Protest der Landwirte Diese Forderungen hat ein Biobauer an die Politik
Marcus Arzt ist Ökolandwirt aus Leidenschaft und will die Transformation der Betriebe vorantreiben, gerade zum Wohl der Natur. „Aber wir werden allein gelassen“, sagt er.
Marcus Arzt ist Ökolandwirt aus Leidenschaft und will die Transformation der Betriebe vorantreiben, gerade zum Wohl der Natur. „Aber wir werden allein gelassen“, sagt er.
Marcus Arzt (54) lamentiert nicht gerne. Beim Frühstück auf seinem Gemüsehof bei Heimerdingen im Landkreis Ludwigsburg geht es mit Frau und Sohn entspannt und lustig zu, später im Gewächshaus „streichelt“ er gerne für den Fotografen auch den Ackersalat. Die Rolle eines veränderungsunwilligen, gar bockigen Bauern trifft auf Arzt nicht im Ansatz zu. Er wolle nach vorne schauen und Lösungen finden, sagt der Biobauer. Seiner Meinung nach ist er damit nicht allein: „Viele Landwirte sind auf dem Weg. Aber wir fühlen uns allein gelassen.“
Seit 35 Jahren ist Marcus Arzt Biobauer aus Leidenschaft. Als Jugendlicher hat er Kröten über die Straße getragen und Nistkästen gebaut, der Naturschutz bleibt ein Antrieb seines Schaffens. Deshalb hat er Ende der 1980er Jahre, noch während des Studiums und ohne Felder oder Finanzen, einen Gemüsebetrieb gegründet: „Mir ging es immer um eine Landnutzung, die die Lebensgrundlagen erhält.“ Heute baut er auf 30 Hektar Freiland und drei Hektar Gewächshäusern Ackersalat, Rucola und Spinat an.
Ihn stört aber, dass die Politik den Bauern häufig Steine in den Weg lege, statt sie zu unterstützen. Beispiel Borchert-Plan. Seit vier Jahren liegt ein einvernehmliches Konzept vor, wie die Haltung von Schweinen und Rindern artgerechter werden könnte – das Geld für den Umbau der Ställe bewilligt die Bundesregierung aber nicht. Oder Beispiel Ökolandbau. In Baden-Württemberg hat die Landesregierung beschlossen, bis 2030 den Anteil der Ökolandwirtschaft auf 30 bis 40 Prozent zu erhöhen. Dafür müsse die Nachfrage erhöht werden, doch nicht mal in den landeseigenen Kantinen seien Mindestanteile für regionale und biologische Produkte vorgeschrieben.
Die Dieselaffäre hat das Fass zum Überlaufen gebracht bei vielen Landwirten. Bei ihm mache dieser Posten einen vierstelligen Betrag jährlich aus, der künftig fehle und direkt das Familieneinkommen schmälere. Dabei gebe es gar keine Alternative zum Diesel – Elektro-Traktoren seien noch kaum auf dem Markt, und er habe zuletzt 40 000 Euro ausgegeben, um seine Fahrzeuge mit GPS auszustatten. So können die Äcker genauer bearbeitet werden, was den Spritverbrauch senkt: „Mehr Optimierung geht nicht.“
Marcus Arzt fordert deshalb: „Solche politischen Umstellungen müssten synchron zum technischen Fortschritt gemacht werden.“ Und im Übrigen auch synchron innerhalb der EU. Denn in Italien, wo viele Konkurrenzbetriebe angesiedelt seien, würden etwa deutlich geringere Löhne gezahlt.
Dennoch: Marcus Arzt, der im Ehrenamt auch Vorsitzender des Bioland-Landesverbandes ist, lamentiert nicht. Sein Sohn Daniel, der in Hohenheim Gartenbau studiert, will den Betrieb übernehmen und versichert: „Das würde ich nicht machen, wenn ich keine wirtschaftliche Perspektive sehen würde.“ Es sei ja nicht alles schlecht in der Landwirtschaft. Aber es gebe viel zu tun, um die Zukunftsfähigkeit der Höfe zu verbessern.