Protest gegen geplanten Stellenabbau im Kreis Göppingen Gewerkschaft warnt vor Panikreaktionen

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Die IG Metall sowie die Betriebsräte der Göppinger Firma Schuler und der Geislinger WMF wollen sich gegen die angekündigten Entlassungen wehren: in Gesprächen mit den Unternehmen, aber auch auf der Straße. Am Mittwoch wird demonstriert.

Kreis Göppingen - Die Liste der Hiobsbotschaften wird immer länger: Accuride und Saurer Spring Solution in Ebersbach, die Schweizer Group in Hattenhofen, die Saxonia Umformtechnik und der Sondermaschinenbauer Hang in Göppingen, Fysam in Böhmenkirch und dann die Geislinger WMF und der Göppinger Pressenhersteller Schuler. Alle Unternehmen haben in den vergangenen Monaten bereits Beschäftigte entlassen oder angekündigt, dass sie dies in nächster Zeit tun werden. Auch in etlichen anderen Firmen im Kreis Göppingen kursieren längst Gerüchte, dass Stellen abgebaut werden.

Die Gewerkschaft IG Metall summiert die Zahl der allein in ihrer Branche im Bezirk Göppingen-Geislingen zur Disposition stehenden Arbeitsplätze auf mehr als 2000. „Ganz gleich, ob es um Insolvenzen, um Umstrukturierungen oder um Gewinnmaximierung geht, die Zauberformel scheint immer der Personalabbau zu sein“, klagt der Gewerkschafter Martin Purschke. Dabei sieht der Erste Bevollmächtige der IG Metall im Bezirk sehr wohl die sich verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sei es bei der Digitalisierung, bei der Mobilität oder – ganz allgemein – bei dem sich abzeichnenden konjunkturellen Abschwung.

IG Metall hält die vorgesehenen Kündigungen für fahrlässig

Purschke und mit ihm seine Bevollmächtigten-Kollegin Renate Gmoser kritisieren aber gerade vor diesem Hintergrund die „mangelnde Kreativität bei den Unternehmen“. Auch könne nach neun fetten Jahren jetzt noch nicht von einer Krise gesprochen werden, sondern wohl eher von einer Normalisierung, sagt Purschke. So sei in vielen Betrieben weit mehr als 35 Stunden pro Woche gearbeitet worden, mancherorts gar im Drei-Schicht-Betrieb und sogar an Samstagen und Sonntagen.

Auch Renate Gmoser ist sich bewusst, dass Auftragsrückgänge zu verzeichnen sind, gerade im Werkzeug- und im Werkzeugmaschinenbau. „Andererseits sind die Arbeitszeitkonten aber übervoll, so dass es geradezu fahrlässig ist, gleich mit den Kündigungen zu winken“, betont sie. Aus Purschkes Sicht fehlt den Geschäftsführern nach der Boomphase die Ruhe. „Unser Mittel der Wahl ist es – im Fall der Fälle – Kurzarbeit anzumelden, anstatt jetzt die Fachkräfte, nach denen man jahrelang geschrien hat, zu entlassen und damit deren Know-how unwiderruflich zu verlieren“, erklärt er.

Strittige Auseinandersetzungen werden nicht ausgeschlossen

Die Gewerkschafter sprechen von einem leichtfertigen Umgang mit Arbeitsplätzen. Dieser ließe sich aus ihrer Sicht mit einer Verringerung der Arbeitszeit, mit individuellen Regelungen, mit einer Nutzung der vorhandenen Altersteilzeitmodelle oder mit einer Qualifizierung für künftige Herausforderungen verhindern. „Wir werden in dieser Hinsicht mit den Arbeitgebern kooperativ und konstruktiv zusammenarbeiten“, stellt Martin Purschke klar. Allerdings würden die Betriebsräte und die IG Metall auch strittige Auseinandersetzungen nicht scheuen.

In beiderlei Hinsicht wird es in den nächsten Tagen vorwärtsgehen. So beginnt an diesem Dienstag der Verhandlungsprozess bei der WMF, nachdem die Konzernspitze angekündigt hat, die Kochgeschirrfertigung zu schließen und ins Ausland zu verlagern. Der Betriebsratsvorsitzende Frank Schnötzinger rechnet mit langwierigen Gesprächen. „Wir schreiben in diesem Segment in Geislingen schwarze Zahlen. Die Entscheidung, wo künftig gefertigt wird, fällt aber bei SEB in Lyon. Deshalb müssen diese Leute mit an den Tisch“, fordert er.

Um 13 Uhr beziehungsweise um 15 Uhr wird demonstriert

Bei Schuler wiederum laufen die Verhandlungen bereits. Zufrieden ist der Betriebsratsvorsitzende Rolf Brodbek aber mitnichten: „Was da so zu hören ist, dass man etwa die komplette Produktion dicht machen möchte und im gewerblichen Bereich nicht mehr ausbilden will, lässt einfach keine durchdachte Struktur erkennen.“ Vielmehr stießen die Arbeitnehmervertreter in den Verhandlungen auf eine Mauer der Sturheit, sagt er.