stuttgarter In­tendanz eine Übereinkunft mit der Landesbank Baden-Württemberg zur Innovationsförderung, die zur Teilfinanzierung des Forums Neues Musik­theater führte. Das war eine sehr sinnvolle Partnerschaft. Grundsätzlich hatte ich nie den Eindruck, dass die Unternehmen durch ihre Förderung Einfluss auf die Kunst gewinnen wollen. Es gibt in diesem Bereich aber auch vereinzelt schwarze Schafe.

Ich sehe zweierlei Gefahren. Zum einen, dass sich Kultureinrichtungen verbiegen, um an Geld zu kommen. Denn dass bei dem Versuch, es Sponsoren recht zu machen, eigenartige Ergebnisse herauskommen, ist ja bekannt. Bei den Salzburger Festspielen gab es schon die Situation, dass ein Sponsor angewiesen hat, welches Stück er sehen will. Eine weitere Gefahr liegt darin, dass Sponsoren eine Summe in Aussicht stellen, um eine Komplementärfinanzierung durch die öffentliche Hand zu erreichen. Der Mini Opera Space ist dafür ein abschreckendes Beispiel. Der mobile Pavillon als temporäre Spielstätte der Bayerischen Staatsoper wurde mit Mitteln des privaten Financiers unterstützt und das Staatsministerium fühlte sich verpflichtet, eine Million Euro dazuzugeben. Drei Jahre später ist der Pavillon wegen der hohen Aufbaukosten in Containern eingemottet und wird wohl bald verschrottet.

Jugendprogramme gestrichen

Grundsätzlich ist zu beobachten, dass die Firmen mehr und mehr eigene Kulturprogramme auflegen. Vor zehn, 15 Jahren wurde in den USA das goldene Lied des Sponsoring gesungen. Mittlerweile ist erkannt, wie problematisch das ist. Vor allem viele Jugendprogramme wurden gestrichen.

Der Vorwurf von Herrn Bachler, ich würde noch in der „Zeit der vollfinanzierten Elfenbeintürme“ leben, ist lächerlich. Als Präsident des Bühnenvereins tue ich das ja gerade nicht. Ich weiß, womit sich die Theater aktuell auseinandersetzen müssen. Und ich warne entschieden davor, Löcher in öffentlichen Haushalten mit Sponsoring zu stopfen. Nur etwa zwei Prozent des Theateretats in Deutschland werden von Sponsoren aufgebracht. Das ist in Ordnung. Es darf nicht darum gehen, dass staatliche oder kommunale Finanzierung auch nur teilweise ersetzt wird. Ausdrücklich wird das auch vom Arbeitskreis Kultursponsoring beim Bund der Deutschen Industrie gefordert. Die Kunst darf nicht als Luxusgut abgetan werden. Das älteste Musikinstrument der Welt, 40 000 Jahre alt, haben Forscher auf der Schwäbischen Alb gefunden. Da wird doch evident, wo unser gesellschaftliches Zentrum anzusehen ist. Die doppelte Buch­führung ist nicht einmal 700 Jahre alt.