Security-Mitarbeiter verurteilt Keine Drogenlieferungen mehr ans Gerber

Jetzt gehen keine Drogen mehr an die Adresse des Einkaufscenters Gerber.Foto:Lichtgut/Piechowski Foto:  
Jetzt gehen keine Drogen mehr an die Adresse des Einkaufscenters Gerber. Foto:Lichtgut/Piechowski

Aus der Karriere als Drogenbarone wurde nichts. Zwei Männer hatten sich Rauschgift ans Einkaufcenter Gerber schicken lassen. Jetzt wurden sie verurteilt.

Stuttgart - Sie sehen gut aus, die zwei jungen Burschen auf der Anklagebank vor der 7. Strafkammer des Landgerichts: gepflegt, adrett, freundlich. Sie sehen so gar nicht aus, wie man sich vielleicht Drogenbarone vorstellt. Ihre Karriere im Sumpf des Rauschgifthandels währte auch nicht lang. Jetzt wandern die zwei 26 und 27 Jahre alten Männer für Jahre hinter Gitter.

Die Angeklagten waren als Security-Mitarbeiter im Gerber an der Sophienstraße in der Innenstadt angestellt. Inzwischen arbeitet das Einkaufscenter mit einer anderen Sicherheitsfirma zusammen. Die Männer aus Pforzheim und Calw wollten sich einen Service des Gerber zunutze machen – den Paketservicedienst. Das Gerber bietet Privatleuten an, sich Pakete an seine Adresse schicken zu lassen.

Ihre Drogenbestellungen gaben die zwei Männer im Darknet auf. Dieser schwer zugängliche Teil des Internets war einst von und für Dissidenten geschaffen worden als Schutz vor staatlicher Repression. Inzwischen tummeln sich Schwerkriminelle im Darknet. Dort gibt es unter anderem Waffen, Kinderpornografie, Kreditkartendaten und eben Drogen aller Art.

Drogenpakete fallen auf

Die erste Order datiert vom 19. Oktober 2018: 108 MDMA-Tabletten, sprich Ecstasy. Ein Unbekannter hatte das Paket in der Poststelle eines Supermarkts in Nordrhein-Westfalen aufgegeben. Einem Mitarbeiter der Poststelle kam das Päckchen komisch vor: Es wurde aus dem Verkehr gezogen.

Mitte Februar 2019 bestellten die Angeklagten dann weitere 100 Drogentabletten, zwei Tabletten gab es von dem unbekannten Lieferanten aus den Niederlanden als Rabatt obendrauf. Die Post fing auch dieses Drogenpäckchen ab.

Die Angeklagten blieben hartnäckig. Im Juni 2019 orderten sie rund ein Kilogramm Amphetamin im Darknet – wieder mit dem Gerber als Lieferadresse, wieder unter Fantasienamen. Der Stoff, der in drei Tranchen kommen sollte, wurde ein weiteres Mal abgefangen. Die Männer fragten vergeblich bei einer Bekannten in der Gerber-Poststelle nach.

Zu Beginn dieses Jahres war es vorbei mit dem Sicherheitsjob im Gerber. Trotzdem hat das Duo den Einstieg in eine Karriere als Drogenhändler weiterverfolgt. „Man muss ihnen schon eine gewisse Kühnheit bescheinigen“, so Rainer Gless, Vorsitzender Richter der 7. Strafkammer.

Unverdrossen weiter Drogen geordert

Es wurde trotz dem vorangegangenen Misserfolg unverdrossen weiter im Darknet geordert: Amphetamin, Marihuana, Ecstasy. Dieses Mal erreichte das Rauschgift sein Ziel. Allerdings waren Drogenfahnder dem Duo inzwischen auf den Fersen. Es folgte die Durchsuchung der Wohnung der Angeklagten in Pforzheim. Die Polizei stellte neben dem Rauschgift knapp 7000 Euro Bargeld, einen Schlagstock aus Metall und ein Springmesser sicher. Der Fund der eigentlich wenig spektakulären Waffen fällt vor Gericht durchaus ins Gewicht.

Denn bei einem Waffenfund wird aus Drogenhandel bewaffneter Handel mit Betäubungsmitteln, was härter bestraft wird.

Trotzdem kamen die zwei jungen Männer einigermaßen glimpflich davon. Sie wurden zu dreieinhalb Jahren sowie zu drei Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatten auf Anraten ihrer Verteidiger umfassende Geständnisse abgelegt. „Zudem waren keine konkreten Drogenverkäufe nachweisbar“, so Richter Rainer Gless.




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