Ihr Mammutprojekt „Vision Bach“ mit allen 60 Kantaten Johann Sebastian Bachs hat die Bachakademie bereits gestartet – im Gesamtprogramm zieht Leiter Hans-Christoph Rademann 2023/24 vor allem die Karte Zukunft.
Nikolai B. Forstbauer
30.05.2023 - 14:19 Uhr
Noch sind wir nicht in der Hälfte des Jahres 2023 angelangt – und schon sind wir doch bereits mitten in der Konzertsaison 2023/24 der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Und Hans-Christoph Rademann, nunmehr im zehnten Jahr seiner Amtszeit als künstlerischer Leiter, freut sich „aufrichtig und für alle, die ungeheuer engagiert an diesem Mammutprojekt mitwirken“, dass die am 14. Mai gestartete Konzertfolge „Vision Bach“ „ein solch wunderbares Echo findet“.
Bis Ende Mai 2024 alle sechzig Sonn- und Feiertagskantaten aus dem ersten Leipziger Dienstjahr Johann Sebastian Bachs zur Aufführung zu bringen – das ist fürwahr allein schon ein prall gefülltes Programm. Rademann aber zieht den Bogen nicht nur mit dem Musikfest Stuttgart (16. Juni bis 2. Juli) noch weiter – Hunderte Kinder entwerfen am 16. Juni im Hegelsaal der Liederhalle musikalisch ihren Blick auf Joseph Haydns „Schöpfung“ und damit zugleich auf unser aller Gegenwart und Zukunft. „Die Schöpfung – Erde an Zukunft“ ist der von der Gaechinger Cantorey und Solistinnen und Solisten gleichermaßen gestützte wie befeuerte Dialog der Kinder über die Schöpfung und deren Verletzlichkeit überschrieben.
Händels „Samson“ zum Auftakt
Programmatisch auch der Auftakt der Abonnementkonzerte am 21. Oktober im Forum Ludwigsburg und am 22. Oktober im Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle: Mit Georg Friedrich Händels 1743 uraufgeführtem Oratorium „Samson“ taucht das Publikum ein in den Heldenmythos um den Ersten des Volkes Israel im hoffnungslos scheinenden Ringen mit anderen Mächten, markiert jedoch zugleich eine hoch aktuelle Fragestellung: wie nämlich jenes wirkungsmächtige Gottvertrauen des Samson heute überhaupt nur gedacht werden könnte.
Im Februar 2023 erstmals präsentiert: „Bach Bewegt!“ mit der Johannes-Passion Foto: BA
Aber auch das feine Perlen fehlt nicht im Programm: In den von Johann Sebastian Bach hoch geschätzten Glanz des Dresdner Barock entführen mit Johann David Heinichens „Missa Nr. 9 D-Dur“ und Jan Dismas Zelenkas „Miserere c-Moll ZWV 57“ und seinem „Te Deum a due cori ZWV 146“ die Konzerte am 27. Januar 2024 (Ludwigsburg) und 28. Januar 2024 (Stuttgart). Und mit feinstem Differenzieren wird am 21. März 2024 im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart der 339. Geburtstag von Johann Sebastian Bach gefeiert. Die Geigerin Mayumi Hirasaki wird zeigen, wie sich Glitzer und Analyse in Bachs Kammermusik verbinden.
Vermittlung als Zukunftsarbeit
Zentrales Anliegen auch der Bachakademie-Saison 2023/24 aber bleibt bei allen konzertanten Höhepunkten das, was Hans-Christoph Rademann mit gutem Grund als „Zukunftsarbeit“ beschreibt – die Musikvermittlung für Schülerinnen und Schüler.
Das Programm „Bach Bewegt!“ bietet auch in der neuen Saison wieder drei Bausteine: „Bach Bewegt! Tanz!“, „Bach Bewegt! Singen!“ und „Bach Bewegt! Begegnung!“. Projektleiterin Simone Haas hat indes noch mehr im Angebot: Zu nennen ist vor allem der „Bach-Club“ – er bietet Kindern und Jugendlichen zum einen die Möglichkeit, ganz nah an allen Veranstaltungen der Bachakademie dran zu sein, andererseits aber vor allem die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren.
Bachwoche mit „Johannes-Passion“
Und das immerwährende Bach-Herzstück, die „Johannes-Passion BWV 245“? Auch sie wird in die musikalische Zukunft fortgeschrieben. Hans-Christoph Rademann entwickelt sie von 3. bis 10. März 2024 in der Bachwoche Stuttgart mit jungen Musikerinnen und Musikern aus aller Welt. „Eine schöne und großartige Herausforderung“, freut sich Rademann schon jetzt.