Promis im Visier Die Selfie-Jägerin aus Backnang

Wenn sie sich ihr Foto mit Michail Sergejewitsch Gorbatschow anschaut, kommt Ursel Kress ins Schwärmen. Foto: privat

Sie hat unglaublich viele in ihren Alben verewigt: Die ehemalige Gastwirtin Ursel Kress sammelt Fotos mit Stars und Sternchen. 1973 fing alles an und ein Ende ist auch mit nunmehr 82 Jahren nicht in Sicht.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Manche sammeln Kochbücher, andere Kaffeetassen und wieder andere widmen sich ganz klassisch Briefmarken oder Münzen. Das wäre Ursel Kress vermutlich alles viel zu langweilig. Das Backnanger Urgestein – darauf ist sie mächtig stolz – gibt sich seit mittlerweile 50 Jahren einer ganz anderen Leidenschaft hin: Die lebenslustige Frau sammelt Selfies mit mehr oder weniger bekannten nationalen und internationalen Stars und Sternchen aus dem Fernsehen, von der großen Bühne oder aus der Politik.

 

Heutzutage nutzt die Backnangerin ihr Smartphone für die Selfies

Heutzutage nutzt die 82-Jährige für die Fotos natürlich wie viele andere auch gekonnt ihr Smartphone. Doch als ihre spezielle Sammellust anfing, war sie noch mit einem analogen Fotoapparat unterwegs, dessen Film sie danach entwickeln ließ. Im Jahr 1973 entstand die erste Fotografie – mit dem amerikanischen Musiker und Schlagersänger Gus Backus, bekannt durch Evergreens wie „Da sprach der alte Häuptling“ oder „Der Mann im Mond“. Ursel Kress erinnert sich noch genau, wie die Aufnahme entstand. Sie waren im Familienurlaub am Wörthersee. Er ist dort aufgetreten, und die Backnangerin wusste: „Ich will ein Bild mit ihm.“ Sie bekam es, und eine Leidenschaft über Jahrzehnte war entfacht. „Es hat mir gefallen, mich mit so jemandem fotografieren zu lassen. Für mich zählt, dass ich das schaffe und an die Leute rankomme.“

Dafür scheint sie auch ein ganz spezielles Händchen zu haben. Mit vielen Tricks, kessen Sprüchen, der einen oder anderen Flunkerei und viel Kreativität gelingt es ihr in all den Jahren, lange Fanschlangen zu umgehen, in VIP-Bereiche zu gelangen oder zufällig am Nachbartisch eines berühmten Stars zu sitzen. So geschehen mit einem ihrer Lieblingsstars, dem Sänger und Pianisten Fats Domino. „Alle haben mir gesagt, den wirst du nicht kriegen für dein Fotoalbum, da war bei mir das Jagdfieber erst recht geweckt“, sagt Ursel Kress. So etwas wollte die gut gelaunte Dame, die auch gern mal über sich selber lacht, nicht auf sich sitzen lassen. Also ging sie zu seinem Konzert in der Stuttgarter Liederhalle und im Anschluss in die dortige Bar und Gaststätte „Die Note“. „Da habe ich dann gleich seine Gefolgschaft entdeckt und bin ihnen gefolgt. Dem Aufpasser beim VIP-Bereich habe ich angeflunkert, dass ich eine gute Bekannte von ihm sei. Er hat’s geglaubt.“

Die bunte Mischung in den Fotoalben kann sich sehen lassen

Die Selfie-Jägerin aus Backnang bekam damals sogar zwei Fotos. Eines im VIP-Bereich und dann noch eines, als sich Fats Domino im Restaurantbereich nur einen Tisch neben sie saß. „Ich musste nur rüberrutschen. Das wurde eine tolle Aufnahme, aber ich bin schon auch ein bisschen fotogen“, sagt die 82-Jährige, lacht und nimmt das nächste Album in die Hand.

Und die bunte Mischung kann sich sehen lassen: Roberto Blanko, Roy Black, Ireen Sheer, Udo Jürgens, Nino de Angelo, Günther Oettinger, Thomas Gottschalk, James Last, Karl Dall, Vincent Klink, Peter Maffay – die Liste ließe sich wohl noch lange fortsetzen.

Es sind jede Menge Fotos, die Ursel Kress mit ihren liebsten Musik-, Fernseh- und Showstars zeigen. Auf einem Ausflug nach Berlin erwischte sie zufällig auch einen hochrangigen Politiker, bevor dieser fluchtartig das Lokal verlassen musste – und zwar Michail Sergejewitsch Gorbatschow. Mit ihrem Foto mit dem ehemaligen sowjetischen Politiker schaffte es die Backnangerin Ursel Kress sogar in den „Spiegel“.

Hat sie damit Probleme? „Nein, warum denn? Dauernd fragen Zeitungen an. Ich werde berühmt. Total unglaublich und richtig toll“, sagt Ursel Kress, die seit den 1970er Jahren ohne Unterbrechung fleißig Promi-Fotos sammelt. Mehr als 100, meist mit Männern, hat sie in Alben archiviert. „Dass es eher Männer als Frauen sind, ist Zufall. Das hat sich einfach ergeben, ich hätte natürlich auch Frauen genommen“, erzählt Ursel Kress.

Wird irgendwo ein interessantes Konzert oder eine Autogrammstunde angekündigt, ist die Backnangerin dabei. Sie scheut dafür keine Kosten und Mühen. Und der Trubel ist ihr auch mit über 80 Jahren noch längst nicht zu viel. Das seien die Gene, sagt die rüstige Seniorin. „Mein Vater war auch so. Ich muss überall dabei sein und mitfeiern und singen.“ Von ihrem Mann kriegt sie dabei Rückendeckung – der Stadtrat kennt seine Frau nicht anders. Und die Musik, vor allem die Leidenschaft für Elvis Presley, hat das Ehepaar von Anfang an verbunden. Gemeinsam haben sie das Restaurant von Ursel Kress’ Eltern – die Gaststätte Scholpp – weitergeführt. „Es gab schwäbische Küche und immer gut zu tun, aber wir haben es gern gemacht.“ Wenn sie ihrem Hobby nachgehen wollte, hat Ursel Kress erst gekocht, dann ihre Konzertklamotten angezogen, und los ging es.

Auch bei David Copperfield war sie

Einmal hat sie in der Zeitung von einer Signierstunde mit David Copperfield gelesen. Rappelvoll war es, als Ursel Kress das Stuttgarter Hotel betrat, in dem der bekannte Magier seine Fans empfing. „Dort war ein silbern ausgeschlagener Thron aufgebaut, auf dem er saß. Ich bekam mein Bild. Aber zufrieden war ich nicht“, sagt Ursel Kress. Sie habe sich also gesagt, das könne es nicht gewesen sein. Mutig „schummelte“ sie sich noch mal rein. „Er saß noch im Thron, und ich habe mich kaum hingetraut. Da stieg er raus, und ich bekam ein Traumbild mit ihm.“

Wenn die ehemalige Gastwirtin aus Backnang in diesen Erinnerungen schwelgt, kommt sie richtig ins Schwärmen. Das sei einfach ihr großes Hobby, sagt die zweifache Mutter, die mittlerweile vier Enkel hat. Der Reiz, die Stars zu erwischen, lasse nicht nach. Nur an einen ist sie bis heute nicht rangekommen: Shakin’ Stevens. „Der lässt wirklich keine Fans in seine Nähe. Ich hätte so gern ein Foto mit ihm, aber ich fürchte, da habe selbst ich wirklich keine Chance“, sagt Ursel Kress.

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