Projekt „Patientenbegleitung“ Sie nehmen älteren Patienten die Angst

Von Arnold Einholz 

Begleiter geben Orientierung und schenken ihre Zeit

Mit  Zuwendung  und einem verständnisvollen Gespräch können den kranken Menschen  viele  Ängste genommen werden. Foto: privat
Mit Zuwendung und einem verständnisvollen Gespräch können den kranken Menschen viele Ängste genommen werden. Foto: privat

Leonberg - Die eigene Hilflosigkeit durch die Krankheit, gepaart mit einer unbekannten Umgebung und zahlreichen ungewöhnlichen Eindrücken, kann bei einen Krankenhausaufenthalt bei älteren Menschen zu Delir und Depressionen führen. Um dem gegen zu wirken, hat der Kreisseniorenrat Böblingen vor gut einem Jahr das Projekt „Patientenbegleitung“ ins Leben gerufen. Damit die Begleitung am Krankenhaus Leonberg ausgeweitet werden kann, werden jetzt noch weitere Ehrenamtliche gesucht und für sie eine fundierte Schulung angeboten.

„Wenn ältere Menschen unerwartet ins Krankenhaus kommen, besteht zu 20 Prozent die Gefahr, dass sie eine Verwirrtheit oder Depression erleiden“, weiß Manfred Koebler, der Vorsitzende des Kreisseniorenrates. Dies sei zum einen verbunden mit gravierenden Auswirkungen auf die weitere Gesundheit, aber auch mit hohen Kosten. Studien hätten belegt, dass der Einsatz von Patientenbegleitern geeignet ist, bei älteren Menschen im Krankenhaus Delir und Depression zu vermeiden.

Sie haben Zeit für die Menschen

Vor diesem Hintergrund hat der Kreisseniorenrat Böblingen in Kooperation mit dem Klinikverbund Südwest die Verantwortung für das Projekt übernommen und den Verein FISH Leonberg eingebunden.

Abgestimmt mit den behandelnden Ärzten und im Team mit den Krankenschwestern betreuen die Patientenbegleiter nachmittags ältere Patienten. Sie geben ihnen Orientierung, sie unterhalten sich mit ihnen, sie lesen vor. Er werden Spiele gemacht und kleine Spaziergänge unternommen. „Das wichtigste ist dabei, sie haben Zeit für die Menschen in ihrer außergewöhnlichen Situation, Zeit die Schwestern und Ärzte oft nicht haben“, sagt Koebler. Es geht dabei vorwiegend darum, sich für ältere Patienten einzusetzen, die keine Angehörige in der Nähe haben, ihnen die Angst vor Untersuchungen oder auch Heimeinweisung zu nehmen.

Ein erfolgreiches Angebot

Das Pilotprojekt hat im Juli 2017 in der Unfallchirurgie im Klinikum Sindelfingen begonnen. Nach sehr guten Ergebnissen wurde es mittlerweile auf sieben Pflegebereiche in den drei Krankenhäusern Leonberg, Sindelfingen und Böblingen ausgedehnt. „Bisher wurden 1200 Patienten betreut, keiner erlitt ein Delir oder eine Depression“, ist der Vorsitzende des Kreisseniorenrates zufrieden.

Die Krankenschwestern würden den Begleitern bescheinigen, dass die besuchten Patienten ruhiger sind, kaum den Rufknopf betätigen, mehr Appetit zeigen, ruhiger schlafen und so die Nachtschicht entlasten. „Das Pflegepersonal und die Ärzte bezeichnen das Angebot als sehr erfolgreich“, sagt Koebler. Auch die Patientenbegleiter seien hoch motiviert, erhalten für ihr geduldiges Begleiten meist auch etwas zurück – ein Lächeln am Ende des Gespräches, sei der höchste Lohn.




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