Projekt in Bietigheim-Bissingen Bei der neuen Halle sind noch viele Fragen offen
Ein Kölner Privatunternehmen plant in Bietigheim-Bissingen Mehrzweckhalle, Hotel und Einkaufsmöglichkeiten. Was sagt der Gemeinderat dazu?
Ein Kölner Privatunternehmen plant in Bietigheim-Bissingen Mehrzweckhalle, Hotel und Einkaufsmöglichkeiten. Was sagt der Gemeinderat dazu?
Es klingt fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein: Eine Stadt braucht eine neue Sporthalle, und ein Hotel könnte auch nicht schaden. Dann kommt ein Privatunternehmen und will genau das bauen, ohne dass die Stadt tief in die Tasche greifen muss. So läuft es gerade in Bietigheim-Bissingen. Der Kölner Projektentwickler Thesauros plant den Bau einer Mehrzweckhalle für Sport und Veranstaltungen in direkter Nachbarschaft zur Ege-Trans-Arena. Zudem sollen ein Hotel und Einkaufsmöglichkeiten entstehen.
Baubeginn, geht es nach den Plänen der Unternehmensgruppe Thesauros, könnte schon Ende dieses Jahres sein, Fertigstellung dann entsprechend Ende 2026. Doch so ambitioniert das alles klingt und so weit die Ideen von Thesauros schon sind: Planungsrecht ist noch keines geschaffen. In der Gemeinderatssitzung vergangene Woche wurde lediglich der erste Schritt für die Planung beschlossen: für den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Schwarzwaldstraße/Fischerpfad votierte eine deutliche Mehrheit des Gremiums.
Erst in weiteren Schritten gilt es noch, „einige Dinge abzuarbeiten“, wie es der Baubürgermeister Michael Wolf ausdrückt. Dazu gehören unter anderem der Artenschutz, der Schallschutz für das angrenzende Wohngebiet, die Auswirkungen auf den Einzelhandel und einiges mehr. Es wird Gutachten geben, auch die Bürger können sich noch beteiligen. „Wir müssen das Verfahren starten, um all die Fragen beantworten zu können“, so der Oberbürgermeister Jürgen Kessing.
Und Fragen gab es jede Menge – auch wenn viele Gemeinderäte dem Projekt positiv gegenüber stehen. „Wir haben jetzt in Bietigheim-Bissingen die Möglichkeit, die lange gewünschte Halle zu bekommen“, so Marcus List von der CDU. „Wir sehen das sehr positiv.“ Albrecht Kurz (GAL) sieht das Projekt hingegen falsch vermittelt: „Es sieht so aus, als wäre hier schon alles klar. Dem ist aber nicht so.“ Vielmehr würde ihn interessieren, ob die Kommune nun ein weiteres Zentrum zulasse, wie es mit den Verkehrsströmen aussehe, und wie die Absicherung im Insolvenzfalle des Investors aussehe.
FDP-Rat Götz Noller, der als einziger gegen den Aufstellungsbeschluss stimmte, sieht das Projekt kritisch. Er befürchtet eine Kollision der Sport- und Kulturveranstaltungen und kritisierte, dass rund 300 Stellplätze wegfallen. Da Bietigheim-Bissingen schon eine Handball-Halle habe, sollte man lieber ein Hallenbad auf einen Supermarkt bauen, so Noller. Die Freie-Wähler-Rätin Ute Epple betonte, dass „alle Bedenken sauber abgearbeitet werden müssen“.
Thesauros plant mit seinem Projekt „Sport, einkaufen genießen und (er)leben auf rund 12 700 Quadratmetern“. Das sei die Vision für das neue Quartier neben der Ege-Trans-Arena, dessen Arbeitstitel „The Crown“ (die Krone) lautet. Das Herzstück der Planungen ist eine Mehrzweckhalle mit rund 2700 Plätzen. Hier sollen Bundesliga-Handballspiele ebenso ausgetragen werden wie kulturelle Veranstaltungen stattfinden können. Auch Schulsport soll in der neuen Halle möglich sein, so der Plan des Investors.
Im Untergeschoss der Halle sieht die Planung die Ansiedlung eines Lebensmitteleinzelhändlers vor, ergänzt durch kleinere Flächen für beispielsweise einen Bäcker oder ein Sportgeschäft. In der Tiefgarage sollen rund 100 Autos Platz finden.
Des Weiteren soll zwischen der neuen Mehrzweckhalle und der bestehenden Ege-Trans-Arena ein Hotel entstehen, das im Hauptgebäude vier und im seitlichen Bereich sieben Etagen hat. 166 Menschen könnten dort übernachten – die Gäste von „The Crown“ ebenso wie Geschäftsleute und Touristen.