Profigolfer Stefan Wiedergrün Grün ist die Hoffnung

Von Nathalie Mainka 


Strong war es auch, der Wiedergrün 2005 das Stipendium an der "University of North Carolina" vermittelte. Er war damals schon überzeugt, dass der junge Spieler das Zeug zum Profi hat. "Er ist richtig talentiert, unendlich fleißig, bescheiden, hat einen unglaublich starken Willen - und er ist einfach ein guter Typ", sagt sein Trainer.

Täglich acht Stunden auf dem Platz


Wiedergrün ist ein eher introvertierter Mensch, verliert ungern viele Worte. "Ich habe kein Problem, auf Leute zuzugehen. Doch ich höre mir erst an, was die anderen sagen, bevor ich mehr von mir preisgebe", sagt er. Ein Einzelgänger sei er nicht. "Immer alleine unterwegs zu sein, ist manchmal auch langweilig." In unzähligen Stunden auf dem Platz hat er gelernt, seine Emotionen im Zaum zu halten. So schnell könne ihn nichts aus der Fassung bringen, sagt er.

Eine äußerst wichtige Eigenschaft auf dem Golfplatz, wo die Nerven nach missglückten Schlägen und Bällen, die die Lochkante rasieren, schnell blank liegen. Mike Strong hat für seinen Schüler die Zehn-Schritte-Regel aufgestellt: Egal, wie groß der Ärger nach verpatzten Schlägen auch ist, nach zehn Schritten muss er verflogen sein. Alles, was zählt, ist der nächste Schlag.

Stefan Wiedergrün ist sechsmal die Woche auf der Anlage, sechs bis acht Stunden täglich. Mal in Ludwigsburg, mal im Stuttgarter Golf-Club Solitude in Mönsheim, wo er früher als Amateur in der Bundesliga gespielt hat. Zum Aufwärmen schlägt er einen Korb Bälle. Bevor er den Platz spielt, macht er Putt-Übungen, trainiert Bunkerschläge und das alles entscheidende Kurzspiel.

Abends geht er viermal die Woche ins Fitnessstudio oder in den Wald - die Athletik ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden in seinem Sport. Wenn er sich danach noch mit Freunden trifft, verabschiedet er sich spätestens um elf Uhr. "Das sind schon Entbehrungen. Die nehme ich aber gerne in Kauf, auch wenn manche über diese Konsequenz lachen", sagt er. Ein Partytyp, der so richtig über die Stränge schlägt, sei er ohnehin nie gewesen.

Einige Sponsoren sind abgesprungen


Eigentlich sollte Wiedergrün längst wieder in Amerika bei seiner Freundin sein, um Turniere zu spielen und sich mit der starken Konkurrenz zu messen. Doch momentan befindet er sich in einer sportlichen Grauzone. Bei den Amateuren darf er nicht mehr spielen, bei den Profis muss erst alles ins Rollen kommen. Ihm fehlt das nötige Geld, um richtig im Geschäft durchstarten zu können.

Ein Turniereinsatz über drei Runden dauert fünf Tage und kostet mit Anreise, Startgeld, Unterkunft und Verpflegung knapp 1000 Euro. Die Eltern haben ihren Sohn im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützt. Aber das reicht längst nicht mehr aus. "In der jetzigen Zeit ist es schwer, Sponsoren zu finden", sagt sein Trainer. 2008 begann Wiedergrün, an seinem Profiplan zu arbeiten. Er führte Gespräche mit Geldgebern, die Verträge waren so gut wie sicher. Dann kam die Wirtschaftskrise - und die meisten sprangen wieder ab. Mike Strong glaubt aber fest daran, dass sich bald eine Lösung findet.