Protokoll zu Stuttgart 21 Statt 338 Millionen Euro, 809 Millionen für den Tunnel nach Obertürkheim

Von und Thomas Braun 

Ähnlich fällt die Kostensteigerung beim Bauabschnitt 1.6a aus. Statt 338 Millionen Euro, wie noch im April 2009 beim Vertragsabschluss der vier Projektpartner offiziell angegeben, listet die DB in der Entwurfsplanung nun 809 Millionen für den Tunnel nach Obertürkheim auf - satte 140 Prozent mehr als zunächst veranschlagt. Allein die Kosten der Tunnel liegen also in der Entwurfsplanung um insgesamt 914 Millionen Euro - und damit fast das Anderthalbfache - höher als noch wenige Monate zuvor angegeben und beschlossen. Für alle S- 21-Bauabschnitte zusammen berechneten die DB-Planer nur wenige Monate nach der Finanzierungsvereinbarung sogar 1,8 Milliarden Euro Mehrkosten, eine Steigerung um 58 Prozent.

Trotz der Kostenrisiken wurde die Weiterführung des Projekts Anfang Dezember 2009 im Lenkungskreis, dem obersten Entscheidungsgremium von Stuttgart 21, sowie im DB-Aufsichtsrat beschlossen. Offiziell wurden knapp 4,088 Milliarden Euro Baukosten verkündet, die aber nur durch fast 600 Millionen Einsparungen bei Auftragsvergaben und 220 Millionen Euro geringere Planungskosten eingehalten werden könnten. 

Inwieweit wurden die Teilnehmer der Runde informiert?

Strittig ist, in wieweit die Teilnehmer der Gesprächsrunde am 25. November im Detail über die in dem Papier aufgeführten Erkenntnisse und Zahlen informiert wurden. OB Wolfgang Schuster ließ gegenüber der StZ durch seinen Sprecher Markus Vogt ausrichten, bei dem Treffen sei die Zahl von 4,875 Milliarden Euro nicht gefallen. Es sei lediglich um die Vorbereitung der darauffolgenden Sitzung des Lenkungskreises gegangen. Auch in der Sitzung dieses Gremiums am 10. Dezember 2009 sowie in den Sitzungen zuvor sei "niemals eine Kalkulation in Größenordnung von rund 4,9 Milliarden Euro präsentiert worden". Der Regionalpräsident Bopp hatte sich zuvor bereits in gleichem Sinne geäußert. Die Frage, warum ein eigens für Schuster und Bopp verfasstes Informationspapier in der Besprechung am folgenden Tag offenbar keine Rolle gespielt hat, konnte der OB-Sprecher nicht beantworten.

Aus Sicht der Deutschen Bahn stellen sich die Dinge gleichwohl ganz anders dar. Auf Anfrage weist der Verkehrskonzern die Vorwürfe vehement zurück und verweist auf ihre bisherigen Aussagen zum Vorwurf verschleierter Mehrkosten. Man habe in der Vergangenheit "kontinuierlich über die Kosten von Stuttgart 21 informiert", teilt das Projektbüro in Stuttgart mit. Die Kostenentwicklung ergebe sich jeweils "aus der Fortschreibung der Planungsstände".