Prozess gegen Jugendgang Mit dem Schlagstock in die Bar

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Elf Mitglieder einer Jugendgang müssen sich vor Gericht verantworten, weil sie eine Kneipe demoliert und dabei auch noch Waffen gezogen haben sollen. Die Gäste waren bei dem Angriff in Panik auf die Toiletten geflüchtet.

Nach einem Überfall auf eine Bar in Ludwigsburg müssen sich derzeit elf Mitglieder der Jugendgang Red Legion  vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Foto: dpa
Nach einem Überfall auf eine Bar in Ludwigsburg müssen sich derzeit elf Mitglieder der Jugendgang Red Legion vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Foto: dpa

Ludwigsburg - Plötzlich platzt dem Vorsitzenden Richter der Kragen. Vorne in Saal 1 des Stuttgarter Landgerichts sitzen die elf Angeklagten, Mitglieder der Jugendgang Red Legion aus dem Großraum Stuttgart. Hinten haben Angehörige und Freunde Platz genommen. Es geht um schweren Landfriedensbruch, Körperverletzung, ernste Vorwürfe also. Aber die Stimmung beim Prozessauftakt am Montag ist merkwürdig gelöst. Die Angeklagten winken, suchen Kontakt zu ihren Bekannten, es wird gezwinkert und gelacht. Bis der Richter eingreift und einen Zuhörer anschreit. „Ich verwarne Sie. Wenn Sie hier weiter kommunizieren, fliegen Sie raus! Ist das klar?“ Kurze Zeit später ermahnt er einen anderen jungen Mann, das „Gegrinse“ zu lassen.

Eine Stunde nach Prozessauftakt platzt dem Richter der Kragen

Zu guter Laune gibt es eigentlich keinen Anlass. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, am 15. Januar 2012 eine Kneipe in der Ludwigsburger Solitudestraße demoliert und einen Gast mit Waffen bedroht zu haben. Als die Bedienung die Polizei alarmieren wollte, habe einer aus der Gruppe einen Pflasterstein durch die Fensterscheibe geworfen – und die Frau nur knapp verfehlt. Gläser, Salzstreuer und Windlichter seien durch den Raum geflogen, andere Gäste hätten in Panik in den Toiletten Schutz gesucht. Der Anlass für den Exzess: in der Bar saß ein hochrangiges Mitglied der Black Jackets.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die Red Legion in Esslingen versammelt hatte und gezielt nach Ludwigsburg gefahren war, um dem 29-Jährigen „eine Abreibung zu verpassen“. Das Verhältnis zwischen den beiden rockerähnlichen Banden gilt als angespannt.

Das Opfer ist Mitglied der berüchtigten Black Jackets

Laut der Anklage stürmten zunächst drei Angreifer in das Lokal, um das Black-Jacket-Mitglied „auch unter Einsatz eines Faustschlags zum Hinausgehen“ aufzufordern. Als der 29-Jährige sich weigerte, hätten die Täter Schlagstöcke, Messer und eine Schreckschusspistole gezogen – und die Bar verwüstet. Bevor die Polizei eintraf, seien sie geflüchtet.

Anders schildert einer der Verteidiger die Hintergründe. Demnach war lediglich ein Mitglied der Red Legion aus persönlichen Gründen mit dem 29-Jährigen verfeindet. Das Zusammentreffen sei Zufall gewesen, und längst nicht alle Angeklagten hätten sich an der Auseinandersetzung beteiligt. Manche hätten gar versucht, zu schlichten. Entscheidend ist dies vor allem im Hinblick auf die Frage, ob sich die Gruppe tatsächlich des gemeinschaftlichen schweren Landfriedensbruchs schuldig gemacht hat. In diesem Fall droht den Männern die Ausweisung aus Deutschland. Die Red Legion rekrutiert sich überwiegend aus kurdischstämmigen Mitgliedern. Nach dem Überfall wurden im Januar und März bei groß angelegten Razzien 31 Wohnungen in der Region Stuttgart durchsucht und 34 Tatverdächtige ermittelt.

Mehrere Angeklagte waren an dem Musiknacht-Überfall beteiligt

Die elf Männer, die sich jetzt vor der 3. Großen Jugendkammer verantworten müssen, sind zwischen 17 und 26 Jahre alt und teilweise vorbestraft, weil sie an dem brutalen Überfall auf eine Kneipe während der Nürtinger Musiknacht im Mai 2010 beteiligt waren. Bei der Massenschlägerei waren damals vier Personen schwer verletzt worden. In Ludwigsburg ging der Angriff glimpflich aus – ohne Schwerverletzte.

Auf die Frage des Richters, ob die Angeklagten sich zu den Vorwürfen äußern wollen, folgte am Montag elf Mal dieselbe Antwort: nein. Bis Dezember sind noch 27 Verhandlungstage angesetzt. Ein zweites Verfahren gegen weitere Tatverdächtige ist in Vorbereitung.




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