Probleme im Flugverkehr Der Stau am Himmel
Fluggäste ärgern sich zu Ferienbeginn über gestrichene Flüge und Umleitungen. Wem es beim Fliegen nur ums Sparen geht, muss damit rechnen, dass nicht alles rundläuft, kommentiert Klaus Dieter Oehler.
Fluggäste ärgern sich zu Ferienbeginn über gestrichene Flüge und Umleitungen. Wem es beim Fliegen nur ums Sparen geht, muss damit rechnen, dass nicht alles rundläuft, kommentiert Klaus Dieter Oehler.
Stuttgart - Zigtausende Urlauber sind – mal wieder – sauer. In München wurden am Wochenende, ausgerechnet zum Ferienbeginn, mehr als 300 Flüge gestrichen. In Frankfurt mussten viele Flieger Ehrenrunden drehen oder gar auf den Flughafen Hahn in der Eifel umgeleitet werden. Nur zwei der aktuellen Beispiele, die Passagiere derzeit vermehrt erleben müssen. In München war es eine Frau, die irgendwie durch die Sicherheitskontrollen geschlüpft war und wegen der ein Terminal gesperrt werden musste. In Frankfurt war es ein Unwetter, das den Flugverkehr durcheinanderbrachte. Egal warum, für Urlauber, aber auch für Geschäftsreisende ist es ärgerlich, dass die Zahl der Verspätungen allein zwischen Mai und Juli um mehr als 60 Prozent gestiegen ist und die Zahl der gestrichenen Flüge sogar um 80 Prozent.
Die Gründe für den Stau am Himmel sind vielfältig. Sie sei einfach nur müde und genervt, sagte eine junge Frau, die von München nach Abu Dhabi wollte, deren Flieger aber wegen des Nachtflugverbots (Grund eins) nicht mehr starten durfte. Die Unwetter, die der anhaltenden Wärme in diesem Sommer geschuldet sind, sind Grund Nummer zwei. Dazu kommen Engpässe bei den Sicherheitskontrollen (Grund drei), bei den Fluglotsen (Grund vier) und bei den Fluggesellschaften selber (Grund fünf). An den Gründen eins und zwei wird sich so schnell nichts ändern lassen – Bürgerinitiativen haben lange für die Beschränkung der Flugzeiten gekämpft. Und gegen das Wetter ist auch wenig zu machen. Bei den Sicherheitskontrollen setzt der Bundesverkehrsminister auf mehr Privatisierung, mehr Verantwortung bei den Flughäfen. Aber das wird dauern, wenn es denn überhaupt umsetzbar ist, für diesen Urlaub reicht es nicht mehr. Ähnlich ist es bei den Fluglotsen, die für diesen anspruchsvollen Job nicht über Nacht ausgebildet werden können.
Was also können die Fluggesellschaften tun? Eine Lücke ist entstanden, weil die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, Air Berlin, nicht mehr da ist. Die Konkurrenz hat zwar versucht, die Lücke zu schließen, aber bei immer mehr Fluggästen ist das nicht so einfach. Dies schon gar nicht, weil auch der Preiswettbewerb zugenommen hat, der bewirkt, dass immer mehr Menschen fliegen möchten. „Wer nur 20 Euro bezahlt, was kann der schon erwarten“, hat eine erboste Flugbegleiterin der irischen Billigfluglinie Ryanair vergangene Woche gefragt, als die Mitarbeiter wegen des enormen Kostendrucks in den Ausstand getreten waren (Grund sechs). Damit hat sie den siebten Grund angesprochen, die niedrigen Preise. Wer für 300 Euro eine Woche Mallorca inklusive Flug, Hotel und Vollverpflegung erwartet, der darf sich nicht wundern, wenn nicht alles rundläuft. Auch Ryanair hat den Fehler gemacht, anfangs nur über den Preis möglichst viele Kunden zu werben, dabei aber die eigene Belegschaft zu vernachlässigen. Air Berlin hatte den Spagat versucht, aus einem Ferienflieger auch eine „Qualitätsairline“ zu machen, die für Geschäftsreisende interessant ist.
Die Lufthansa – anfangs noch dafür belächelt – versucht den umgekehrten Weg: Wer mehr bezahlt, sollte auch mehr Leistung erwarten dürfen. Das ist aber innerhalb eines Unternehmens, einer Struktur, schwer umzusetzen. Dafür hat die deutsche Nummer eins hart mit den Gewerkschaften gekämpft. Gerade der Stau am Himmel zeigt aber, dass es aus unternehmerischer Sicht zwingend erforderlich ist, den komplexen Flugbetrieb mit einer „Mischkalkulation“ aufrechtzuerhalten. Es muss die Passagiere geben, die bereit sind, für mehr Qualität einen höheren Preis zu zahlen. Wenn sie dabei aber im gleichen Stau landen wie alle anderen, dann wird auch diese Bereitschaft abnehmen.
klaus-dieter.oehler@stzn.de