Prozess am Landgericht Stuttgart Kollegin in Gaststätte vergewaltigt

Von George Stavrakis 

Ein Mitarbeiter aus der Spülküche soll eine Kollegin in einer Stuttgarter Gaststätte vergewaltigt haben. Jetzt steht der Mann vor Gericht und sorgt für Kopfschütteln.

Das „Geständnis“ des Angeklagten fiel völlig anders aus als angekündigt. Foto: dpa
Das „Geständnis“ des Angeklagten fiel völlig anders aus als angekündigt. Foto: dpa

Stuttgart - Verteidiger Jens Rabe gibt alles. Vor Prozessbeginn berät er seinen Mandanten und kündigt dann eine sogenannte geständige Einlassung an. Dann jedoch bleibt der 33-jährige Angeklagte vor der 18. Strafkammer des Landgerichts stumm. Ein weiteres Gespräch unter vier Augen ist notwendig. Dann will der Mann, so heißt es, gestehen, dass er eine Kollegin vergewaltigt und beraubt hat. Doch daraus wird nichts.

Am Vormittag des 24. Mai dieses Jahres soll sich der Angeklagte an seiner 22-jährigen Kollegin vergangen haben. Er habe die Frau in dem Lokal, bei dem beide beschäftigt sind, gebeten, ihm 50 Euro zu leihen, trägt Oberstaatsanwältin Marina Schmitt vor. Daraufhin seien beide in den Damenumkleideraum gegangen. „Dort fing er an, die Frau an den Schultern zu streicheln“, so Schmitt. Die 22-Jährige habe sich gewehrt, der Mann habe sie in die Toilette gezwungen.

Der Vater hatte 19 Kinder

Er habe dem Opfer den Mund zugehalten, ihm die Jeans zerrissen, sich ausgezogen und den ungeschützten Geschlechtsverkehr mit der Frau bis zum Samenerguss ausgeübt. Zu allem Übel habe er ihr auch noch den Reisepass und 100 Euro aus dem Geldbeutel genommen, ehe er verschwand.

Der 33-jährige Kameruner ist 2016 über Nigeria, Niger, Algerien, Marokko und Spanien nach Finnland gekommen. Die Finnen schickten ihn zurück nach Spanien, er reiste weiter nach Deutschland, wo sein Asyl­antrag schließlich abgelehnt wurde.

Er stamme aus einer polygamen Familie, sagt der Mann. Sein Vater habe vier Frauen und 19 Kinder, seine Mutter sei Ehefrau Nummer drei. Bis zu seiner Festnahme noch am Tag der Tat habe er sechs Monate lang in dem Lokal in der Innenstadt als Spüler ­gearbeitet, sagt er.

„Es tut mir sehr leid. Mir war so, als würde ich gar nicht erkennen, was da los war“, so der 33-Jährige – woraus niemand so recht schlau wird. Die Frau habe ihm jeden Tag ­gesagt, sie liebe ihn. Er wiederum habe ihr sogar versprochen, sie zu heiraten. „Ich weiß aber nicht, was passiert ist.“ Er sei sicher schuldig, weil er schließlich Sex mit der ­Kollegin gehabt habe, fährt der Mann fort. Kommt nun das Geständnis?

Nach der Tat schlief er im Keller

Sie habe ihn immer wieder angemacht, und in dem Umkleideraum habe sie ihn ­ausziehen wollen. Die Frau habe keine Unterhose angehabt, er habe das vorhandene Loch in ihrer Jeans nur etwas größer gerissen. Dann sei es zum Sex gekommen. „Ich glaube, sie hatte einen Orgasmus“, sagt der kräftige Mann. Die Frau habe ihm ungefähr 35 Euro und ihren Pass gegeben. Warum, wisse er auch nicht.

„Was Sie hier schildern, ist keine Vergewaltigung, sondern einvernehmlicher Sex“, sagt die Vorsitzende Richterin Manuela Haußmann. Warum habe die 22-Jährige dann Anzeige erstattet?, will die Richterin wissen. „Das ist es, was ich nicht verstehe“, so der Angeklagte.

Das Opfer war nach dem Vorfall in die Küche gelaufen und hatte eine Kollegin alarmiert. Die Polizei fand den mutmaßlichen Vergewaltiger kurze Zeit später im Keller der Gaststätte – schlafend.

Ein Kripobeamter berichtet, der Angeklagte sei schon mehrfach straffällig geworden. Dabei sei er immer als verhaltensauffällig geschildert worden. Der Angeklagte selbst sagt, er habe „Traumaprobleme“, wisse aber gar nicht, was ein Trauma sei. Der Prozess wird fortgesetzt.

Sonderthemen