Proteste in Russland Großdemo gegen Sperrung von Messenger-Dienst Telegram

Von red/AFP 

Tausende demonstrieren in Russland gegen die Sperrung des Messenger-Dienstes Telegram: In Moskau wenden sich die Kritiker lautstark gegen die Regierung – Oppositionspolitiker Alexej Nawalny war ebenfalls vor Ort.

Tausende Menschen haben am Montag in Moskau gegen die Sperrung des beliebten Messenger-Dienstes Telegram in Russland protestiert. Foto: AP 4 Bilder
Tausende Menschen haben am Montag in Moskau gegen die Sperrung des beliebten Messenger-Dienstes Telegram in Russland protestiert. Foto: AP

Moskau - Tausende Menschen haben am Montag in Moskau gegen die Sperrung des beliebten Messenger-Dienstes Telegram in Russland protestiert. Polizei und Veranstalter gaben die Zahl der Teilnehmer an der Kundgebung im Zentrum der russischen Hauptstadt mit etwa 8000 an. Unter den Demonstranten war auch der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny.

Die Menschen hielten Schilder mit Parolen gegen die Regierung hoch, schwenkten russische Fahnen und ließen Papierflugzeuge fliegen, das Emblem von Instagram. In Sprechchören wurde der russische Präsident Wladimir Putin als „Dieb“ beschimpft und ein freier Zugang zum Internet gefordert. Nawalny dankte Pawel Durow, zusammen mit seinem Bruder Nikolai Mitgründer von Instagram, in einer Rede an die Menge für seine Unterstützung des Protests.

Millionen von IP-Adressen gesperrt

Nawalnys Frage „Seid ihr bereit, Widerstand zu leisten?“ beantworteten die überwiegend jugendlichen Demonstranten mit einem lauten „Ja“, bevor sie die auf Putin gemünzte Parole „Nieder mit dem Zaren!“ riefen. Der 33-jährige Durow bezeichnete die Kundgebung im Internet als „beispiellos“ und fügte hinzu: „Mit eurer Energie seid ihr dabei, die Welt zu verändern.“ Richter hatten die Blockade von Instagram angeordnet, nachdem der Online-Dienst den russischen Geheimdiensten die Entschlüsselung privater Chats verweigert hatte. Die zuständige Behörde Roskomnadsor sperrte Abermillionen IP-Adressen, die zur Nutzung von Telegram verwendet wurden. Dadurch wurde auch die Tätigkeit vieler Unternehmen, einschließlich des Autobauers Volvo beschränkt.

Die Sperrung wurde aber häufig umgangen - unter anderem durch verschlüsselte VPN-Verbindungen oder sogenannte Proxys. Putin-Gegner benutzen Telegram gerne für Mitteilungen oder um Protestaktionen zu koordinieren. Die Brüder Durow gründeten Telegram im Jahr 2013. Seitdem wuchs die Zahl der Nutzer weltweit auf mehr als 200 Millionen.