Projekt für einfache Sprache Literatur muss nicht kompliziert sein

Von red/dpa 

Alissa Walser, Arno Geiger, Judith Hermann – bekannte Namen der deutschen Literatur. auch sie machen mit bei einem Projekt, das sich an die vielen Millionen richten, die nicht besonders gut lesen können.

So deutlich fordert selten ein Buchcover auch jene auf,  die nicht gleich zugreifen würden. Foto: dpa/Arne Dedert
So deutlich fordert selten ein Buchcover auch jene auf, die nicht gleich zugreifen würden. Foto: dpa/Arne Dedert

Frankfurt/Main - Zeitgenössische Literatur schließt aus Expertensicht zu viele Menschen aus. Mit Literatur in einfacher Sprache bekomme die Literaturgeschichte ein neues Kapitel, glaubt der Literaturvermittler Hauke Hückstädt. Er leitet das Literaturhaus Frankfurt und ist Sprecher des Netzwerks der Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Im Piper-Verlag hat er die Kurzgeschichtensammlung „LiES. Das Buch. Literatur in Einfacher Sprache“ herausgegeben. Das Buch sei entstanden unter dem Eindruck, „dass die zeitgenössische Literatur mittlerweile große Kreise kaum noch erreicht“, schreibt der Verlag.

Kein Buch mit sieben Siegeln

„Über 17 Millionen Menschen in Deutschland können nicht gut lesen“, begründet Hückstädt seine Initiative. „Das ist ein sehr großer toter Winkel, mit dem sich die Literaturbranche arrangiert hat.“ Es sei nicht hinzunehmen, so viele Menschen von Literatur auszuschließen: Menschen mit Demenz, Menschen, die Deutsch erst lernen müssten, Kinder in Inklusionsklassen, Menschen mit Leseschwäche. Literatur müsse „kein Buch mit sieben Siegeln“ sein, schreibt er im Nachwort. „Was schwer ist, muss nicht besser sein.“

2016 begann er, Autorinnen und Autoren anzusprechen, ob sie sich an dem Projekt beteiligen wollten - er bekam nur ein einziges Nein. Entstanden sind 13 Texte, die in Literaturhäusern vorgelesen wurden und nun als Buch vorliegen. Die Schriftsteller mussten dafür Regeln befolgen: Einfache Wörter und kurze Sätze, keine Perspektivwechsel, keine Zeitsprünge, das Vorlesen darf nicht länger als 20 Minuten dauern.

Auch kein Sanitätshausartikel

„Die Autoren haben die Aufgabe als Bereicherung empfunden“, erzählt Hückstädt. Die entstandenen Texte seien „kein Sanitätshausartikel, sondern Kunst“. Mit dabei: Alissa Walser, Arno Geiger, Judith Hermann, Kristof Magnusson, Mirko Bonné, Nora Bossong. Für ihn selbst sei es „ein Herzensprojekt“, sagt Hückstädt, „das wichtigste, was ich in meinem Berufsleben gemacht habe“.

Als das Buch im Frühjahr auf den Markt kam, gab es gerade nur ein Thema: Corona. Die Leipziger Buchmesse, auf der „der Funke zünden sollte“, wurde abgesagt. Dennoch druckte der Piper-Verlag bald eine zweite Auflage, Hückstädt sieht darin ein Zeichen, „dass die Akzeptanz steigt, dass das weiter trägt“. Inzwischen ist auch die Entscheidung für eine dritte Staffel mit weiteren zwölf Autoren gefallen. Wegen der eingeschränkten Besucherzahlen durch die Corona-Auflagen wird die Reihe aber erst 2021 fortgesetzt.




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