„Promi Big Brother“ Dieses Mal will der Wendler durchhalten

Von Antje Hildebrandt 

„Promi Big Brother“, das ist die getunte Variante des Container-TV, featuring den Wendler, Noch-Spielerfrau Claudia Effenberg und andere semibekannte Promis. Am Freitagabend geht’s los. Allerdings floppte die Show schon im vergangenen Jahr.

Der Schlagersänger Michael Wendler bekommt  80.000 Euro für seinen Einsatz im Big-Brother-Haus. Foto:  
Der Schlagersänger Michael Wendler bekommt 80.000 Euro für seinen Einsatz im Big-Brother-Haus. Foto:  

Stuttgart - Was Little Bro‘ wohl so durch den Kopf geht, wenn es in seinem Käfig plötzlich laut wird, weil zwölf Vups einziehen, um sich vierzehn Tage lang rund um die Uhr von achtzig TV-Kameras beobachten zu lassen? Little Bro‘ ist ein weißer Teddyhamster, und Vups sind Very unimportant persons, und damit ist das Spannungsfeld dieser Sendung eigentlich hinreichend skizziert. Frustrationstoleranz eines Hamsters trifft auf Menschen, die das Rampenlicht dringender brauchen als die Luft zum Atmen.

Das ist „Promi Big Brother“, die getunte Variante des Container-TV. Der jüngste Spross der Mutter des Reality-Fernsehens. Featuring den Wendler, Noch-Spielerfrau Claudia Effenberg, einen in Unehren entlassenen Hamburger Justizsenator und andere Kandidaten, die den Bekanntheitsgrad des WG-Hamsters nur geringfügig überbieten. Der Cast verblasst neben der Besetzung der ersen Staffel, als Sat 1 das Immer-Noch-Busenwunder Pamela Anderson und ihren ihren Schauspieler-Kollegen David Hasselhoff aus L.A. einflog und bis zum Ende vergeblich darauf wartete, dass den beiden auch nur ein einziger Satz herausgerutscht wäre, der der Sendung Relevanz verliehen hätte. Und wenn Sie jetzt geräuschvoll gähnen und sagen, o Gott, schon wieder, alter Wein aus Schläuchen. Reicht es nicht, wenn RTL einmal im Jahr überbezahlte Profilneurotiker ins Dschungelcamp schickt, am besten mit einem One-Way-Ticket, kann man dem eigentlich nicht widersprechen.

Marc Rasmus tut es doch, das ist sein Job. Der stellvertretende Sat.1-Chef verantwortet das Format, und er ist fest davon überzeugt, dass dem Sender diesmal gelingen könnte, was in der ersten Staffel 2013 nicht funktioniert hat. Nämlich ein Format zu schaffen, das man sich von der ersten bis zur letzten Folge gerne ansieht. Dieses Kalkül ging nicht auf. Wenn „Promi Big Brother“ damals glänzte, dann durch die vollständige Abwesenheit einer Dramaturgie und die Beharrlichkeit, mit der sich die Moderatoren Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn weigerten, auch nur eine Pointe zu verlieren.

Die Quote brach ein

Nach einem furiosen Auftakt brach die Quote beinahe um die Hälfte ein. Und wenn Marc Rasmus heute sagt, mit einem Marktanteil von 14 Prozent sei die Staffel ein Erfolg gewesen, dann blendet er die öffentliche Häme über diese ereignislose Show aus. Live vor Ort wollte sich die Show kaum einer ansehen. Das lag wohl nicht nur daran, dass es meistens in Strömen regnete, wenn Sat 1 einen roten Teppich vor dem Container im Berliner Stadtteil Adlershof ausrollte. Am Ende musste eine Komparsen-Agentur Zuschauer einkaufen. Sechs Euro soll Sat 1 ihnen dafür bezahlt haben, dass sie sich stundenlang die Beine in den Bauch standen, um sich auf Kommando auf die Schenkel zu klopfen. „So lustig wie einen Eimer Schweinemett“ fand der TV-Kritiker Oliver Kalkofe das Spektakel.

In diesem Jahr sendet Sat 1 die Show wieder aus Köln, aus der Stadt also, wo im Jahr 2000 mit der ersten Staffel von „Big Brother“ alles begann. Der Boom des Reality TV. Back to the roots, so lautet die Richtung. Ein Haus, zwei Ebenen. Oben logieren die Luxusgäste, im Keller die Bewohner zweiter Klasse. So beschreibt Marc Rasmus die Versuchsanordnung. Er sagt, „Big Brother“ sei ja immer ein Experiment gewesen. Was macht es mit Menschen, wenn sie tagelang von TV-Kameras überwacht werden, ohne jeden Kontakt zur Außenwelt? Dieser experimentelle Charakter sei im Laufe der Zeit verloren gegangen, räumt er ein. Sat 1 wolle ihn wieder hervorheben. „Wir wollen uns in dieser Staffel stärker darauf fokussieren, Geschichten zu erzählen.“

An Material mangelt es dem Sender nicht. Auf großbusige US-Importe „als Einschaltimpuls“ hat der Sender verzichtet. Mit Ronald Barnabas Schill hat er stattdessen eine Figur eingekauft, die die Gerüchteküche zum Brodeln gebracht hat. Schill, der Name des ehemaligen Hamburger Justizsenators steht für Macht, Intrigen, Koks und einen Absturz – und schon bald wohl auch für noch schlüpfrigere Geschichten. Schließlich zieht der ehemalige Richter gemeinsam mit Janina Youssefian, 31, ein, einer Ex-Freundin von Dieter Bohlen. Angeblich sind die beiden ein Paar. „Was läuft mit Richter Gnadenlos und dem Teppichluder?“ fragte die „Bild“-Zeitung schon vor dem Start.

Viel Geld für vergessene Prominente

Für Geld machen manche Kandidaten eben fast alles. Und Hubert Kah, 53, in den achtziger Jahren ein Star der Neuen Deutschen Welle, macht daraus auch gar keinen Hehl. Kah leidet unter schweren Depressionen. Er braucht das Geld für ein Comeback. 60.000 Euro soll ihm Sat 1 zahlen. Er steht damit auf Platz vier der Gehaltsliste, hinter Claudia Effenberg (100.000 Euro), dem Schlagersänger Michael Wendler (80.000 Euro) und dem Ex-Bachelor Paul Janke (70.000).

Da könnte Musik drinstecken, wenn es den Machern diesmal gelingt, die Kandidaten aus der Reserve zu locken. Wer in den Keller muss, entscheidet das Publikum per Televote, und es kostet nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, wo „der Wendler“ landet, der im RTL-Dschungelcamp nach vier Tagen das Handtuch warf. Diesmal wolle er durchhalten, hat er der „Bild“ versichert und sich prophylaktisch schon mal die Tarzan-Brust enthaart. „Das fände ich ein bisschen unschön, wenn man mich dabei filmt, wenn ich mir die Brusthaare rasiere. Ansonsten ist alles erlaubt.“

Sex, Drugs & Rock‘n Roll? Darauf werden die Zuschauer wohl auch diesmal vergeblich warten. Schließlich ringt Sat 1 gerade um sein Profil als Familiensender. Cindy aus Marzahn wurde folgerichtig ins Internet verbannt, wo sie jede Folge mit einem Redakteur der „Bild“-Zeitung kommentieren soll – als Fan. Die Sendung wird von Jochen Schropp moderiert.

Sat 1, 20:15 Uhr